SALOMES BÜCHER

Leben und Lesen gegen den Strom

Archiv für 'Meine frankophonen Freunde' Kategorie


Philippe Grimbert - Ein Geheimnis

Verfasst von Esther am April 21

(K)ein Geheimnis …

…, dass Phillippe Grimberts Roman einer besten Romane ist, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Das Buch ist das Portrait eines außergewöhnlichen Jungen, in einer schwierigen Zeit.

1948 in einer jüdischen Familie geboren muss er mit dem schrecklichen Erbe der Nazizeit leben lernen. Der Sohn zweier olympiareifer Athleten ist kränklich und schwach, er erhält kaum Zuwendung und Anerkennung, wird eher als Strafe und Prüfung, denn als Segen von seinen Eltern betrachtet. Der Junge sieht seine Eltern als geliebte Statuen, für ihn unerreichbar, hart, perfekt. So sehr er sich auch bemüht mit hervorragenden schulischen Leistungen zu brillieren, er kann seine Eltern nicht beeindrucken. Der Junge fühlt und ahnt, dass etwas in der Familie nicht stimmt und irgendwann lüftet sich auch das Geheimnis.

Die Autobiographie des Autors ist inhaltlich beeindruckend und spannend zu lesen. Die Personen sind lebhaft beschrieben, das Seelenleben des jungen Erzählers liegt offen vor einem. Es ist sehr kunstvoll, wie Grimbert Dinge ins Bewußtsein des Lesers bringt und dabei zu seinem eigenen Leben dennoch die notwendige Erzählerische Distanz einhält. Der Stil und die Form des Buchs sprechen mich sehr an, denn ich mag diesen fast lyrischen Aufbau, der ja in vielen kleinen französischen Novellen zu finden ist. Jeder Abschnitt ist für mich quasi wie ein eigenes Gedicht, sehr schön, wenn auch oft atmospärisch düster und beklemmend.

Am Ende war ich zwar in Tränen aufgelöst, aber hingerissen von diesem wertvollen Stück Literatur.

Daher keine Frage, dieses Buch verdient mindestens:

ISBN: 3518459201
Übersetzt von Holger Fock, Sabine Müller
Suhrkamp Verlag KG
Februar 2008 - kartoniert - 154 Seiten
Originaltitel: Un secret, 2004.
Suhrkamp taschenbücher Allgemeine Reihe 

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Philippe Claudel - Der Junge, der in den Büchern verschwand

Verfasst von Esther am Januar 18

… und andere Geschichten erzählt Philippe Claudel in seinem neuen Buch und überrascht mit völlig neuen Tönen.

Denn bei dem neuen Buch handelt es sich doch, nach dem ersten Überfliegen, augenscheinlich um ein Kinderbuch?
Und in der Tat: Die Ideen für seine Romane kommen Claudel meistens beim Erzählen von Gute-Nacht-Geschichten für seine neunjährige Tochter, ebenso die Ideen für die Kurzgeschichten in Der Junge, der in den Büchern verschwand.
Viele kleine Erzählungen, Märchen, Fabeln und Anekdoten hat Claudel zusammengetragen. Wundervolle und wundersame Geschichten kann man in seinem Buch lesen:
In Die Welt ohne Kinder, übrigens die Titelgeschichte im französischen Original, schildert er eine Art Generalstreik, eine Auswanderung aller Kinder auf der Erde und die traurige, öde Welt, die sie zurücklassen.
Ein wenig der Unendlichen Geschichte begegnet dem Leser in der Titelgeschichte, Lucas hat ein liebloses, brutales Elternhaus, dem er nur entkommen kann in dem er sich - auch physisch - in Bücher flüchtet. Fast brutal wird es in Der Eintopf, märchenhaft in Feen haben es schwer. Die Impfung fordert den Leser auf an seine Träume zu glauben.
Besonders hervorzuheben und die für mich schönste Erzählung ist Das kleine Mädchen in der Seifenblase. Eine poetische, klangvolle, ein wenig traurige Parabel, die anrührt.
Jeder kleine Teil des Buchs ist ein Unikat, etwas Besonderes. Mit einem Maximum von 10 Seiten pro Geschichte, sind diese sicher schnell gelesen, mit ihrer Weisheit und Sensibilität vermögen sie aber noch lange zu beschäftigen.
Einiges habe ich meinen Kindern vorgelesen, die sehr begeistert immer noch mehr hören wollten. Vieles regt Kinder zum Fragen an, einiges ist auch einfach herrlich frech und albern. Aber immer werden die Geschichten mit viel, scheinbar unerschöpflicher, Fantasie erzählt.

