SALOMES BÜCHER

Leben und Lesen gegen den Strom

Archiv für 'Zeitgeschichte & Gesellschaft' Kategorie


Dieter Nuhr - Wer`s glaubt, wird selig

Verfasst von Esther am Februar 5

Dieter Nuhr wirft in seinem Buch einen spöttischen und kritischen Blick auf das Thema Glauben.

Eine humorvolle Reisebeschreibung hat Herr Nuhr da verfasst, die wie gesagt das Thema Glauben in aller Welt, dessen Eigenheiten und Traditionen aufgreift. Dazu gibt es jede Menge bunter Bildchen mit nen lustigen Spruch dazu. Teils recht interessant und amüsant zu lesen, jedoch erschien Nuhr mir doch auch oft als Besserwisser und Besserwessi, was dem Ganzen einen schalen Beigeschmack gab. Seine Abhandlungen über Gott und die Welt sind ebenfalls nett zu lesen, bringen jedoch sicher keine neuen Erkenntnisse, allenfalls ein Schmunzeln. Das man Glauben hinterfragen soll und besser keinem Menschen traut, der glaubt das nur sein Glauben Wissen bedeutet und allgemeingültig ist, ist mir bekannt und sollte auch anderen Menschen, die Nuhrs intelligenten Humor mögen und seine Bücher kaufen, klar sein. Von daher : Keine umwerfenden Erkenntnisse. Ich denke (oder hoffe ?) aber auch, dass Nuhr diesen Anspruch nicht hatte.
Zu Beginn seines Buches stellt Nuhr die Frage: Worum geht`s eigentlich? Seine einfache Antwort : Keine Ahnung!
Und der Leser? Ist er nach dem Lesen des Buchs der Grundfrage aller Erkenntnis auf die Schliche gekommen? Nööö! Sag ich mal ganz klar! Aber dennoch hat er sich sicher ganz gut amüsiert.
Als bekennender Fan von Kaberettist und Komiker Nuhr bin ich allerdings enttäuscht. Von dem Esprit seiner Bühnenauftritte konnte ich nicht viel merken. Ich denke nicht, dass ich mein Geld nochmals für eines seiner Bücher investiere. Lieber sehe ich ihn weiter in der Glotze, wo er mich wunderbar witzig unterhält.

Meine Bewertung:

ISBN: 349962284X
Rowohlt Taschenbuch Verlag
Oktober   2007 - kartoniert - 187 Seiten
rororo Taschenbücher
Zahlreiche Farbfotos

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Nicole Avril - Elisabeth - Portrait einer Kaiserin

Verfasst von Esther am Januar 8

Einen biographischer Roman über die österreichische Kaiserin Elisabeth hat die französische Autorin Nicole Avril 1993 veröffentlicht.

Nach meiner jährlichen Dosis Heile Welt, ich habe mir mal wieder die alten Sissi-Filme von Ernst Marischka reingezogen, musste ich dieses Mal einfach wissen, was denn nun wirklich an Wahrheit in den zuckersüßen Monarchenstreifen steckt. Ich suchte also nach einem Buch mit Infos zu Elisabeth und ihrer Geschichte. Ein trockenes Sachbuch sollte es allerdings such nicht sein. Entschieden habe ich mich also letztendlich für diesen biographischen Roman. Nicole Avril stützt sich weitgehend auf Biographien von Corti und Hamann hat aber alles flüssig zu lesen in eine Romanform gebracht. Die tragische und düstere Geschichte der Kaiserin bietet sich ja auch sehr gut für einen Roman an. Die Autorin sagt in ihrem Vorwort, dass sie sich bemüht hat objektiv zu bleiben und dem Zauber von Sissi nicht zu erliegen, auch wenn es ihr oft schwer gefallen ist. Sie wollte der historischen Gestalt der Elisabeth gerecht werden, aber nicht nur die Kaiserin und Königin vorstellen, sondern auch den Mensch, die Dichterin und die Reformerin. Das war mir gleich sympathisch.
Sie erzählt das Leben der Kaiserin Elisabeth eindrucksvoll, angefangen mit deren Kindheit in Bayern bis zu ihrem Tod und darüber hinaus weiter bis zu Franz-Josephs Tod, und das mit viel Einfühlungsvermögen und Tiefe. Nichts bleibt an der Oberfläche, alles wird durchleuchtet. Darüber hinaus hat Avril merklich sehr genau recherchiert und den geschichtlichen Hintergrund und politisches Wissen sehr harmonisch mit eingeflochten, so dass man nach der Lektüre des Buches einiges an geschichtlichem Wissen dazugewonnen hat. Das Buch erzeugt eine eigene Spannung, die bis zum Schluss anhält und somit nie Langeweile aufkommen lässt. Ein, wie ich finde, sehr gelungenes Buch, unterhaltsam, informativ und anrührend. Sehr zu empfehlen!

