SALOMES BÜCHER

Leben und Lesen gegen den Strom

Archiv für 'Historisches' Kategorie


Daria Charon - Die Maske der Leidenschaft

Verfasst von Esther am Mai 24

Das Erstlingswerk von Daria Charon kann nicht recht überzeugen


Zumindest nicht nach der Lektüre ihres zweiten sehr gelungenem Roman “Die Nichte der Marquise”. Der Debütroman gleicht dann doch noch arg einem gewöhnlichen Nackenbeisser.

Zunächst einmal zum Inhalt:

Siebenbürgen, Ende des 17. Jahrhunderts: Ein Pakt verpflichtet das Städtchen Allershausen, den Herren der Wolfensburg alle 25 Jahre eine junge Frau zu übergeben. Doch dieses Mal verlangen die Wolfsmänner drei Frauen. Die Ratsherren schicken ihnen drei Dirnen. Als der Betrug auffliegt, fordern die Wolfsmänner wutentbrannt ihr Recht. Um ihre jüngere Schwester Samara zu schützen, geht Viola Brugger mit ihnen. Auf der Wolfensburg angekommen, wird sie in einen Strudel aus Hass, Leidenschaft und Begierde gerissen, in dessen Mittelpunkt der geheimnisvolle Mann mit der Maske steht, Kyrian Lupanescu, der Weiße Wolf …

Das klingt alles geiler als es eigentlich ist, die Idee ist zwar gut, aber die Handlung plätschert so leicht vor sich hin. Keine Highlights im Spannungsaufbau halten einen bei der Stange, keine erotischen Feuer, nichts. Eher im Gegenteil: langweilige, fade Protagonisten und vorhersehbarer Verlauf. Der Roman holpert auch, weil er einfach zu kurz ist, die Handlung hätte zum Spannungsaufbau 200-300 Seiten mehr gebraucht. So wird alles im Eilverfahren abgebügelt. Man lernt Protagonistin Viola nicht richtig kennen, ebensowenig wird Kyrian vorgestellt. Die ausbaufähige Geschichte mit der Hure Marie kommt gar nicht zum Zuge.

Fazit:

Trotz aller Mängel in dem Roman, gehe ich allerdings weiter von einer interessanten und entwicklungs- und steigerungsfähigen Autorin aus, gerade da der zweite Roman von Charon so gut gelungen ist . Ich hoffe einen furiosen dritten Roman und werde die Autorin im Auge behalten.

Meine Bewertung:

ISBN: 3404157605
Luebbe Verlagsgruppe
Oktober   2007 - kartoniert - 206 Seiten
'Bastei-Lübbe Taschenbücher'.

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Daria Charon - Die Nichte der Marquise

Verfasst von Esther am Mai 17

Welch angenehme Überraschung!


Daria Charons Die Nichte der Marquise ist ein historischer, erotischer Roman von überraschend hoher Qualität. Ich glaube ich habe das Buch in 36 Stunden ohne, oder mit wenigen, Pausen durchgelesen. Das ist bei mir schon eine Seltenheit.

Zunächst jedoch zum Inhalt:

In der französischen Provinz zur Zeit von Ludwig XIV lebt die Bauerstochter Marie in ärmlichen Verhältnissen. Das Mädchen träumt davon diesem kargen Leben zu entkommen. Bald ergibt sich eine Gelegenheit: Die schöne Marie wird von einer Kupplerin, der Marquise de Solange entdeckt und unter dem Vorwand eine Anstellung als Zimmermädchen zu bekommen nach Paris gelockt. Im Haus der Marquise wird Marie dann mit den wahren Plänen für ihre Zukunft konfrontiert. Sie soll als Gespielin für Herren in gehobene Adelskreisen vermittelt werden. Marie entscheidet sich für ein solches Leben, nie wieder will sie in die Armut zurück aus der sie gekommen ist.

Marie ist mit einer natürlichen erotischen Anziehungskraft ausgestattet und schafft es kurz nach ihrer Einführung in die Gesellschaft des Versailler Hofs die Gunst des Königs selbst zu erlangen. Sie wird seine Geliebte und träumt vom Aufstieg zur seiner ersten Mätresse, doch natürlich kommt es erstens anders und zweitens als sie denkt…

Ich bin von diesem Roman ehrlich gesagt begeistert. Zum einen hat Daria Charon einen sehr passablen historischen Roman geschrieben, zum anderen schafft sie es ein Feuerwerk an Erotik zu zünden. Die Temperaturskala der erotischen Handlung reicht von den kalten höfischen Orgien, über liebevolle Kuschelwärme, bis zu brennend heißem Sex. Einzig das Wort Fötzchen, das die Autorin gerne für das weibliche Geschlecht verwendet war gewöhnungsbedürftig.
Nichtsdestotrotz konnte ich meine Augen von diesem Buch einfach nicht mehr abwenden, nicht nur wegen der gelungenen Sexszenen, sondern auch wegen der Spannung in Maries Lebenslauf. Schnell hatte ich sie ins Herz geschlossen, ebenso Tristan, der später eine große Rolle in Maries Leben spielt. So war es denn eben auch nicht verwunderlich, dass das Schicksal der beiden mich gefesselt hat.
Eine tolle Schreibe sei Charon eindeutig zugestanden, sie versteht es den Leser bis zum Ende am Ball zu halten.

Eine sehr befriedigende Lektüre in jeder Beziehung! Toll! Das nächste Buch ist schon geordert… :mrgreen:
Meine Bewertung daher:

ISBN: 3404158229
Februar 2008 - kartoniert - 300 Seiten
Bastei - Lübbe Taschenbücher
6,95 €

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Rebecca Brandewyne - Upon a moondark moor

Verfasst von Esther am Mai 16

Und wieder mal ein historischer Liebesroman. Dieser hier von Rebecca Brandewyne ist sogar eigentlich ein sehr unterhaltsamer. In Deutschland ist der Roman unter dem Namen “In mondheller Nacht” bei Goldmann erschienen.