Und doch: Der Junge, der in den Büchern verschwand ist ein Buch für Erwachsene. Es lässt den gestressten, hektisch durch sein Leben hetzenden Menschen für einige Momente inne halten, sich zurücklehnen und, in seine Kindheit zurückversetzt, einfach einmal schönen Gedanken nachgehen und träumen.

Meine Bewertung:

Originaltitel: Le monde sans les enfants
 ISBN: 3463405253
 Übersetzt von Christiane Seiler
 Kindler Verlag
 Januar 2008 - gebunden - 92 Seiten

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Ich halte ihn wieder in meinen Händen…

Verfasst von Esther am Januar 15

… das neue Buch von Philippe Claudel ist da!
Dank dem Buchprojekt Heidi Hof, als Rezensionsexemplar sogar schon ein paar Tage vor Veröffentlichung. Danke noch mal an dieser Stelle @ Heidi!
Ein erster Blick hinein zeigt mir mal wieder, das ein Claudel sich nicht wiederholt. Dieses Buch ist total anders als seine vorherigen Bücher. Eine Sammlung von kleinen Geschichten für Kinder und Menschen, die sich ihr inneres Kind erhalten haben.

Ich denke heute bin ich noch durch und werde dann mehr berichten.

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Madeleine Bourdouxhe - Gilles`Frau

Verfasst von Esther am Januar 10

Madeleine Bourdouxhes Erstling La Femme de Gilles wurde 1937 vom Verlag Gallimard veröffentlicht und wurde von der Pariser Kulturszene begeistert aufgenommen.

Leider verlöschte der Stern am Literaturhimmel, im Kreis von Simone de Beauvoir, Raymond Queneau und Jean-Paul Sartre, ebenso schnell wie er erschienen war. Madeleine Bourdouxhe geriet in Vergessenheit. Erst in den Achtziger Jahren wurde sie von der feministischen Literaturkritik in Belgien wiederentdeckt und neu verlegt. Der Autorin selbst war die Veröffentlichung ihrer Werke nie erste Priorität, das Schreiben an sich war ihr wichtig. Es war ein Bedürfnis, eine Art Therapie und Befreiung für sie. Ein Großteil ihres Werkes wird wohl niemals veröffentlicht werden, das ist mehr als schade, denn Madeleine Bourdouxhe ist eine der literarischen Entdeckungen der letzten Zeit ist für mich.

Protagonisten ihres Debutromans ist Elisa, sie ist Gilles` Frau. Sie ist es im wahrsten Sinne des Wortes mit Leib und Seele. Gilles ist der Fixstern um den sich alles dreht. Gilles und Elisa leben in einem Arbeiterviertel, in einem kleinen Häuschen. Er arbeitet in einer Fabrik, in seiner Freizeit bearbeitet er den kleinen Garten. Sie kümmert sich um den Haushalt und die Kinder. Die Idylle scheint perfekt, bis Gilles ein Verhältnis mit ihrer jüngeren, eiskalten Schwester Victorine beginnt. Die nach außen zwar stille, im Inneren jedoch sehr schlaue und auch emotionale Elisa, bemerkt es sehr schnell. Gilles verfällt Victorine, die wieder schwangere Elisa ist jedoch weiter seine Frau, was in diesem Fall wohl so etwas wie eine Mischung aus Mama und Kumpel darstellen soll. Trotz der unbeschreiblichen Qual in Ihrem Inneren bleibt Elisa besonnen und lässt ihre Emotionen nicht nach außen dringen. Die Angst ihren Mann zu verlieren ist allmächtig, auch über ihre eigene Schmerzgrenze hinweg. Sie leidet, kann sich aber niemandem anvertrauen. Auch bei der Beichte in der Kirche im Nachbardorf schenkt man ihr kaum Gehör, speist sie mit ein paar Bibelzitaten ab.
Als Gilles eines Tages seinen Kummer über die komplizierte Leidenschaft zu Victorine nicht mehr aushält, klagt er ausgerechnet Elisa sein Leid. Sie hört sich alles an, bemuttert und tröstet ihn. Sie sieht sich am Ziel Gilles für sich zurückzugewinnen, verstrickt sich allerdings damit in ihrem Unglück.

