SALOMES BÜCHER

Leben und Lesen gegen den Strom

Archiv für 'Reportage/Essay' Kategorie


Geschützt: Franc W. Bartelt - 24 m² Freiheit

Verfasst von Esther am November 12

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Cyrille Offermanns - Warum ich meine demente Mutter belüge

Verfasst von Esther am Oktober 16

In “Warum ich meine demente Mutter Belüge” verarbeitet der niederländische Essayist Cyrille Offermanns, schonungslos und berührend, seine Erfahrungen mit seiner demenzkranken Mutter.

Em Offermanns ist Mutter von sechs erwachsenen Kindern, eine liebenswerte Seele, die ihr ganzes Leben lang dem Wohlergehen ihrer Lieben gewidmet hat und ihre Wünsche beiseite schob, Ruhepol und Zentrum ihrer Familie - und Em ist demenzkrank.
Bis zu dieser Erkenntnis allein ist es jedoch ein langer Weg. Ein Weg der die Kinder der alten Dame durch Verdrängung, Ängste, Verzweiflung, Wut und Trauer führt.

Zunächst gelingt es Offermanns Mutter noch den schleichenden Prozess des Vergessens geheim zu halten. Als dies nicht mehr klappt und sie immer häufiger durch Gedächtnislücken, zusammenhangloses Reden und Konzentrationsunfähigkeit auffällt, wird dies zunächst von den Kindern als normale altersbedingte Senilität abgetan. Dann die Diagnose: Demenz.
Cyrille Offermanns schildert eingehend den Alltag mit seiner Mutter, die Höhen und Tiefen des Zusammenlebens mit seiner kranken Mutter, deren Prozess der Entfremdung vom ihrem Leben, den Kampf gegen die Krankheit, die immer schwerer werdende Pflege und schließlich ihre Einweisung in ein Pflegeheim.

In jeder Zeile liest man die große Liebe Offermanns zu seiner Mutter heraus, seine Emotionen und seine Eindrücke schildert er mit beeindruckender Ehrlichkeit, ohne Schnörkel. Schlicht und einfach das Leben und der natürliche Gang der Dinge ist aus seinem Buch herauszulesen. Es berührt, wie nur die Realität berühren kann. Es ist ein Buch, dass Klarheit schafft und Wege für den würdevollen Umgang mit Demenzkranken aufzeigt.

Meine Bewertung:

Cyrille Offermans
WARUM ICH MEINE DEMENTE MUTTER BELÜGE
Aus dem Niederländischen von Walter Kumpmann
im Verlag Antje Kunstmann
Original: "Waarom ik moet liegen tegen mijn demente moeder", Cossee, Amsterdam 2006
128 Seiten, gebunden
€ 14,90 (D)

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Natascha - Seelenficker

Verfasst von Esther am September 23

Seelenficker ist, laut Angaben der Verleger, das authentische Tagebuch eines jungen Mädchens vom Babystrich.
Diese Thematik ist in der Tat eine der schlimmsten, die man sich vorstellen kann. Ein vom Stiefvater missbrauchtes Kind, das drogensüchtig wird und sein Geld fortan mit weiterem, täglich mehrfachem Missbrauch von perversen Freiern verdienen muss. Natürlich ist dies ein solch sensibles Thema, dass es schwer fällt über dieses Buch, eben nur als Buch zu urteilen. Den Rest des Beitrags lesen »

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Jörg Böckem - Danach war alles anders - Suchtgeschichten

Verfasst von Esther am August 22

Jörg Böckem, Ex- Junkie und Journalist, führte selbst jahrelang ein Doppelleben, welches er in dem Bestseller Lass mich die Nacht überleben festgehalten hat. Nun hat er andere Suchtgeschichten in seinem Buch Danach war alles anders veröffentlicht.

Böckem hat mit diesem Buch aus dem breiten Spektrum von Suchtproblemen und Drogenkonsum einige Schicksale und Geschichten, die nach der Veröffentlichung von “Lass mich die Nacht überleben” in unzähligen Briefen und Gesprächen an ihn herangetragen wurden, herausgegriffen, nachrecherchiert und niedergeschrieben. Einen Querschnitt dieses breiten Spektrums darzustellen ist ihm dann auch wirklich sehr gut gelungen. Er erzählt sachlich, aber auch sehr feinfühlig die Geschichten dieser Menschen; von augenscheinlich suchtfreiem Gebrauch von Drogen, bis hin zu Alkoholismus, Heroinsucht, Essstörungen, drogenabhängige Müttern, Doppelleben, drogeninduzierten Psychosen und Drogentod. Er verwendet kurze Sätze, berichtet unpathetisch und unverblümt, nimmt aber stets merklich Anteil, wenn auch aus respektvoller Distanz. Dieser Stil ist für das Buch auch essentiell und macht es zum Lesen letztendlich unvergleichlich spannend und wirkungsvoll. Am Ende des Buches waren die beschriebenen Personen fast zum Greifen nahe und ihr Schicksal lässt kaum mehr los.