Inhalt (Klappe) :

Die sturmumtoste Steilküste von Cornwall, 1810: Als die bildhübsche Adlige Maggie Chandler ihrem geheimnisumwitterten “Zigeunercousin” Draco begegnet, gerät ihr Leben gehörig durcheinander. Denn in einer mondhellen Nacht im Moor verliert sie nicht nur all ihre Illusionen sondern auch ihr stolzes Herz …Eine stürmisch-romantische Liebesgeschichte an Cornwalls rauer Küste.

Na? Wer hat so eine Ahnung was dieser Roman ist?…

Auflösung: Eine LR-Verwurstung meines allerliebsten Lieblingsromans “Wuthering Heights” von Emily Bronte!
Die Geschichte ist beinahe identisch, nur die Namen wurden von der Autorin dann doch netter Weise noch geändert und natürlich gibt es ein Happy-end (Emily dreht sich sicher im Grabe um)…. Heathcliff heißt hier Draco, Wuthering Heights wurde zu Stormswept Heights (wie kreativ), es tauchen die Lintons und Earnshaw auf, eigentlich fast alle Figuren und Orte. Der Form halber wurden ein paar Dinge natürlich hinzugefügt…

An sich ein nett geschriebener Liebesroman, aber mit Plagiaten kann ich nunmal gar nichts anfangen. Sich mit der Kreativität anderer zu bereichern finde ich mehr als ungerecht und armselig.

Daher meine Bewertung:

Publisher: Warner Books 1988

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János Székely - Verlockung

Verfasst von Esther am Februar 20

Székely lässt das Ungarn der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auferstehen, um es anschließend gnadenlos niederzureissen.

Wer bei dem irreführenden Cover des Romans der Verlockung erliegt und auf einen verklärenden, romantischen Schmachtfetzen hofft, wird bei der Lektüre von Székelys gnadenlos gesellschaftskritischen Roman, mit seinen unbarmherzig ehrlichen Beschreibungen von Armut und Klassengesellschaft, ein böses Erwachen erleben.

Székely lässt Protagonist Béla in seinem autobiographisch gefärbten Roman durch die Hölle gehen.
In der ungarischen Provinz gibt Bélas junge Mutter den unehelich gezeugten Jungen in eine Art Heim für arme Bankerte und zieht nach Budapest, um dort zu arbeiten. Sie hat kaum eine Bindung zu dem Jungen.
Betreut von der, ihm nicht sehr wohlgesonnenen, geldgierigen ehemaligen Hure Tante Rozika, wird der Junge in schlimmster Armut und Hunger groß. Liebe und Geborgenheit sind ihm fremd und machen ihn sogar Angst, wohl aber kann er Prügeln und lernt zu überleben. Trotz all dem hat Béla ein großes Bedürfnis nach Wissen und schafft es bald sogar die Schule besuchen zu dürfen. Er entpuppt sich als einer der gelehrigsten Schüler der Schule.
Nach dem er eines Tages, in einem besonders harten Winter, beim Diebstahl von Schuhen erwischt wird, muss Béla das Dorf verlassen und muss zu seiner Mutter, mit der er jahrelang keinen Kontakt mehr hatte, nach Budapest ziehen. Anfangs scheint der Junge von der Veränderung in seinem neuen Leben und von der großen Stadt begeistert. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass die Mutter in sehr ärmlichen Verhältnissen lebt und Béla auch die geliebte Schule fortan nicht mehr besuchen darf, sondern eine Lehre in einem Hotel beginnen muss. Die Träume des Jungen zerplatzen, nur der Wunsch dieser Armut zu entkommen treibt ihn voran.
In dem Hotel lernt Béla erstmals die andere Seite kennen, Reichtum und Dekadenz, die ihn zunächst magisch anzieht; verkörpert von der Exzellenz, einer betörend schönen, aber ebenso unberechenbaren Dame der High Society. Der junge Mann schwankt zwischen den Welten der schlimmsten Armut und des Reichtums. Als seine Exzellenz ihn zu ihrem Geliebten macht erliegt er schließlich der Welt des Glanzes und droht dabei sich selbst zu verraten und zu zerstören.

In dem 800 Seiten langen Roman lässt Székely dem Leser viel Zeit und Raum, um den jungen Béla genauestens kennenzulernen. Die Kindheit des Jungen und auch seine Gedanken lassen den Leser nicht mehr los. So fühlt man sich denn auch sehr verbunden mit Béla, man versteht ihn, leidet und bangt mit ihm. Verlockung ist eine stilistisch einfach gehaltene Geschichte, aber mit berauschender Gedankenfülle und einmalig plastischen Bildern. Székelys Wut und Ohnmacht über die Zustände zu jener Zeit in seinem geliebten Heimatland scheint in jeder Zeile durch. Oft ist der Roman dadurch auch sehr sozialkritisch und/oder politisch. In einigen Monologen schreit der Autor förmlich: Schaut auf mein Land! Seht was wir durchgemacht haben und noch immer durchmachen! Der Leser wird in diesem Buch nicht in Watte gepackt, er wird mit der harten Keule traktiert.

Auch heute ist das Buch noch sehr aktuell und einigen Menschen in meinem Umfeld würde ich dieses Buch gerne zur Pflichtlektüre machen. Vieles hat dieses Buch in mir bewirkt.

Das Buch ist uneingeschränkt als Meisterwerk weiterempfehlen! Daher:

Meine Bewertung:

++

ISBN: 3442735106
Übersetzt von Ita Szent-Iványi
Btb
Juni 2007 - kartoniert - 816 Seiten
Originaltitel: Kisértés.

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Margot Livesey - Der Ruf der Elstern

Verfasst von Esther am Dezember 27

Ein mystisches Schottland, zur Zeit der beiden Weltkriege, trifft auf die Geisterwelt.