Ohne Gilles ist Elisa Nichts. Madeleine Bourdouxhes Werk ist eine eindringliche Warnung vor dem Selbstverlust und der Selbstaufgabe für einen anderen. Besonders für die Frauen der Zeit in der das Buch erschienen ist, ist dies eine enorm wichtige Botschaft. Allerdings denke ich, dass das Buch (leider) auch heute noch sehr aktuell ist. In vielem habe selbst ich mich, als Tochter einer Emanze, ertappt gefühlt. Oft vergisst man im Alltag mit der Familie sich selbst und seine Bedürfnisse, stellt sie hinten an, macht Kompromisse, wo eigentlich keine mehr möglich wären. Elisa ist innerlich nur von Liebe erfüllt, wie sie sagt, von Liebe für andere. Als diese Liebe ins Wanken gerät, gerät sie selbst ins Wanken und man kann sich denken, dass diese Geschichte kein Happy-End haben kann.

Madeleine Bourdouxhe ist eine außergewöhnlich gute Autorin, die ich sofort nach ein paar Zeilen in meine Herz geschlossen habe. Sie ist feinfühlig, intelligent und teils auch sehr hart und direkt, wenn es um die Übermittlung ihrer Botschaften geht. Sie führt den Leser mit einer verblüffenden Leichtigkeit und Selbstverständnis in die verborgensten Winkel der menschlichen Seele. Jedes Wort wird vom Leser mit Spannung förmlich absorbiert.
In Gilles Frau gibt es keine Traumwelten, nur den alltäglichen, normalen Wahnsinn. Ein Buch das etwas bewegt und wachrüttelt.

Ich würde dem an Madeleine Bourdouxhe interessierten Leser unbedingt dieses Buch als Einstiegswerk empfehlen. Unterm Pont Mirabeau fließt die Seine ist dann eine schöne Ergänzung zum Leben der Autorin.
Wie gesagt eine tolle Autorin, eine wunderbare Entdeckung!!!

Meine Bewertung:

mit Extra +

Originaltitel: La Femme de Gilles
Übersetzt von Monika Schlitzer
erschienen 1937 bei Gallimard
beim Piper-Verlag 1996
ISBN: 3492042619

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Madeleine Bourdouxhe - Unterm Pont Mirabeau fließt die Seine

Verfasst von Esther am Dezember 30

Unterm Pont Mirabeau fließt die Seine
Nacht komm herbei, Stunde schlag!
Ich bleibe, fort geht Tag um Tag.

In diesem Gedicht von Appolinaire, mit dem das Buch von Madeleine Bourdouxhe auch beginnt, steckt bereits vieles von der Stimmung und dem Gefühl, welches einen beim Lesen dieses bemerkenswerten Stück Literatur überkommt.
Das Buch besteht aus zwei Erzählungen. Die erste, Unterm Pont Mirabeau fließt die Seine, ist ein autobiographischer Text. Ein Liebeserklärung an die Mutterschaft und die Geburt und zugleich das Manifest einer selbstbewussten, mutigen Frau. Mitten im zweiten Weltkrieg 1940 bringt die Ich-Erzählerin ihre Tochter in Brüssel zur Welt. Gleich am nächsten Tag muss sie von dort vor den deutschen Besatzern nach Südfrankreich flüchten. Das faszinierende an der Geschichte ist hierbei, dass all die Angst und das Elend um die Erzählerin herum eher marginal ist. Das Glück und die Dankbarkeit, die sie für die Geburt ihrer kleinen Tochter empfindet überstrahlt alles. Diese allumfassende Dankbarkeit für das Leben und lässt sie dessen kleine Freuden extrem intensiv empfinden. Das persönlich glückliche Ereignis setzt sie einfach über die Grauen des Krieges und entlarvt somit den Krieg in seiner Sinnlosigkeit.

Auch die zweite Erzählung des Buches, Wenn der Morgen dämmert feiert den Mut einer jungen Frau, die für die Liebe zu einen ungerecht behandelten Fabrikarbeiter ungeahnte Kräfte in sich entdeckt. Diese zweite Erzählung ist sehr lyrisch, teils auch etwas surreal, aber dennoch sehr faszinierend.

In Madeleine Bourdouxhe habe ich eine so wundervolle, kunstvolle Autorin entdeckt, dass ich sagen kann, mein Lesejahr hat mit einem Knaller geendet. Die Sprache ist intensiv und berührend. Ich war sofort von der Intensität und der Art fasziniert wie Madeleine Bourdouxhe ihre eigenen unfassbaren Erlebnisse festgehalten hat. Das Buch ist einfach ein kleines, aber sehr gelungenes Kunstwerk!!

