SALOMES BÜCHER

Leben und Lesen gegen den Strom

Archiv für 'Aus aller Welt' Kategorie


Kenzaburō Ōe - Reißt die Knospen ab

Verfasst von Esther am Dezember 6

Der japanische Schriftsteller Kenzaburō Ōe war 23 Jahre alt als er im Jahr 1958 seinen Debutroman Reißt die Knospen ab veröffentlichte.

“Ich wollte von der Angst der Kinder schreiben, ihrer Angst vor der Natur und ihrer Angst vor dem Krieg.” sagt Ōe selbst über sein Werk. Die Frage ist nun natürlich: Ist dem Literaturnobelpreisträger das auch gelungen ?

Die Handlung des Romans ist in Japan während des zweiten Weltkriegs angesiedelt. Die Schüler einer Besserungsanstalt werden aus einem gefährdeten Gebiet in ein abgelegenes Dorf in Sicherheit gebracht. Nach kurzer Zeit scheint jedoch in dem Bergdorf eine Seuche ausgebrochen zu sein, die Erwachsenen Bewohner fliehen und überlassen die Kinder ihrem Schicksal. Doch diese organisieren ihr Überleben, plündern die verlassenen Häuser und ergreifen quasi von dem Dorf Besitz.
Schüler einer Besserungsanstalt scheinen zu dieser Zeit in Japan weniger Wert als eine nervige Zecke gewesen zu sein. Ōe schildert die Erniedrigungen und Qualen die diese Kinder erdulden müssen. Immer wieder versuchen sie zu fliehen, werden jedoch stets von hasserfüllten Einheimischen gejagt und zurückgebracht. Es scheint, als würde auch außerhalb der Anstalt eine unsichtbare Mauer aus Hass die Kinder einschliessen. Als die Jungen dann von dem Leiter des Heims in das abgelegene Dorf gebracht werden, bekommen sie das besonders hart zu spüren. Sie müssen die widerlichste Arbeit verrichten, bekommen kaum zu essen und werden auch noch eingesperrt. Man fragt sich beim Lesen, warum hat man sich überhaupt die Mühe gemacht, die Kinder zu evakuieren? Die Umstände also sind die schlimmsten, die man sich denken kann und sie sind sehr plastisch geschildert. Übelkeit ist garantiert. Allerdings bleibt man doch als Leser außen vor, die Geschichte bleibt an ihrer grässlichen Oberfläche. Nur an einigen, seltenen Stellen werden Gedanken und Gefühle geschildert, kann man sich in die Figuren des Romans richtig hineinversetzen. Zum einen ist da die Geschichte mit dem geflohenen Soldat, zum anderen der kleine Bruder des Erzählers. Sie lassen uns Verletzungen durch das Grauen des Krieges und des Ungeheuers Mensch erahnen. Die Angst vor dem Krieg konnte man nur marginal entdecken, sie spielt, nach meinen Verständnis jedenfalls, keine größere Rolle. Die Angst vor der Natur? Auch sie schient mir nicht Hauptsache des Romans. Eher das Verhalten und Reaktionen von Menschen in extremen Situationen. Die Seuche scheint hier eine zentrale Rolle zu spielen, zeigt sie doch das wahre Gesicht der Bewohner. Auch die Stärke und der Überlebenswille der Kinder in diesem düsteren Tal wird anschaulich dargestellt.

Gescheitert ist der Lesegenuss bei diesem Buch an Kleinigkeiten, an der hundertfachen Beschreibung von Speichel in all seinen möglichen Konsistenzen und dem häufigen erwähnen von Penissen, Homosexualität und ähnlichem, die völlig deplatziert waren und auch kaum zu der Intention des Autors kindliche Angst darzustellen passten. Eher schien mir der Autor seine eigenen ersten sexuellen Erfahrungen einmal niederschreiben zu wollen. Mir jedoch war das unangenehm zu lesen. Auch Tierkadaver in allen Details zu schildern empfand ich als unnötig. Vieles war etwas zu abstossend, so das man es kaum an sich heran lassen wollte.

Alles in allem zwar ein Buch, das mir nicht gefallen hat, dem ich aber aufgrund der teils wirklich guten Schreibe, die man einfach anerkennen muss trotzdem diese Bewertung gebe:

ISBN: 3596144191
Übersetzt von Otto Putz
Fischer Taschenbuch Vlg.
221 Seiten

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Khaled Hosseini - Tausend Strahlende Sonnen

Verfasst von Esther am Oktober 23

Tausend strahlende Sonnen ist das zweite Buch das der gebürtige Afghane Khaled Hosseini in Deutschland veröffentlicht hat. Diesmal erzählt er die Geschichte zweier Frauen aus verschiedenen Generationen, aber mit demselben Schicksal.