Kurzbeschreibung:

Am Morgen von Eva McEwens Geburt versammeln sich sechs Elstern im Apfelbaum vor dem Fenster - kein gutes Omen, wie es in einer alten schottischen Legende heißt. Ihre Mutter stirbt noch in derselben Nacht, und Eva wächst bei ihrem herzkranken Vater und ihrer Tante in der kleinen schottischen Stadt Troon auf.
Schon als Kind wird Eva immer wieder von zwei Gestalten besucht, die nur sie sehen kann, einer silbrigen Frau und einem blauäugigen Mädchen. Sie helfen Eva beim Aufräumen und anderen kleinen Pflichten. Doch als Eva älter wird, sind die Absichten der Besucherinnen aus der anderen Welt nicht mehr so eindeutig: Wollen sie Eva schützen oder ihr Unglück bringen? Während des Zweiten Weltkriegs arbeitet Eva als Krankenschwester in Glasgow. Als sie sich jedoch in einen jungen Chirurgen verliebt, wird offenbar, dass ihre Begleiterinnen oft andere, eigene Zukunftspläne für sie haben …

Eva McEwens Leben ist geprägt vom zweiten Weltkrieg, der schnell auch Schottland hart trifft. Noch mehr jedoch beeinflussen geisterhafte Besucher das Leben der jungen Frau. Sie helfen und unterstützen Eva zwar, dennoch sind sie ein dunkles Geheimnis, das sie von frühester Kindheit wie eine Bürde mit sich herumträgt. Sie weiß, sie wird sich nie jemandem anvertrauen können, denn ihre Besucher würden dann gänzlich verschwinden, doch ohne die beiden Geister kann sie sich wiederum auch nicht vorstellen zu leben. Ein Kreislauf in dem sie ihr Leben lang gefangen sein wird. Der junge jüdische Arzt Sam in den sich Eva verliebt und den sie gerne heiraten möchte verändert sich sehr als er seinen Dienst als Arzt an der Front leistet. Eva möchte keineGeheimnisse in ihrer Ehe haben und versucht ihr Geheimnis mit Sam zu teilen - und stößt auch bei ihm auf Unverständnis. Die Beziehung scheint dies nicht zu überleben, Eva vereinsamt. Doch ihre Besucher stehen ihr wieder einmal in der größten Not zur Seite.

Die Beziehung zu den Geistern, die ihr oft näher stehen, als die realen Menschen in ihrem Umfeld beschreibt Margot Livesey sehr anrührend. Die Autorin hat mit Der Ruf der Elstern auch insgesamt ein sehr ruhiges, einfühlsames und stimmiges Buch geschrieben, das mich von Schreibstil her oft an Anne Tyler (Im Krieg und in der Liebe) erinnert hat. Auch hier spielt viel Alltägliches die Hauptrolle, auch wenn dieser Alltag etwas ungewöhnlicher ist. Allerdings hat mir bei Margot Liveseys Buch die leicht mystische Note, der Spannungsbogen und das Ziel der Geschichte, deren Auflösung wesentlich besser gefallen. Auch wenn man anfangs ein wenig hadert und zweifelt, denn Geistergeschichten können ja schnell ins Klischee abrutschen, überzeugt die Autorin mit ihrer schönen Sprache und ihren eindringlich geschilderten, schnörkellosen Figuren. Ein zauberhaftes Buch das man wirklich wunderbar, besonders in den kalten Jahreszeiten, gemütlich eingemummelt auf dem Sofa lesen kann, mit einem Ende, das einem einige Tränchen abringen wird. Eine zu unrecht unbekannte Autorin hierzulande.

Margot Livesey stammt aus Schottland. Sie hat Literatur und Philosophie studiert und mehrere Romane und Erzählingen veröffentlicht. Sie lehrt Literatur in Harvard und lebt in der Nähe von Boston.

Meine Bewertung:

Originaltitel: Eva moves the furniture
Übersetzt von Christine Strüh
ISBN: 3596153409
Fischer Taschenbuch Verlag 2004

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Pitigrilli - Kokain

Verfasst von Esther am September 11

Kokain ist Dino Segres - alias Pitigrilli - Skandalroman aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Er schaffte es gar, dass in den 20er und 30er Jahren seine Schriften verboten wurden. Kokain stand in Deutschland noch bis 1988 auf dem Index für jugendgefährdende Schriften.
Aber wie liest sich der Roman heute, wo Drogenexzesse, Sex und Dekadenz zum alltäglichen literarischen Leben gehören?

Pitigrilli lässt den Leser mit seinem Antihelden Tito eine merkwürdige Reise, aus einer Klosterschule im ländlichen Italien, ins dekadente Paris der 20er Jahre und darüber hinaus letztlich über den halben Erdball, tun.
Titos Geschichte ist von Anfang an abstrakt. Weil er bei seiner Prüfung im Medizinstudium sein Monokel ablegen soll, macht er die Prüfung nicht; als seine Jugendliebe Maddalena in einer Besserungsanstalt landet (wo sie übrigens die Grundkenntnisse in Prostitution erlernt) , nimmt er den nächsten Zug nach Frankreich. Einsam, unglücklich und orientierungslos lebt er dort. Schließlich bekommt er eine Arbeit als Reporter in Paris, verdient sich sein Geld mit Reportagen über die Kokainszene. Dabei verstrickt er sich bald immer mehr selbst in die Kokainsucht und die Suche nach seinem Glück und der Liebe. Es folgen Drogenorgien und dekadente Zusammenkünfte, die er, neben seiner besonders zynisch und auch witzig geschilderten verko(r)ksten Arbeit, kennenlernt; ebenso wie seine schöne Geliebte Kalantan. Als Maddalena, nun endgültig zu der Tänzerin und Prostituierten Maude mutiert, zu ihm nach Paris kommt, pendelt er zwischen den beiden Geliebten. Letztendlich wird jedoch Maude zu seiner Kokaina, einer fataleren Sucht, als es die Sucht nach Kokain selbst je sein könnte.

Sprachlich ein tolles Buch. Zynisch, unerbittlich gemein, ehrlich, manchmal auch etwas düster, lässt er sich über vielerlei Themen, wie den Katholizismus, Journalismus und die Gesellschaft aus. Pitigrilli kann sprachlich auch heute durchaus überraschen und inspirieren. Ein Buch, das eine wahre Sammlung von tollen Aphorismen, die alleine für sich schon lesenswert sind, beinhaltet. Wie dieses Zitat hier zum Thema Alkohol:

Ich trinke, um die Falten der Seele zu glätten, aber die Falten der Seele bringt man nicht weg; man kann sie wohl für einen Augenblick glätten: sie verschwinden für eine Stunde, kommen dann aber wieder zum Vorschein und graben sich um so tiefer ein.