Es lohnt sich auf jeden Fall, diese Autorin zu entdecken. Eine schöne Bio findet man HIER !

Meine Bewertung:

++

Originaltitel:  Sous le Pont Mirabeau
 Übersetzung: Sabine Schwenk
 ISBN: 3492041701
 Piper Verlag 1999

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John La Galite - Zacharias

Verfasst von Esther am Dezember 13

Zacharias ist John La Galites einziger in Deutschland veröffentlichter Roman. Warum eigentlich ?…

Das fragt sich meine Wenigkeit seit ich das Buch gestern in einer Nachtschicht zu Ende gelesen habe. In Frankreich wurde doch “Zacharias” mit dem Grand Prix RTL/Lire ausgezeichnet und der Autor hat doch noch einige andere Bücher geschrieben. Ist er also nicht in die deutsche Literaturlandschaft einpflanzbar?
Ich habe das Buch als Remittende erworben, einfach auf gut Glück. Das Genre Thriller/Krimi sagt mir eigentlich wenig zu, allerdings ließ mich dieses Mal der ansprechende Klappentext eine Ausnahme machen und zu einem Werk aus diesem Genre greifen.

Die paranoide Welt der Vorstadt gespiegelt in den Augen eines sensiblen und intelligenten Jungen. Auf Augenhöhe mit Zacharias gerät die Jagd nach dem Mörder zu einem verstörenden und literarisch hochklassigen Vexierbild voller Abgründe und Unwägbarkeiten. Gnadenlos und mit einer ihm ganz eigenen Logik ermittelt Zacharias, dringt in das Leben seiner Nachbarn ein und kommt schließlich dem Mörder bedenklich nahe. Aber vielleicht weiß er längst mehr, als er dem Leser erzählt…

Das klingt doch schon mal toll und - was soll ich sagen? - das Buch ist sogar noch um einige Längen besser als es klingt. Es ist fantastisch! John La Galite hat mehr als einen Krimi geschrieben, Zacharias ist ein gefühlvolles, kunstvoll geschriebenes Psychogramm des kränklichen Jungen Zacharias und vor allem auch eines der Gesellschaft in der der Junge lebt. Diese Kulissen für die Kriminalgeschichte standen für mich fast im Vordergrund, denn sie sind so farbenfroh und lebensnah beschrieben, dass sie für sich schon brillieren. Hier alleine wurde ein hoher literarischer Standard erreicht - und wir reden noch nicht von der Geschichte an sich. Diese wurde, aus der Sicht von Zacharias geschrieben, ebenfalls gekonnt in einfachen Sätzen, sehr kindlich und authentisch verfasst. Ein spannender Plot, der bis zum Ende zu fesseln vermag. Eine Geschichte, die ungewöhnlich geschrieben ist und in der die Handlung oft springt, vieles offen lässt, aber zum Schluss die vielen Fäden doch zu einem grandiosen Finale zusammenfügt.

Viel mehr kann man über dieses Buch kaum verraten, ohne dem Leser die Spannung zu rauben, aber ich kann es von Herzen Freunden von ungewöhnlicher Literatur empfehlen. Für mich ein Lesehighlight 2007 ! Also liebe Verlage, warum eigentlich gibt es keine weiteren Veröffentlichungen in Deutschland? So mies ist der Büchergeschmack der Deutschen doch gar nicht….

Meine Bewertung :

++

Originaltitel: Zacharie
 Übersetzung von Cornelia Hasting
 Erscheinungsjahr: 2005
 ISBN: 3203795043
 Europa Verlag

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Eric-Emmanuel Schmitt - Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

Verfasst von Esther am November 19

Viel Gutes hatte ich von ihm gehört, von Eric-Emmanuel Schmitt. Es schien mir also quasi eine Bildungslücke zu sein, noch nichts von dem Autor gelesen zu haben. Was soll ich sagen? Da ist was dran!

Die Geschichte handelt von dem kleinen jüdischen Jungen Moses, der in Paris lebt. Seine Mutter hat ihn schon als Baby verlassen und sein geiziger Vater scheint ihn zu hassen. So empfindet es Moses. Meist ist der Junge auf sich selbst gestellt, er versorgt sogar eher seinen Vater mit. Jeden Tag geht er für das Essen bei Monsieur Ibrahims, dem Araber an der Ecke, einkaufen und meist sind es ein paar Dosen.