Dieses Schicksal nämlich ist es als Frau in einem Land geboren worden zu sein, dass durch seine patriarchalen Strukturen, seine radikale Religiosität und durch seine von Krieg geprägte Härte, besonders Frauen kaum eine Chance auf ein menschenwürdiges Leben lässt. Ein Leben und Sterben in solchen Lebensumständen will der Autor Hosseini dem Leser also näher bringen.
Er beginnt mit Mariam, einem harami, also einem Bastard und dazu noch einem weiblichen. Die Mutter lebt mit ihrer Tochter in einer armseligen Hütte weit außerhalb eines Dorfes in der Nähe von Herat. Im Laufe ihres Lebens in Armut und Ausgrenzung muss das Mädchen sich immer mehr von Illusionen und Hoffnungen verabschieden. Diese Realität beginnt für das Mädchen, als sie der über alles geliebte Vater, nach dem Tod der Mutter, schnell loswerden will und in eine Ehe mit einem weit älteren Mann drängt. Der nimmt sie mit nach Kabul. Es beginnt ein wahrer Leidensweg für Mariam, Prügel und Demütigung sind an der Tagesordnung.

Die Tochter einer Nachbarin, Leila, wird zu dieser Zeit gerade erst geboren. Nach nur 14 Jahren jedoch, werden beide Ehefrauen des Tyrannen und Leidensgenossinnen sein. Die Beziehung beginnt als Feindschaft, Leila ist jünger und steht in Raschids Gunst, besonders da Leila noch den von dem Ehemann Raschid ersehnten Sohn zu erwarten scheint.

Hosseini versteht es den Leser zu fesseln und ist ein ausgesprochen guter Erzähler. Er kann das Leben in Afghanistan und die Charaktere lebensecht und zum Greifen nah beschreiben. Im ersten und zweiten Drittel des Buches war ich völlig absorbiert in diese Welt und mochte das Buch kaum aus der Hand legen. Das Schicksal dieser beiden Frauen hat mich bis in den Schlaf verfolgt und ich war so ohnmächtig wütend bis zur Schmerzgrenze. Ich habe mir tausend Szenarien überlegt diesen Mann endlich loszuwerden. Es brodelte der Hass auf Männer und auf islamische um so mehr. Aye! Here`s the rub.
Von da an kamen mir durch diese politisch unkorrekten Gefühle im letzten Drittel des öfteren doch Bedenken. Wird hier nicht zu sehr schwarz und weiß gezeichnet und Klischees gewinnbringend an den mitleidenden Leser gebracht? Natürlich die bösen Männer (gibt es im moslemischen Raum überhaupt gute Männer?), die duldsamen totalverschleierten Frauen, die sich quasi von ihrem Ehemann foltern lassen, die unschuldig in höchste Not geratenden Kinder? Liebende getrennt durch Intrigen und Krieg? Werbung für den ach so freiheitlichen Westen?

Die Anwort ist zugegebener Massen : Ja! In diesem Buch lässt sich all dies schon entdecken oder aufdecken. Ich denke allerdings, wenn man die Fähigkeit besitzt Dinge zu reflektieren und zu relativieren kann man trotzdem das Buch genussvoll lesen, eben nur als gut geschriebenen Roman. Allerdings sollte man ihn nicht zur politischen Meinungsbildung einsetzen, um dann eine Meinung in Schwarz- Weiss zu erlangen.

Wegen dieser Gefahr kriegt das Buch von mir “nur”

Diese Bewertung:

ISBN: 3827006716
Übersetzt von Michael Windgassen
Bloomsbury Berlin
September 2007 - gebunden - 381 Seiten Originaltitel: A thousand splendid suns.

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Taichi Yamada - Sommer mit Fremden

Verfasst von Esther am Oktober 13

Sommer unter Fremden ist das erste Buch des Japaners Taichi Yamada, einem der bedeutendsten Schriftsteller der japanischen Gegenwartsliteratur, das in Deutschland veröffentlicht wurde.