Auch die Charaktere sind anschaulich und interessant gezeichnet.
Die Geschichte an sich dagegen scheint verworren, antiquiert und überladen, so dass das Lesen dieses Buches nicht immer ein echtes Vergnügen darstellt. Tito hat mich zuweilen doch gelangweilt, manchmal habe ich mich auch geärgert, über seine frauenfeindlichen Sprüche beispielsweise, und manchmal habe ich ihn auch einfach nicht verstanden.
Doch bin ich keineswegs verärgert dieses Buch gelesen zu haben, denn es hat mich sprachlich einfach überzeugt.
Fazit:
Das dieses Buch solch einen Skandal verursachte ist heute kaum noch zu verstehen, es beinhaltet nichts was heute nicht bei RTL im Nachmittagsprogramm laufen würde. ;)
Großvaters wilde Tage sozusagen, die oft ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Meine Bewertung:

Broschiert: 221 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: N.-A. (198 8)
ISBN-10: 3499122251
ISBN-13: 978-3499122255

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Diana Norman - Die Brautgabe

Verfasst von Esther am August 14

Diesmal nur eine Kurzrezension:

Über die Autorin:

Diana Norman, in Devon geboren, begann ihre schriftstellerische Karriere beim »Daily Herald« als jüngste Reporterin der Fleet Street, war später als freiberufliche Journalistin tätig und hat eine Reihe von historischen Romanen veröffentlicht.

Kurzbeschreibung:

England im 12. Jahrhundert: Eine Frau kämpft um ihre Unabhängigkeit in einer Zeit aufflammender Unruhen und erbitterter Kämpfe zwischen den Feudalherren. Matilda de Risle, die normannische Erbin, wird zum Unterpfand im Spiel um Macht und Reichtum. Gegen ihren Willen mit dem Angelsachsen Sigward verheiratet, ist Matilda entschlossen, in der Ehe nicht die Unterlegene zu sein. Seine Brautgabe an sie wird einst ihre Rettung sein: Eine abgelegene Insel in den ostenglischen Fens. Als das Heer des Thronanwärters Stephen von Blois eine Spur von Gewalt und Zerstörung durch England zieht, flüchtet sich Matilda nach dem Tod ihres Mannes mit ihrem Sohn in den scheinbar sicheren Hafen. Ein dramatisches Schicksal wartet auf sie: Gefahr, Tod, Intrigen und die Liebe.

Meine Meinung:

Leider hat mich dieser Roman von Diana Norman nicht überzeugt. Die, zugegeben schon vorhandene, historische Authentizität des Romans war mir zu trocken und beschwerlich zu lesen, beinahe wie ein Geschichtsbuch. Zu viele Matildas, zu viel Politik und Intrigen, zu wenig zu den Protagonisten und ihrem Innenleben und ihren Gedanken. Auch der Schreibstil von Norman hat in diesen Roman irgendwie nicht recht gepasst. ich konnte mich nie in die Person Matilda versetzen, denn Norman lässt den Erzähler blumige Beschreibungen, beispielsweise der Umgebung, abgeben, die Matilda allerdings nicht wahrnimmt und an einer anderen Stelle und Perspektive agiert. So widersprechen sich in dem Roman Erzähler und Protagonist, was eine Identifikation mit den Figuren erschwert und den Lesegenuss schmälert. Die Idee und die Story an sich sind gut, allerdings nicht nach meinem Geschmack ausgearbeitet.

Meine Bewertung:

Taschenbuch: 351 Seiten
Verlag: Dtv (August 199 8)
ISBN-10:3423201460
ISBN-13: 978-3423201469

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Michèle Maillet - Schwarzer Stern

Verfasst von Esther am Juli 30

Einzigartiges literarisches Dokument

Über 2000 schwarze Menschen wurden in den KZ der Nationalsozialisten interniert. Bis dato fanden sie aber wenig Erwähnung, auch nicht in den Gedenkstätten.
In Michèle Maillets Roman ” Schwarzer Stern” wurden nun drastisch und kompromisslos die Erlebnisse einer schwarzen Frau im Konzentrationslager geschildert.

Sidonie Hellénon, geboren in Martinique, ist eine Hausangestellte bei einer wohlhabenden jüdischen Familie in Bordeaux. Im Winter des Jahres 1943 wird sie mit ihren beiden kleinen Kindern bei einer Nacht- und Nebel-Aktion der Nazis verhaftet und nach Ravensbrück deportiert. Völlig orientierungs- und ahnungslos was denn ihr Verbrechen sei, muss sie die Tortur der Zugfahrt, in einem überfüllten Güterwagon, ins Ungewisse über sich ergehen lassen. Kraft geben ihr die Sorge um ihre Zwillinge Nicaise und Désiré, sowie der aus der Not geborene Gott Agenor, der, so ihr Glaube, schon ihren versklavten schwarzen Vorfahren beigestanden hat.

Dies mag vielleicht zunächst, wie eine schon oft erzählte traurige Geschichte klingen, was sie aber für mich eindeutig nicht ist. Zunächst ist da die Perspektive des Romans wichtig. Erzählerin der Geschichte ist Sidonie Hellénon, sie ist eine Schwarze, also selbst unter den Gefangenen des KZ eine verdächtige Exotin, und sie ist eine Mutter. Ihre Beobachtungen hält sie in einem kleinen Büchlein fest, das sie in das KZ schmuggeln kann. Darin hält sie das Schicksal ihrer Kinder, die Demütigung, den allgegenwärtige Tod, die Ohnmacht fest; aber auch ihre Träume und ihren Glauben. All das hinterließ mich mit einem so schrecklichen, fast physisch spürbaren, Schmerz, dass ich nach Beendigung des Romans gestern abend kein Auge zu gemacht habe.

Das Buch ist kein Augenzeugenbericht. Aus vielen Gesprächen mit Überlebenden und historischen Recherchen hat Michèle Maillet die Erlebnisse einer schwarzen Frau im Konzentrationslager rekonstruiert. So ist dann ein Roman entstanden, der nicht nur inhaltlich bewegend und einzigartig ist, sondern auch literarisch eindrucksvoll.