Meine Bewertung:

/

Originaltitel: L`Impératice
Erschienen 1993 bei Editions Grasset&Fasquelle
In Deutschland 1995 bei Knaur
Übersetzt von Bertold Galli
ISBN: 3426750759

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Oskar Lafontaine - Das Herz schlägt links

Verfasst von Esther am September 5

Eine langwierige Sache, die Lektüre dieses Buches. Aber hat es sich auch gelohnt?

Natürlich, hat Das Herz schlägt links 2007 einiges an Aktualität und Brisanz verloren, kann heute nicht mehr so aufrütteln und schockieren. Dennoch: Oskar Lafontaine hat in diesem Buch seine Seite der Ereignisse rund um seinen spektakulären Rücktritt im März 1999 anschaulich geschildert. Seine drastischen Schritte zu dieser Zeit werden klar verständlich und nachvollziehbar. Zungen die noch immer von “Verrat” zischeln, müssten doch eigentlich nach diesem Buch zum Schweigen gebracht worden sein….
Des Weiteren finden sich in diesem Buch auch Schilderungen seines politischen Werdegangs und seine Meinung zu gewissen Themen der Politik, besonders zu der Finanzpolitik, sowie recht private Dinge, wie zum Beispiel seine Gefühle nach dem Attentat.

Ja, teilweise war es recht mühsam und schwierig zu lesen - eindeutig kein literarisches Highlight - doch ich bin froh am Ball geblieben zu sein. Das Buch hat mir in einigen politischen Dingen, besonders über die Zentralbanken und globale Zusammenhänge in der Wirtschaft und Politik, die Augen öffnen können. Über einiges war ich auch sehr betroffen, beispielsweise über die Wirtschaftshörigkeit Gerhard Schröders und gewisse parteipolitische Interna.

…Dies nahm Gerhard Schröder zum Anlass, Jürgen Trittin noch einmal nachdrücklich zu ermahnen, keine weiteren wirtschaftsfeindlichen Projekte zu verfolgen….

aus einer Kabinettssitzung 1999

Nicht, dass ich diese Dinge nicht schon unterschwellig wusste, oder gespürt hätte…
Ich kann mich nur noch sehr gut daran erinnern, wie ich damals, in meinem jugendlichen Leichtsinn, über die Wahl einer rot- grünen Regierung überglücklich war. Ich hatte an eine gerechte und soziale Politik geglaubt, die nicht nur eine Marionette für Wirtschaft und Oberschicht ist. Und weil ich so sehr daran geglaubt habe, wollte ich vieles einfach auch nicht wissen, oder wahrhaben. Deshalb war dieses Buch auch zu diesem Zeitpunkt kein Thema für mich. Heute hinterfrage ich und betrachte stets möglichst von allen Seiten, bevor ich urteile. Das Herz schlägt links kam daher auch jetzt zur richtigen Zeit.

Parallel zu Lafontaines politischem Werdegang, hat auch übrigens mein Weg nach links geführt, wo wir uns in vollem Einverständnis wiedergefunden haben… ;)

Interessantes zu dem Buch findet man auch auf DIESER HOMEPAGE.

Meine Bewertung:

Taschenbuch: 316 Seiten
Verlag: Econ (11. Oktober 1999)
ISBN-10: 3430159474
ISBN-13: 978-3430159470

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Rebiya Kadeer - Die Himmelsstürmerin

Verfasst von Esther am Juli 15

Rebiya Kadeer - Die Himmelsstürmerin

Himmelssturm für die Menschenrechte

Eine einfache Frau kämpft aus Liebe zu ihrem Volk einen scheinbar aussichtslosen Kampf und wächst dabei weit über sich hinaus

Die freie Journalistin und Sachbuchautorin Alexandra Cavelius hat, zusammen mit der uigurischen Menschenrechtlerin Rebiya Kadeer, deren eindrucksvolle Biographie “Die Himmelsstürmerin”, verfasst. Es ist der erstaunliche Werdegang einer Frau, die ihr Leben dem Kampf gegen die Unterdrückung durch die chinesische Diktatur gewidmet hat und die bis heute als Staatsfeindin Nr.1 in China gilt.

Wer ist Rebiya Kadeer?