Der Drehbuchautor Harada befindet sich an einen Scheideweg seines Lebens, alles in seinem Leben hat sich verändert. Nach der ersehnten Scheidung von seiner Frau, die ihn quasi finanziell ruiniert hat, fühlt er sich zunächst befreit. Er zieht alleine in sein ehemaliges Büro in einem Bürokomplex in Tokio, direkt an einer lärmenden Verkehrsader, und vergräbt sich in seiner Arbeit. Abends erscheint ihm die Stille und die Einsamkeit des Hauses jedoch langsam immer bedrückender. Die einzige Mitbewohnerin, wohnt im dritten Stock des Gebäudes. Doch trotz der beängstigenden Stille und seinen Ängsten möchte er lieber alleine sein. Als die Nachbarin eines Tages mit einer Flasche Sekt angetrunken vor seiner Tür steht, wimmelt er sie ab. Dann besucht ihn auch noch Mamiya, sein Kollege, um ihm mitzuteilen, dass er die Zusammenarbeit ihm ihm kündigt, weil er ein Verhältnis mit seiner Ex-Frau hat. Frustriert streift er durch die Strassen Tokios und landet in dem Viertel in dem er aufgewachsen ist. Bei einem Besuch in einem Theater sieht er in den Reihen gegenüber seinen toten Vater, obwohl der 47 jährige Mann seine Eltern mit 12 Jahren durch einen Unfall verloren hat. Sein Vater lädt ihn nach Hause ein. Zwar traut Harada seinen angegriffenen Sinnen nicht mehr, aber die Freude darüber seine totgeglaubten Eltern wieder zu sehen ist übermächtig. Nach jedem Besuch bei seinem Eltern sagen ihm jedoch stets Freunde und Bekannte, er wäre so blass, dünn und stark gealtert, obwohl er sich selbst normal fühlt und sich auch so im Spiegel sieht. Die Grenze zwischen Traum und Realität verwischt sich immer mehr. Aber was geschieht wirklich bei den geheimnisvollen Besuchen und was geschieht mit ihm selbst?

Nach Yamadas Sommer mit Fremden hätte sich Alfred Hitchcock alle Finger geleckt. Man merkt das Yamada selbst preisgekrönter Drehbuchautor ist, denn er versteht es meisterhaft bildhaft seine brillant düstere Atmosphäre zu zeichnen, so dass man die Geschichte quasi schon wie in einem hitchcockesken Gruselschocker vor sich sieht. Die Spannung hält den Leser bis zur letzten Minute gefangen in dieser Zwischenwelt, zwischen Traum, Wahn und Realität, bis zum fulminanten Ende, dass die Geschichte perfekt abrundet. An diesem perfekt inszenierten Roman wird sowohl der Freund von klassischen Schauerromanen, wie auch der Liebhaber moderner Gegenwartsliteratur seine Freude haben. Noch zwei weitere Romane von Yamada sollen in nächster Zeit veröffentlicht werden. Ich freu mich schon sehr darauf! Mein absoluter Geheim-Lesetipp!

Meine Bewertung:

Taichi Yamada
Sommer mit Fremden
Roman Goldmann
Originaltitel: “Ijintachi to no Natsu”
Übersetzt von Kimiko Nakayama-Ziegler, Ursula Gräfe
Gebundenes Buch, 192 Seiten,
ISBN-13: 978-3-442-31092-0
Erscheinungstermin: März 2007

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Isabel Allende - Das Geisterhaus

Verfasst von Esther am Juli 18

Da schon zu genüge im Netz besprochen, hier nur eine Kurzrezension:

Klappentext:

Eine Familiensaga des 20. Jahrhunderts, in der die wechselhafte Geschichte des chilenischen Patriarchen Esteban Trueba und der Frauen seines Hauses erzählt wird.
Der Erfolg dieses Buches ist dem hinreißenden Erzähltemperament Isabel Allendes zu verdanken: Souverän, mit Phantasie und Witz, mit Zärtlichkeit und Ironie malt die Autorin das große, bunte Tableau einer Familie über vier Generationen hinweg.

Meine Meinung:

Ein Buch, das mich durch Himmel und Hölle geschickt hat.
Nach meinen anfänglichen Skrupeln hat “Das Geisterhaus” sich schließlich zu einem tollen Familienepos entwickelt. Die Geschichte der Familie Trueba mitzuverfolgen war sehr interessant und wie Isabel Allende diese Geschichte erzählt ist großartig. Besonders gefallen hat mir, das Allende viel Autobiographisches und Geschichtliches in die Geschichte eingeflochten hat, es macht den Roman sehr authentisch und ergreifend. Sie hat ja in der Tat - so weit ich bei Recherchen im Netz gelesen habe - die Frauen ihrer Familie als Vorlagen für ihre Figuren benutzt.
Die Personen im Roman sind also allesamt detailreich und lebendig beschrieben. Besonders Blanca hat es mir angetan, vielleicht weil ich mich selbst oft in der introvertierten, aber dennoch starken Frau wiederzuerkennen glaubte.