Meine Bewertung :

Taschenbuch
Originaltitel:L`Etoile Noire
Aus dem Französischen von Bettina Schäfer
ISBN :3293201563
194 Seiten

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Sándor Márai - Wandlungen einer Ehe

Verfasst von Esther am Juli 26

Abrechnung eines Schriftstellers

“Wandlungen einer Ehe” ist der zweite Roman von Márai den zu lesen ich die Ehre hatte.
Auf den ersten Blick die Geschichte zweier Ehen aus drei Perspektiven: Die der Ehefrau, sie erzählt als erste das Geschehene aus ihrer Sicht; die Perspektive des Mannes folgt darauf und schließlich die des Dienstmädchen, beziehungsweise der zweiten Ehefrau. Ich sagte auf den ersten Blick, denn in diesem Buch steckt so viel mehr als nur eine typische ménage à trois.
Der Roman, so kann man einer editorischen Notiz am Anfang entnehmen, besteht aus drei eigenständigen Teilen, die sogar zu verschiedenen Zeiten veröffentlicht wurden, später wurden die Teile erst zur endgültigen Form zusammengefügt.

Der Kampf einer Kleinbürgerlichen

Im ersten Teil schildert die Ehefrau einer gesichtslosen Bekannten ihre Sicht vom Leben und ihrer gescheiterte Ehe.
Sie stammt aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, lebt mit den Eltern in einer kleinen Mietwohnung, bis sie in die betuchte großbürgerliche Industriellenfamilie ihres Mannes einheiratet. Schnell lernt die schöne Frau sich in dieser Welt zurecht zu finden und doch wird es immer den Unterschied machen, dass sie nicht in die Welt der Reichen hineingeboren wurde wie ihr Mann. Dieser ist zuvorkommend zu seiner Frau, auch liebt er sie offenkundig, und doch spürt sie, dass er sie nicht so bedingungs- und vorbehaltlos liebt, lieben kann. Sie beginnt eine Suche nach der Ursache und einen Kampf um ihre Ehe, parallel zu ihrem unterschwelligem Kampf um die Akzeptanz und den Respekt einer anderen Welt, doch es ist keine simple Affäre auf die sie stößt.

Reichtum und Schuld

Der zweite Teil, er wird aus der Perspektive des Ehemanns geschildert, war mir persönlich der Unangenehmste. Gedanken, Grübeleien, teils auch Gejammer eines Mannes, der in seiner Klasse tief verwurzelt ist, für den der Weg von Geburt an in Wohlstand und großbürgerlichem Leben vorgezeichnet ist. Er erfüllt seine Pflicht, hält sich an die gesellschaftlichen Konventionen, doch gleichzeitig verabscheut er dieses gleichförmige, langweilige Leben, diesen selbstverständlichen Reichtum, die innere Einsamkeit, die besitz von ihm ergreift.

Ich habe mir das Leben, das ich aus der Nähe betrachten konnte, sehr genau angeschaut… … Auch ich hatte gedacht der Fehler liegt bei mir. Ich erklärte es mir mit Gier, mir Egoismus, mit Genußsucht, mit den gesellschaftlichen Schranken, mit dem Lauf der Welt… was? Na eben, den Bankrott. Die Einsamkeit, in die früher oder später jedes Leben hineinfällt wie der nächtliche Wanderer in die Grube. … Wir sind Männer, wir müssen allein leben und über alles genau abrechnen, wir müssen schweigen und die Einsamkeit, unseren Charakter und das Gesetz des Lebens ertragen.

Seite 156
Die Richtige für ihn scheint Judit, das Dienstmädchen, zu sein, anzunehmen gerade weil sie aus einer bitterarmen Familie stammt, er macht ihr einen Antrag. Von ihr erhofft er die Linderung der Einsamkeit, aber auch hier erweist er sich als zu feige, um mit den Konventionen zu brechen. Judith, die dies spürt, weist ihn zurück. Er heiratet schließlich die oben erwähnte bürgerliche Ehefrau, bekommt mit ihr ein Kind, welches früh stirbt. Kurz darauf stirbt auch die Ehe.

Die dritte Klasse

Im dritten Teil kommt dann das Dienstmädchen Judit zu Wort. Hier findet man durch Judits Mund die ehrlichsten, gesundesten Worte des Romans. Dieser Teil des Buches ist von Márai später als die ersten beiden fertiggestellt worden. Ich finde dies ist deutlich zu spüren, es ist der gehaltvollste Teil. Hier finden sich die echten Probleme: Krieg, Verlust, Hunger, Angst, Tod. Natürlich auch ihre Schilderungen der vorgenannten Ereignisse, die Sicht des Proletariats und doch die präzisesten Beobachtungen; aber dies fast nur am Rande. Judit rechnet mit dem Bürgertum an sich ab.

Noch wichtiger, oder bewegender ist im dritten Teil, die nähere Betrachtung der Nebenfigur des Schriftstellers Lázár und ihrer tragischen Wendung. Denn in dieser Nebenfigur hat Márai selbst offenbart. Man versteht Marai, seine Gedanken und seine Tragik sehr gut, wenn man Lázárs Lebensgeschichte betrachtet.
Bitter hier seine Abrechnung mit Faschisten und Kommunisten in Ungarn, die ja seine Werke nicht nur verboten, sondern auch vernichtend beurteilten, was ihn schrecklich verletzte und ihn veranlasste sich immer mehr aus der Welt zurückzuziehen.

Verstehen Sie nicht? Schönheit wird eine Beleidigung sein. Begabung eine Provokation. Charakter ein Attentat. Denn jetzt kommen sie, aus allen Richtungen kriechen sie hervor, Hunderttausende und noch mehr. Von überall her. Die Grobschlächtigen. Die Unbegabten. Die Charakterlumpen. Und sie werden das Schöne mit Vitriol übergießen. Und Und die Begabung mit Pech und Schwefel und übler Nachrede verfolgen….

Zuweilen das Schicksal der Begabung

Es war also letztlich auch das Schicksal des begnadeten Erzählers Márai, aus der Heimat verstoßen und herabgewürdigt zu werden, das ihn so verbittert hat. Man kann es beim Lesen sehr gut nachvollziehen, denn Márai versteht es wunderbar Gefühle zu vermitteln. Darüber hinaus hat er mit “Wandlungen einer Ehe” ein bildhaftes und einprägsames Portrait der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts gezeichnet.
Negativ wären für mich einzig die teilweise doch sehr langen Exkurse über dieses und jenes zu erwähnen, die schon einige Geduld zuweilen erfordern. Doch vermag es das Buch locker solche Längen mit seiner famosen Erzählung auszugleichen.