Irgendwann beginnt der Junge zu stehlen. Monsieur Ibrahim, der es längst bemerkt hat lässt ihn gewähren. Zwischen dem Händler und dem Jungen, den er liebevoll Momo nennt, entwickelt sich eine zarte Freundschaft. Jeden Tag nähern sich beide in kurzen Gesprächen einander an. Monsieur Ibrahim erzählt von seinem Koran, der ihm seine Ruhe und Weisheit schenkt, im Gegenzug erzählt Moses von seinem Leben und seinen Sorgen. Als Moses zerrüttete Welt ganz einzustürzen droht, ist Monsieur Ibrahim für Momo da, die beiden werden unzertrennlich.

Die Blumen des Koran ist ein kleines Büchlein, dennoch hat es sich sehr eingeprägt. Schmitt besitzt ein tolles Erzähltalent und einige Szenen werde ich wohl nie vergessen. Zack! Lächeln! :mrgreen: . Ein sehr gelungenes Buch mit ein paar Schwächen in der Story (gegen Ende), aber das sei sofort verziehen für die schönen Gedanken und Bilder die Schmitt mir dafür hinterlassen hat! Insgesamt ein wirklich schönes Werk!

Meine Bewertung:

ISBN: 3596161177
Übersetzt von Annette Bäcker, Paul Bäcker
Originaltitel: Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran
Fischer Taschenbuch Vlg.
Oktober 2004 - gebunden - 100 Seiten
'Fischer Taschenbücher Allgemeine Reihe'.

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Thomas Gunzig - Der kleinste Zoo der Welt

Verfasst von Esther am Oktober 9

Klappentext (lasse ich, weil sehr treffend):

Die Harmlosigkeit des Titels ist ein böser kleiner Trick: Nichts ist harmlos und nett an diesen durch ein Tiermotiv locker miteinander verknüpften Erzählungen dieses jungen, furios begabten belgischen Autors.

Eine tote Giraffe im Pariser Vorgarten eines Mannes, der gerade von seiner Freundin zum x-ten Mal verlassen wurde, weil er einfach nichts auf die Reihe kriegt. - Ein Koalabär, der vor der winterlichen Kälte auf dem Schrank eines Hotelzimmers in Australien Zuflucht sucht und den Hotelgast fast um den Verstand bringt.- Ein Skorpion im Bad eines indischen Hotels, vor dem ein Mann schreiend flüchtet, was den schleichenden Widerwillen seiner Partnerin gegen ihn schließlich zu einem eruptiven Ausbruch bringt.- Mit beißendem Zynismus spießt Gunzig die Verrohung, die Schwächen und Kleinheiten der Menschen auf und variiert sie in absurden, abgründigen, oft brutalen und zugleich aberwitzig komischen Geschichten.
Meine Meinung:

Ich schliesse mich der Klappe mal ausnahmsweise vorbehaltlos an.
Ein absolut irres Buch! Schwarzer Humor vom Besten! Ein Buch, dass mir richtig gute Laune zaubern konnte. Allerdings sollten sanfte Gemüter vom Lesen dieser teils sehr fiesen Geschichten Abstand nehmen, es geht schon ziemlich ans Eingemachte. Sehr abgegreht, einzigartig Gunzig, toll, LESEN!

Meine Bewertung:

Von Herzen

Gunzig, Thomas
original: Le Plus petit zoo du monde
Erzählungen, dtv premium
Aus dem Französischen von Ina Kronenberger
140 Seiten
ISBN 978-3-423-24531-9 Euro   14,50

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Francoise Dorner - Die letzte Liebe des Monsieur Armand

Verfasst von Esther am Oktober 5

Mit Die letzte Liebe des Monsieur Armand hat Autorin Francoise Dorner in diesem Jahr in Deutschland ein kleines, amüsantes und philosophisches Buch, über die Aussöhnung eines alten Herren mit seinem Leben, veröffentlicht.