Am 15. Juli 1948 wurde Rebiya in einfachen, ärmlichen Verhältnissen unter Goldsuchern im Gebirge von Altay in Ostturkestan (heutige sogenannte autonome Republik Xingjiang) geboren. Unter widrigen Umständen und viel zu früh geboren, aber doch stark mit dem festen Willen zu leben, steht für die Gott dankbaren Eltern schnell fest, dieses Kind gehöre nicht ihnen, sondern dem Volk. Und so wird es auch sein.
Besiedelt ist die Region in dieser Zeit von einer Vielzahl islamischer Turkvölkern, die friedlich miteinander koexistieren: Uiguren, Kasachen, Kirgisen, Dunganen…
Rebiya wächst zunächst in ihre traditionelle Rolle als Hausfrau und Mutter hinein, obgleich sie stets ein Mensch bleibt, der ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und auch keine Scheu vor dem Aussprechen unbequemer Wahrheiten hat. Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Folter, Mord sind zu dieser Zeit omnipräsent, sie prägen Rebiya zutiefst.
Immer deutlicher stellt sich heraus, so wie sie nie ihren Eltern gehörte, gehört sie auch nicht ihren Kindern und ihrem Ehemann.
“Ich will die Mutter des uigurischen Volkes sein, die Medizin für sein Leiden, das Taschentuch für seine Tränen, und der Schirm, der es vor dem Regen schützt.” sagt sie über sich selbst.
Schließlich wird die unbequeme Rebiya von ihrem Mann geschieden und dadurch von ihren Kindern getrennt . Aus ihrer finanziellen Not heraus gründet sie eine kleine Wäscherei. Sie entpuppt sich als findige Geschäftsfrau und hat von nun an nur noch ein Ziel: viel Geld zu machen, um erstens ihre Kinder zu sich holen zu können und zweitens Gelder für ihren Kampf gegen die chinesischen Unterdrücker zu sammeln.

Das erwirtschaftete Geld der Wäscherei investiert sie schlau in weitere Geschäfte und wird dadurch sehr reich. Durch das Gute, das sie mit diesem Geld bewirkt, wird sie eine Art Landesmutter für ihr Volk.
Sie wird sogar in den Volkskongress gewählt, merkt aber, dass sie dort nichts bewegen kann.

Die Unterdrückung der Uiguren

Es ist kaum zu glauben, mit welchen Fakten Rebiya Kadeer aufwartet. Angefangen mit der unerbittlichen Zwangsbesiedlung Xinjiangs durch Chinesen, der systematischen, schleichenden Ausrottung der Bevölkerung dieser Region durch Zwangsumsiedlungen, Verhaftungen (in Gefängnisse mit schlimmsten Haftbedingungen), Morden, das Schaffen sehr schlechter Lebensumstände für die Uiguren; des Weiteren das Beschneiden aller Freiheiten der Uiguren, die totale Kontrolle durch das kommunistische Regime, das Plündern aller Ressourcen der Region, Hungersnöte durch Misswirtschaft; bis hin zu Zwangsabtreibungen, sogar bis zum Geburtstermin, und auch das Töten von Neugeborenen.

Es ist eine unfassbare Ansammlung an Menschenrechtsverletzungen in China und durch China, die sie aufzeigen kann. Unglaublich, dass wir mit diesem Land so unbefangen wirtschaftlich zusammenarbeiten, obwohl diese Dinge ja durchaus bekannt sind. Viele Tatsachen, die man erfolgreich im Alltag verdrängt, werden durch “Die Himmelsstürmerin” schmerzlich bewusst und hinterlassen den Leser mit ohnmächtiger Wut.

Verhaftung und Befreiung von Rebiya Kadeer

1999 wurde Rebiya, nach einer flammenden Rede im Volkskongress, über das Unrecht der Regierung und der darauf folgenden Entziehung ihrer Ämter, endgültig inhaftiert. Die Hölle der Zeit im Gefängnis schildert Rebiya so hautnah, dass es wehtut.

Unermüdlich kämpft unterdessen Rebiyas Familie, ihr zweiter Ehemann Sidik und sechs der elf Kinder im amerikanischen Exil, für ihre Freilassung. Dadurch wurde ihre Geschichte auch in den westlichen Ländern bekannt. 2005 kommt sie frei.

Eine Biographie, die bewegt

Zusammenfassend kann man sagen, dass Rebiya Kadeer mit der Journalistin Alexandra Cavelius ein sehr bewegendes, aufklärendes Buch verfasst hat. Ihr Schicksal, ihr unermüdlicher, selbstloser Kampf für die Menschenrechte, für den sie auch zurecht für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde, ist beeindruckend. “Die Himmelsstürmerin” hat das Leben dieser Frau großartig festgehalten und ihr ein Denkmal gesetzt. Ein Buch, das man nicht mehr vergessen wird.


ISBN: 3453120825
Heyne Verlag
Juni 2007 - gebunden - 415 Seiten
Chinas Staatsfeindin Nr. 1 erzählt aus ihrem Leben
16 - seitiger Bildteil

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