“Wandlungen einer Ehe” hat, wie ich finde, mit “Die Glut” wenig gemein und sollte daher auch nicht direkt verglichen werden. “Die Glut” ist wesentlich lockerer und runder, auch nicht ganz so kritisch.

Meine Bewertung:



ISBN: 3492241670
Übersetzt von Christina Viragh
Piper Verlag GmbH
Juli 2004 - kartoniert - 464 Seiten
Originaltitel: Az igazi, Judit… e az utohang
‘Serie Piper’.

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Joseph Boyden - Der lange Weg

Verfasst von Esther am Juni 4

Der lange Weg ist bei den Cree-Indiandern Kanadas der Weg, den ein Sterbender zurücklegen muss um ins Jenseits zu gelangen.
Auch in Joseph Boydens Roman müssen die Protagonisten einen langen Weg zurücklegen. Einen Weg, der sie aus der Wildnis der kanadischen Wälder
in die Hölle der Schützengräben des ersten Weltkriegs führen wird, in einen Krieg, den sie für Fremde kämpfen in deren anderer Welt.

Im Kanada des beginnenden 20. Jahrhunderts herrschen für Indianer harte Zeiten. Sie werden immer mehr in Reservate gedrängt, ausgebeutet, verachtet.
Ihre Kinder werden ihnen weg genommen, um ihnen eine gute christliche Erziehung angedeihen zu lassen, natürlich auch im Zweifelsfalle gegen deren Willen.
In diesen Zeiten werden Xavier und Elijah, zwei junge Cree-Indianer groß. Beide werden zunächst in einem der Internate groß. Xavier lebt dort bis seine Tante,
eine der letzten Windigotöterinnen ihres Stammes (also so eine Art Schamanin), ihn aus der Institution befreien kann; Elijah, ein Waisenkind, bis er die Schule beendet hat und zu Xavier und seiner Tante in die Wildnis zieht. Dort lehrt der ruhige Xavier den draufgängerischen Elijah das Jagen und Überleben in der Natur.
Doch Elijah, der lange in der Zivilisation gelebt hat, verlangt es bald nach Ruhm, Ehre und Abenteuern.
Wie viele andere ihrer indianischen Identität beraubten Männer, besinnt er sich auf seine Kriegertradition und hofft die Erfüllung seiner Träume durch den Eintritt in die kanadische Armee zu finden. Xavier, den mit Elijah inzwischen ein enges brüderliches Verhältnis verbindet, geht mit ihm, wenn auch weniger euphorisch. Niska, Xaviers Tante, überkommen schreckliche Visionen und doch weiß sie, dass sie die beiden ziehen lassen muss.

Die harte Realität holt die beiden nach ihrer Ankunft an der hart umkämpften Front an der Somme schnell ein. Immer wieder vergegenwärtigt Boyden durch Rückblenden, in die Vergangenheit der beiden jungen Männer, den krassen Kontrast der beiden Welten und intensiviert den Schrecken der Front dadurch. Er bringt eine neue Perspektive in den Krieg, in dem er durch die Augen Xaviers schildert.

Mit dem Grauen des Krieges gehen beiden Männer anders um. Der introvertierte Xavier, zieht sich noch mehr in sich zurück, durch seine geringen Sprachkenntnisse noch mehr isoliert, versucht er einfach zu überleben; Elijah, der perfekt Englisch spricht und von Natur aus ein ehrgeiziger, charismatischer Mensch ist, steigert sich in seine Suche nach Anerkennung hinein, wird zum Menschenjäger, feiert als Scharfschütze grosse Erfolge, die eigentlich auf das Konto des besseren Schützen Xaviers gehen. Immer drastischer nimmt die Entwicklung der beiden Männer ihren Lauf und wächst sich, wie man schon erahnen kann, zu einer echten Tragödie aus.

Boydens Intension, diesen Roman zu schreiben, war die, gegen das Vergessen der heldenhaften Taten der Indianer im ersten Weltkrieg anzukämpfen. Die Indianer kämpften für ein Land, das sie schlecht behandelte und schließlich hat man in Kanada dies schlicht gänzlich unter den Teppich gekehrt.
Mit dem kleinen Unterschied das ich keine militärische Aktion als heldenhaft bezeichnen würde, finde ich dies doch ein ehrenhaftes Motiv, das der Autor gut umgesetzt hat. Die Intensität der Erzählung lässt auch über kleinere Mängel und Längen in der Geschichte gerne hinwegsehen. Ein Buch, das eine neue Sichtweise auf den ersten Weltkrieg bringt und mit Sicherheit eines, das man nicht vergessen wird!

Fazit:

Wer sich für die Thematik des ersten Weltkrieges interessiert und starke Nerven hat, dem kann ich zum Lesen dieses Buch gerne raten.

Über den Autor:

Joseph Boyden, 1967 in Kanada geboren, hat indianische Vorfahren.
Zu seinem Roman wurde er durch die historische Figur des indianischen Kundschafters Francis Pegahmagabow angeregt.
“Der lange Weg”, nominiert für den angesehenen Governor General’s Award for Fiction 2005,
stand in seiner Heimat wochenlang auf den Bestsellerlisten. Die Übersetzungsrechte wurden in über zehn Länder verkauft.
Joseph Boyden lebt in New Orleans.

Meine Bewertung:

Der lange Weg
von Joseph Boyden
Knaus
Februar 2006
ISBN 3813502708
Preis: 19,95 Euro

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Viola Alvarez - Das Herz des Königs

Verfasst von Esther am Juni 4

 

 

Aus dem Roman:

Wenn jemand nahe vor einem Fluss steht, scheint dieser unendlich lang und breit, kaum zu überwinden. Und obwohl wir wissen, dass er von einer Quelle kommt und auf eine Mündung hinfließt, erkennen wir doch nur das Stück, vor dem wir stehen, seine rauschenden und dennoch stehenden Wasser. Vom Hügel aus aber sehen wir einfach einen Fluss, wie er sich durch die Landschaft windet, sich einfügt in seine Umgebung.