Diese beginnt, als die 20 jährige Pauline durch Zufall in Monsieur Armands Leben tritt. Er verliebt sich in sie. Wie ein Regen nach der Dürre die tot geglaubte Pflanze, bringt das Mädchen den alten Mann wieder zum Erblühen. Sie weckt den ehemaligen Philosophieprofessor aus der Starre und der Depression, in der er sich seit dem Tod seiner Frau vor drei Jahren befand. Aber auch Pauline, die nach einer unglücklichen Kindheit und dem frühen Tod ihrer Eltern auf der Suche nach einer liebenden Familie ist, ist von Armand angetan. Wenn auch aus völlig unterschiedlichen Motiven brauchen sie einander. Doch die Verletzungen und die Verzweiflung sitzt in beiden tiefer als angenommen. Armands Kinder melden sich nur wenn sie etwas brauchen und Pauline, so fühlt er, kann er niemals, der von ihr so sehr gewünschte, gute Großvater sein, geschweige denn ihr Mann. Er hat das Gefühl, allen mehr durch seinen Freitod, als durch seine Gegenwart zu nutzen und begeht einen Selbstmordversuch, der allerdings misslingt. Danach spitzt sich die Lage zu.

Ein tolles kleines Büchlein hat Francoise Dorner da geschrieben. Sehr unterhaltsam, zwar in einer leichten Sprache verfasst, aber doch mit schwerem Inhalt. Denn die Thematik ist sicher eine ergreifende : Ein alter Mann der sich am Ende seines Lebens endlich seiner lebenslangen Fesseln entledigen will, den Fesseln die ihm seine Erziehung, seine eigene Kindheit angelegt hat. Die Fesseln, die ihn von seinen Kindern, seiner Frau und letztlich auch von sich selbst entfremdet haben. Es geht um Menschen auf der schwierigen Suche nach Liebe und Verständnis. Großartig, wie Dorner sich in Psyche der Protagonisten eingefühlt hat und uns deren Innerstes eindrucksvoll mitteilen kann, voller Menschlichkeit und Wärme. Einfach schön!

Ich bin ja eine Liebhaberin von diesen dünnen, bezaubernden Büchlein, die man in der französischen Belletristik oft findet. In diesem Buch hätte ich mit allerdings definitiv mindestens 200 Seiten mehr gewünscht. So wie die Geschichte aufgezogen ist hätte man doch gerne mehr Tiefe und Hintergründe in der Geschichte gehabt.

Insgesamt aber ein tolles Buch! Sehr zu empfehlen!

Meine Bewertung:

ISBN: 3257066031
Übersetzt von Christel Gersch
Diogenes Verlag AG
August    2007 - gebunden - 137 Seiten

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Amélie Nothomb - Liebessabotage

Verfasst von Esther am Oktober 2

Inhalt:

1972 herrscht in China Krieg. Es ist ein von den Erwachsener unbeachteter Krieg und er beschränkt sich auf das hermetisch abgeriegelte Diplomatenviertel von Peking. Und vor allem: Es ist ein Krieg der Kinder. Der Feind sind die (ost-) deutschen Diplomatenkinder. Die Erzählerin, eine siebenjährige belgische Diplomatentochter, verliebt sich mitten in diesem Kriegsgetümmel in die hübsche Italienerin Elena. Mit allen Mitteln versucht sie das Herz von Elena, ebenso wie den Krieg, in dem sie als berittene Aufklärerin fungiert, zu gewinnen.

Meine Meinung:

Ein bisschen Astrid Lindgren. Das war das erste was mir beim Lesen dieses Buches durch den Kopf schoss. Die Geschichte von einem Kinderkrieg hätte zu ihr gepasst, sie hätte eine tolle Kindergeschichte daraus gezaubert. Jedoch verfasst hier leider nur Amélie Nothomb autobiographisch ihre eigene Kindheit als Diplomatentochter in China. Der Stil von Nothomb ist definitiv toll, witzig und frech, aber dieses Buch als erstes von ihr zu lesen war ein Fehler. Die Lebensgeschichte hat mich so einfach nicht so recht interessiert. Es war nur ein ganz nettes, unspektakuläres Büchlein sozusagen. Trotzdem bin ich schon gespannt auf weitere Romane von Nothomb und bin mir sicher sie können mich mehr überzeugen.

Meine Bewertung:

ISBN: 3257229372
Übersetzt von Wolfgang Kriege
Diogenes Verlag AG
September 2001 - kartoniert - 146 Seiten
Originaltitel: Le sabotage amoureux.
'Diogenes Taschenbücher'

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Philippe Claudel - Flore

Verfasst von Esther am September 29

Dann starb Flore… Ich entdeckte wie schmal der Grat zwischen Gnade und Leere ist.