Im Nachwort lässt Experte für die Praxis Böckem schließlich, mit Dr. Henrik Jungaberle vom Institut für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Heidelberg , noch einen theoretischen wissenschaftlichen Experten zu Wort kommen. Dieser plädiert für den Rausch, für ein Umdenken im Umgang mit Drogen. Weg von deren Dämonisierung, hin zum integrierten Substanzkonsum.

Wer sich ein umfassendes, klares Bild von Sucht und Drogenkonsum machen möchte und gleichzeitig eine mitreißende Lektüre sucht, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

Meine Bewertung :



ISBN: 3442154448
Goldmann Wilhelm GmbH
Juni 2007 - kartoniert - 319 Seiten
Originaltitel: “Danach war alles anders” Suchtgeschichten

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Emmanuel Carrère - Amok

Verfasst von Esther am Juni 4


Klappentext:

Alles begann ganz harmlos: Eine versäumte Medizin-Klausur, eine kleine Lüge, die größere nach sich zog, und der Student Jean-Claude Romand kam aus dem Tritt. Um den schalen Geschmack seiner Erfolglosigkeit zu kaschieren, entwickelte er ein Doppelleben: Jahre später glaubte jeder in dem zweifachen Vater einen Arzt der Weltgesundheitsorganisation zu sehen. Nach außen ein gelungenes Leben, aber nichts war echt. Schließlich treibt die unablässige Mimikri ihn in die Ecke, er löscht seine Familie aus und will sich selber richten: Amok. Die Abgründigkeit dieser Geschichte scheint von Dostojewskij zu stammen, und doch hat sie sich 1993 in einem kleinen französischen Ort an der Schweizer Grenze zugetragen. Vor aller Augen entspannte sich eine Tragödie und niemand, nicht einmal die Ehefrau, hatte nur das geringste geahnt.

Meine Meinung:

Es fällt mir schwer dieses Buch zu kommentieren, oder gar zu bewerten. Einerseits ein eindringlich verfasstes Werk, ein tiefgehendes Portrait über den schwerst depressiven Amokläufer Jean-Claude Romand, der 1993 seine Familie ermordete. Eine wahre Geschichte, unglaublicher als jeder Roman, in der Tat; mit viel Zeitaufwand und Arbeit von Carrère recherchiert. Andererseits hat es mich abgestoßen, manchmal gelangweilt, manchmal unangenehm berührt. Es entstehen in keiner Form positive Gefühle beim Lesen. Das Grauen ist zum greifen nah, oft erscheinen alptraumhafte Motive, aber es ist nun mal in der Realität passiert und wirkt dadurch völlig anders als ein Roman.
Das mir das Buch nicht so lag, mag daher auch einfach an dem unerträglichen Charakter Romands an sich, oder vielleicht doch an der Erzählkunst Carrères liegen. Ich kann es einfach nicht genau sagen. Wie gesagt schwer zu kommentieren…

Meine Bewertung:


Amok.Roman.
S. Fischer Verlag
Frankfurt
ISBN: 3-100-10220-7

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Wilhelm Genazino - Achtung Baustelle

Verfasst von Esther am Juni 4

 

Klappentext:

“Ich sehnte mich danach, den Schrank schrumpfen zu sehen…”; “Vogerlsalat grüßt”; “Ich lese auf meinem Zimmer Proust, fresse dazu Marzipan”; “Kätzchen, mein Meerrettich geht unter” - das sind Sätze, bei denen Wilhelm Genazino in Romanen, Essays und Betrachtungen aufmerkte, die ihn verwunderten oder verärgerten, denen er auf jeden Fall in unnachahmlicher Weise nachgegangen ist, indem er seine Fundsätze ernst nimmt, sie gleichsam seziert, mehrfach wendet, um zu ebenso einleuchtenden wie schonungslosen Analysen zu kommen.
Der zweite Teil von »Achtung Baustelle« versammelt drei große Essays zu James Joyce, Marcel Proust und Italo Svevo, der abschließende Teil fasst drei öffentliche Äußerungen anlässlich der Verleihung bedeutender Literaturpreise zusammen.
“Achtung Baustelle” sammelt Genazinos kluge, witzige, intelligente und erstaunliche Betrachtungen, die humorvoll ein anderes, besseres Lesen lehren können.

Meine Meinung:

“Achtung Baustelle” ist eine Sammlung der Kolumnen Wilhelm Genazinos in der Frankfurter Rundschau, später in der Basler Zeitung. Eine anspruchsvolle Lektüre zum Thema “Lesen” und eine Fundgrube voller Anekdoten für Literaturliebhaber.
Genazino ist und bleibt stets Gentleman, seine Kritik stets klug und humorvoll-ironisch verpackt, dennoch schafft er es sein Wissen, seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen klar zu vermitteln. Er stellt sozusagen das Gegenteil zu Reich- Ranicki dar. ;) Die Essays, besonders über Italo Svevo, sind brillant, und hier beweißt sich Genazino als wahrer Sprachkünstler.
Ein zugegeben sehr anspruchsvoller Spass, der Zeit beansprucht, aber unheimlich unterhält. Ich werde mir das Buch sicher immer mal wieder zwischendurch gönnen.

Meine Bewertung:



ISBN: 3423134089
DTV Deutscher Taschenbuch
Januar 2006 - kartoniert - 182 Seiten
‘dtv - Taschenbücher’.

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