Wer kennt sie nicht, die tragische Liebesgeschichte von Tristan und Isolde? Viola Alvarez hat sich dieses Stoffes angenommen und ihn aus einer neuen Perspektive, nämlich der des Königs Marke von Cornwall frei nacherzählt.
In ihrer Erzählung gibt es keine Drachen, keine Helden und keine Zaubertränke. Eher ist Alvarez Erzählung ein historischer Roman, der die Figuren der Legende in realistischerer Kulisse präsentiert.
Nebenfigur König Marke, der gehörnte Ehemann Isoldes, wird zum Hauptcharakter. Im Alter von 56 von einer unerklärlichen Starre seines Körpers befallen und doch im Geiste lebendig, resümiert König Marke sein bisheriges Leben. In Gedanken lebt er es erneut und lässt den Leser daran teilhaben.
Er beginnt mit seiner Kindheit und der Trennung von seiner Mutter, die nach dem Tode des Vaters, selbst die Krone übernimmt - vermeintlich bis Marke selbst König werden kann - und Klein-Marke zu Verwandten in Bretagne schickt. Marke wächst auf dem Lande in seiner Ziehfamilie auf, hat jedoch nie das Gefühl richtig zu der Familie zugehören, bleibt stets ein Fremder. Früh lernt er das raue Leben des Landadels kennen, mit seinen blutige Fehden und harten Sitten, doch Marke kann sich durchkämpfen. Durch eine entfernte, reiche und sehr schlaue Tante - nicht umsonst die Loba (die Wölfin) genannt - die das Gut von Kanelegres besucht, lernt er das luxuriöse Leben des Hochadels kennen. Die exotische betörende Frau führt Marke nicht nur in die höfischen Sitten und in das politische Wissen der Zeit ein, sondern auch in die Liebe.
Ein tiefes Band zwischen den beiden wird geknüpft. Als sie ihn wieder verlässt beginnt er langsam zu erahnen, welche Schmerzen und Entbehrungen noch auf ihn zukommen werden, doch das Schicksal des Königs nimmt seinen Lauf. Ob das Herz des Königs seinen Frieden finden kann? Viola Alvarez hat mit “Das Herz des Königs” einen großartigen historischen Roman verfasst, der mich wirklich fasziniert und unterhalten hat und letztlich auch zu dicken Krokodilstränen gerührt hat.
< Das Buch ist rundum gelungen, stimmig und die Charaktere sehr gefühlvoll gezeichnet, psychologisch durchdacht und glaubwürdig.
Von ersten bis zum letzten Wort spannend und fesselnd. Ein Buch das den Leser förmlich absorbiert. König Marke schildert die andere Seite von “Tristan und Isolde” so eindringlich und man gewinnt ihn so lieb, dass beim Ende der Lektüre plötzlich eine schreckliche Leere entsteht.
Ich kann nur begeistert von diesem Buch berichten, dass es einer der besten historischen Romane für mich ist.

Lesen!!!!

Meine Bewertung:

+

ISBN: 3404921879
Luebbe Verlagsgruppe
August 2005 - kartoniert - 511 Seiten
Das schöne und traurige Leben von Marke Herrscher zu Tintagel von ihm selbst erzählt.
‘Bastei - Lübbe Taschenbücher’.

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Rainer Cordts - Der Tonsetzer

Verfasst von Esther am Juni 4

 

“Der Tonsetzer” oder doch eher:
Crazy about Anna ? denn so erscheint die Männerwelt des 19.Jahrhunderts in Rainer Cordts Roman. Wer Anna sieht scheint ihr hoffnungslos zu verfallen.
Da ist zunächst der schüchterne, junge (selbstredend gut aussehende) Klavierbauergeselle Roland Hauser, der in der Nachbarschaft von Anna wohnt und sie heimlich bewundert, bis er sich schließlich doch traut die Schöne anzusprechen und zarte Bande mit ihr knüpfen kann.
Er darf Haushälterin Anna künftig zu ihrer Arbeitsstelle begleiten.
Der zu führende Haushalt, ist der Haushalt eines Komponisten, eines erfolglosen, dem Alkohol zugeneigten und von Selbstzweifeln zerfressenen ( nicht ganz so gut aussehenden) Mannes. Natürlich ist auch er nicht resistent, verliebt sich unglücklich in die dunkelhaarige Sirene. Ebenso ergeht es auch anderen männlichen Akteuren des Romanes, deren Auflistung ich mir jetzt ersparen möchte.
Haupthandlungsstrang ist das Buhlen um Anna und das Scheitern an selbiger. Nebenhandlungen gibt es dazu auch en masse, von denen sich aber keiner befriedigend weiterentwickeln kann. Besonders die Geschichte des pensionierten Polizisten Hahnlechner, der versucht das Phänomen der Selbstentzündung zu erforschen, lässt einen zutiefst unerfült zurück.
Der Roman bleibt an seiner Oberfläche und in seinen Klischees hängen, wie ein Delfin im Treibnetz und so ist er für mich dann leider auch in seinem Pathos ertrunken. Besonders ein mysteriöser Briefwechsel sei an diesem Punkt zu erwähnen, dessen Auflösung den Spannungskern des Buches darstellt. Selbstredend beginnen diese Briefe mit : “Mein Geliebter! Mein Leben!” und erinnern auch im weiteren verlauf stark an kitschige Liebesromane.
Gute Ansätze sind im “Tonsetzer” durchaus erkennbar, wurden aber leider mit voraussehbarem Handlungsverlauf weitergeführt.
Besonders schade ist es um die Ansätze zum Humor, die förmlich nach Pointen schreien, aber nicht erhört werden.
Fazit:
Für mich leider kein Lesegenuss!

Meine Bewertung:



ISBN: 3453351002
Heyne Verlag
Januar 2007 - kartoniert - 415 Seiten
‘Heyne - Bücher Allgemeine Reihe’.