Der Erzähler in Philippe Claudels neuen Roman Flore hat seine Frau verloren. Die Frau, die ihm, nach seiner traumatischen Kindheit, als Sohn einer Hure, erstmals wahre Liebe gezeigt hat. Fassungslos steht er vor den Trümmern seiner Liebe und seines Lebens, am Leben gehalten von Fluchten in Erinnerungen und der betäubenden Wirkung des Alkohols, gefangen zwischen Unglauben und dem eigenen Todeswunsch.
Eines Tages jedoch bricht er einfach auf, fährt ziellos los, flüchtet vor all den erdrückenden Erinnerungen, die in seinem Haus lauern. Er landet in dem kleinen vergessenen Städtchen Feil, an der Maas. Dort beginnt die Bewältigung seiner Trauer in einem Jahr voller Schmerz, aber auch voller Lehren und dem Gewinn von positiver Kraft auch aus den dunkelsten Zeiten.

Die Zeit, die Leid bringt, sorgt auch dafür, es zu lindern, und es ist ein merkwürdiger Effekt, zu sehen, wie sie daran arbeitet, uns zu vernichten, bevor sie uns Erleichterung bringt.

In der von Claudel mit feinsten Worten gewobenen Geschichte, lässt er den Leser hautnah an diesem Prozess der Heilung teilhaben. Claudel schafft eine Atmosphäre von starker Intimität. Es ist eine ruhige Geschichte voller Poesie und Menschlichkeit, wie ich sie noch nie gelesen habe. Die Beschreibungen von Natur und Menschen sind unglaublich intensiv, sehr lyrisch, so dass man die Maas in ihrem grauen Wintergewand förmlich vor sich fließen und die Kornfelder im Sonnenlicht leuchten sieht. Die Beschreibungen der Gefühle sind großartig, lassen tief in die Seele eines trauernden Menschen blicken.

Ein Roman den man, wie ein feines Stück Schokolade, auf der Zunge langsam zerfließen lassen muss. Ein Gewinn für Herz und Verstand gleichermaßen.

Eines der besten Bücher 2007 für mich!

Übrigens auch eine tolle Arbeit der Übersetzerin Michaela Heinz, die mit Flore ihren ersten Roman französischer Belletristik übersetzt hat.

Meine Bewertung ganz klar:

mit Extra

Aus dem Französischen
von Michaela Heinz
144 Seiten, Broschur
14 € [D]
ISBN 978-3-939462-03-3

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Guillaume Musso - Ein Engel im Winter

Verfasst von Esther am Juni 25

Ohoh! Hier habe ich ein Buch gelesen über das ich eigentlich ungerne noch ein Wort verschwenden möchte, naja, aber ich denke ich schreibe dennoch kurz ein paar Zeilen.

Die Geschichte:

Nathan Del Amico ist ein New Yorker Staranwalt, karrieregeil, skrupellos, egoman.
Er kommt aus einfachen Verhältnissen, während die große Liebe seines Lebens, Ehefrau Mallory, in gehobeneren Kreisen geboren ist. (Insgeheim möchte er ihr natürlich mit seinem Streben nach Ruhm nur beweisen, dass auch er ein toller Hecht ist, trotzdem seine Mutter nur ein Hausmädchen war. )
Die Ehe zerbricht, weil Nathan keine Zeit mehr für Frau und Kind hat und Sohn Sean kurz nach der Geburt stirbt.
An einem normalen Bürotag bekommt Nathan dann einen geheimnisvollen Besuch von einem Arzt, der ihm nur mitteilt, dass er ihm gerne helfen möchte. Nathan hält den Mann für verrückt und wirft ihn aus dem Büro. Lächerlich murmelt er vor sich hin Helfen ? Wobei? Doch die Neugierde siegt und Nathan stellt Nachforschungen an.

Kurz: Diese ergeben, - keine Angst ich verrate nicht zuviel - dass Nathan bald sterben wird und der Arzt ein “Bote” ist, der dazu bestimmt ist ihn zum Tode zu begleiten.

Die Welt des Anwaltes gerät aus den Fugen, er fällt aus allen Wolken und versteht die Welt nicht mehr, etc. etc. Er versucht seine Fehler bei Frau und Kind wieder gut zu machen… natürlich auch alle anderen Fehler… um so in Frieden sterben zu können.

Die Geschichte nimmt allerdings dann eine ungeahnte Wendung.