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Tino Hemmann - Der unwerte Schatz

Verfasst von Esther am Juni 3


 

Kurzbeschreibung :

Hugo Hassel wird Heiligabend 1931 in Leipzig geboren, bald schon ist er Vorzeigebeispiel für die arische Rasse, blond und blauäugig und außergewöhnlich intelligent. Dass der Vater eine weitere Tochter wünschte, bekommt Hugo schnell zu spüren. Da ist Fritz, der Zwillingsbruder Hugos, der die Misshandlungen anstatt Hugo über sich ergehen lässt. Er ist Hugos bester Freund. Doch Fritz existiert nicht wirklich. Bei der obligatorischen Schuluntersuchung 1938 fällt Hugos ausgeprägte multiple Persönlichkeitsstörung auf. Fortan interessieren sich die Professoren der Leipziger Universität für Hugo, der wie die Gleichaltrigen seine Kindheit genießen will. Ein Professor der Abteilung für jugendliche Psychopathen hat jedoch anderes vor. Die Mutter muss das Kind an ihn abtreten. Sein Ziel, das Gehirn des kleinen Jungen nach dessen Vergasung zu untersuchen, um damit Berühmtheit zu erlangen, wird unterstützt durch die Manipulation eines Meldebogens im Rahmen der von Hitler gewünschten Euthanasieaktion T4 und der Legalisierung des Mordvorhabens. Hugo Hassel gerät immer mehr in den Strudel nazistischer und ärztlicher Machenschaften, in den Wahnsinn einer Zeit, die bestimmt wird von Krieg und Korruption, und von der höchsten Form der Verachtung der Menschenwürde: der Vernichtung unwerten Lebens. 1939 begann die Vernichtung unwerten Lebens, gesetzlich untermauert bis 1941. Genannt wurde diese Aktion T4, nach dem Sitz der zentralen Dienststelle in Berlin, Tiergartenstraße 4. Denn dort wurden die Meldebögen der drei Gutachter ausgewertet, die aus der Ferne über Leben oder Tod des Kindes befanden. Nach 1941 kam es im deutschen Reich zu einer wilden Euthanasie. Unzählige Kinder wurden getötet, auch in den Leipziger Anstalten Dösen oder Altscherbitz. Selbst die Abteilung für jugendliche Psychopathen - heute die Kinder-Psychiatrie der Leipziger Universität - schickte ihrer kleinen Patienten in die Anstalten oder direkt zur Vergasung nach Pirna. „Der unwerte Schatz” erscheint am Weltfriedenstag, 66 Jahre nach dem Beginn der Euthanasie am 01. September 2005.

Meine Meinung:

Mein Fazit ist ein ausnehmend gutes! Es ist Hemmann gelungen ein so brisantes, wie unfassbares Thema greifbar zu machen. Hemmann erzählt die Geschichte klar und nüchtern.Ein hochtrabend literarischer,oder blumiger,gar pathetischer Schreibstil wäre in diesem Buch absolut nicht angebracht gewesen.Der Focus musste auf der Geschichte bleiben,ohne Ablenkung.Ich finde Hemmann hat da einen grossartigen Weg gefunden. Er schafft es,so emotional aufzuwühlen,dass sich das Grauen,der Kinder - Euthanasie des Naziregimes, in des Lesers Gedächtnis brennt und das ist wichtig und gut so. Als Mama von zwei kleinen Jungen,musste ich einfach den kleinen Hugo adoptieren und sinnbildlich in den Arm nehmen,um ihn vor seinem Schicksal zu bewahren.Natürlich hat es keinen Zweck,den das Kind wird weiter gequält und schliesslich ausgelöscht,einer verblendeten Wissenschaft, Geltungssucht und einer fanatischen Ideologie geopfert.

Fazit:

Ein wichtiges Buch, dass man gelesen haben sollte!

Meine Bewertung:

ISBN: 3867032238
Engelsdorfer Verlag
Dezember 2006 - kartoniert - 433 Seiten
Erzählung einer Kindheit.
Gegen das Vergessen - über die Kinder - Euthanasie im NS - Staat

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Ann Moore - Geliebte Gracelin

Verfasst von Esther am Juni 3

Kurzbeschreibung:
Irland in der Mitte des 19. Jahrhunderts: Ein Land voller Schönheit, das, von den Engländern besetzt, von einer fatalen Hungersnot und politischen Wirren heimgesucht wird. Inmitten dieser turbulenten Zeit wächst die schöne Farmerstochter Gracelin O`Malley auf. Um den Hof ihres Vaters vor der Zwangsräumung und ihre Familie vor dem Hungertod zu bewahren, beschließt sie, eine Ehe mit dem reichen verwitweten Lord Bram Donnelly einzugehen. Auf den ersten Blick eine gute Partie, doch schon bald lernt sie ungeahnt grausame Seiten an ihrem Mann kennen und erfährt zu ihrem Entsetzen von dem mysteriösen Tod seiner ersten beiden Frauen. Der Engländer Bram kann Gracelin ihre irische Herkunft und das eher bescheidene Elternhaus nicht verzeihen, doch erst als der Sohn der beiden, der von Bram dringend erwartete Familienerbe, kurz nach seiner Geburt stirbt, spitzt sich die Krise zwischen den ungeliebten Ehepartnern auf ungeheure Weise zu. Aber Gracelin lässt den Mut nicht sinken, und als sie eines Tages ihre Jugendliebe Morgan McDonagh wieder trifft, den irischen Freiheitskämpfer, der im Untergrund gegen die englische Herrschaft angeht, nimmt ihr Leben eine unerwartete Wendung …

Meine Meinung:

Eine wunderschöner historischer Roman über Irland zur Zeit der grossen Hungersnot 1845. Gracelins Schicksal in dieser schrecklichen Zeit ist sehr lebensnah und ergreifend beschrieben und spannend bis zur letzten Sekunde, mit vielen überraschenden Wendungen. Wer Irlandromane liebt wird diesen verschlingen. Ich konnte jedenfalls kaum mehr aufhören, ein herrlicher Schmöker! Ums mit Bastian Sick zu sagen “Unterhaltung pur”!

Meine Bewertung:

ISBN: 3471794522
Übersetzt von Giuliana Broggi Beckmann
List Paul Verlag
August 2004 - gebunden - 527 Seiten
Originaltitel: Gracelin O’Malley.

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