Meine Meinung:

Ein nettes Thema an sich, aber :

- Warum ausgerechnet New York? Kann die Geschichte nicht in Paris spielen ? Es reicht doch, wenn 90% aller Amis über Amerika schreiben. Ich persönlich mag schon gar keine Geschichten aus Amerika mehr hören, aufgrund deren enormer Präsenz auf den Büchermarkt.

- Warum so viele Klischees? Bei dem Thema wäre doch alles drin gewesen, Mystik, Fantasy, Romatik, Spannung, Anspruch… Von all dem habe ich leider bis auf eine billige “Bleibensiedran”-Spannung à la Seifenoper nichts zu lesen.

- Warum lässt Musso den Leser nicht auch einfach ein wenig Platz zum Mitdenken, statt ihm den Stoff häppchenweise vorzukauen?

- Warum so viel Schmalz? Eine Geschichte die den Tod als Thematik hat, muss peinlich darauf bedacht sein nicht in den Kitsch abzurutschen. Es ist einfach nicht zu ertragen ein solch sensibles Thema mit dem Kitschhammer platt zu hauen. Einfachheit und Ehrlichkeit sind hier einfach wirkungsvoller. Man merkt dem Buch an, dass es dafür geschrieben ist, um ein kommerzieller Erfolg zu sein.

Fazit:

Literarisches Fastfood, schnell gelesen, schnell vergessen…

Meine Bewertung:



(Zwei Punkte für die schönen Zitate am Anfang jeden Kapitels und einige nette Gedanken des Autors)

ISBN: 3442362202
Übersetzt von Antoinette Gittinger
Blanvalet Taschenbuchverlag
Dezember 2005 - kartoniert - 396 Seiten
Originaltitel: Et après..

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Wieder mal Philippe…

Verfasst von Esther am Juni 19

Mein (jetzt wirds kurz albern) herzallerallerallerliebster Philippe Claudel kommt, wie ich heute erfuhr, nicht nur mit dem neu übersetzten Roman “Flore” (ich berichtete) im September, sondern auch Ende des Jahres mit Der Junge, der in den Büchern verschwand und andere Geschichten” zurück in meine Bücherregale. 

Ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr ich mich darüber freue!!

Na, da kann ich jetzt ja wohlgemut in meinen Tag gehen…  ;)

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Preisträger “Prix Goncourt”

Verfasst von Esther am Juni 19

In Frankreich der begehrteste Literaturpreis und auch für mich ein sehr wichtiger Preis, mit stets wundervollen Literaturtipps. Er zeichnet das beste erzählerische Werk aus , das im laufenden Jahr in französischer Sprache erschienen ist. Hier die Preisträger der letzten 20 Jahre:

2007 Gilles Leroy, Alabama Song
2006 Jonathan Littell, Les Bienveillantes
2005 François Weyergans, Trois jours chez ma mère; dt. Drei Tage bei meiner Mutter
2004 Laurent Gaudé, Le Soleil des Scorta; dt. Die Sonne der Scorta
2003 Jacques-Pierre Amette, La Maîtresse de Brecht (nicht üb.)
2002 Pascal Quignard, Les Ombres errantes (nicht üb.)
2001 Jean-Christophe Rufin, Rouge Brésil
2000 Jean-Jacques Schuhl, Ingrid Caven
1999 Jean Echenoz, Je m’en vais; dt. Ich gehe jetzt
1998 Paule Constant, Confidence pour confidence; dt. Vertrauen gegen Vertrauen
1997 Patrick Rambaud, La Bataille; dt. Die Schlacht
1996 Pascale Roze, Le Chasseur zéro; dt. Das Geräusch
1995 Andrei Makine, Le Testament français, dt. Das französische Testament
1994 Didier van Cauwelaert, Un Aller simple; dt. Das Findelkind
1993 Amin Maalouf, Le Rocher de Tanios; dt. Der Felsen von Tanios
1992 Patrick Chamoiseau, Texaco;
1991 Pierre Combescot, Les Filles du Calvaire
1990 Jean Rouaud, Les Champs d’honneur; dt. Die Felder der Ehre
1989 Jean Vautrin, Un grand pas vers le bon Dieu; dt. Das Herz spielt Blues
1988 Erik Orsenna, L’Exposition coloniale; dt. Gabriel II oder Was kostet die Welt
1987 Tahar Ben Jelloun La Nuit sacrée; dt.Die Nacht der Unschuld
1986 Michel Host Valet de nuit (nicht üb.)

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