Eine “Schattenseite” gab es allerdings auch. Es ist ein stiller, anspruchsvoller Roman, wie ich finde. Er hatte schon auch einige Längen und kostete mich über einen Monat an Zeit, um ihn zu lesen. Also ein Buch, welches man in Ruhe genießen sollte. Leider habe ich derzeit einfach nicht die Zeit und Muse, um den Roman in vollem Umfang würdigen zu können. Ich werde ihn sicher zu gegebener Zeit gerne nochmals lesen!

Noch kurz ein Wort zu meiner Ausgabe: Ich kann bei Büchern klein und eng gedruckte, vollgestopfte Seiten überhaupt nicht leiden. Meine Ausgabe ist leider eine solche. Das hat mir das Lesevergnügen geschmälert.

Meine Bewertung:


Originaltitel: La casa de los espiritus
Taschenbuch, 503 Seiten
Verlag: Suhrkamp (1989)
ISBN-10: 3518381768

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Joseph Boyden - Der lange Weg

Verfasst von Esther am Juni 4

Der lange Weg ist bei den Cree-Indiandern Kanadas der Weg, den ein Sterbender zurücklegen muss um ins Jenseits zu gelangen.
Auch in Joseph Boydens Roman müssen die Protagonisten einen langen Weg zurücklegen. Einen Weg, der sie aus der Wildnis der kanadischen Wälder
in die Hölle der Schützengräben des ersten Weltkriegs führen wird, in einen Krieg, den sie für Fremde kämpfen in deren anderer Welt.

Im Kanada des beginnenden 20. Jahrhunderts herrschen für Indianer harte Zeiten. Sie werden immer mehr in Reservate gedrängt, ausgebeutet, verachtet.
Ihre Kinder werden ihnen weg genommen, um ihnen eine gute christliche Erziehung angedeihen zu lassen, natürlich auch im Zweifelsfalle gegen deren Willen.
In diesen Zeiten werden Xavier und Elijah, zwei junge Cree-Indianer groß. Beide werden zunächst in einem der Internate groß. Xavier lebt dort bis seine Tante,
eine der letzten Windigotöterinnen ihres Stammes (also so eine Art Schamanin), ihn aus der Institution befreien kann; Elijah, ein Waisenkind, bis er die Schule beendet hat und zu Xavier und seiner Tante in die Wildnis zieht. Dort lehrt der ruhige Xavier den draufgängerischen Elijah das Jagen und Überleben in der Natur.
Doch Elijah, der lange in der Zivilisation gelebt hat, verlangt es bald nach Ruhm, Ehre und Abenteuern.
Wie viele andere ihrer indianischen Identität beraubten Männer, besinnt er sich auf seine Kriegertradition und hofft die Erfüllung seiner Träume durch den Eintritt in die kanadische Armee zu finden. Xavier, den mit Elijah inzwischen ein enges brüderliches Verhältnis verbindet, geht mit ihm, wenn auch weniger euphorisch. Niska, Xaviers Tante, überkommen schreckliche Visionen und doch weiß sie, dass sie die beiden ziehen lassen muss.

Die harte Realität holt die beiden nach ihrer Ankunft an der hart umkämpften Front an der Somme schnell ein. Immer wieder vergegenwärtigt Boyden durch Rückblenden, in die Vergangenheit der beiden jungen Männer, den krassen Kontrast der beiden Welten und intensiviert den Schrecken der Front dadurch. Er bringt eine neue Perspektive in den Krieg, in dem er durch die Augen Xaviers schildert.

Mit dem Grauen des Krieges gehen beiden Männer anders um. Der introvertierte Xavier, zieht sich noch mehr in sich zurück, durch seine geringen Sprachkenntnisse noch mehr isoliert, versucht er einfach zu überleben; Elijah, der perfekt Englisch spricht und von Natur aus ein ehrgeiziger, charismatischer Mensch ist, steigert sich in seine Suche nach Anerkennung hinein, wird zum Menschenjäger, feiert als Scharfschütze grosse Erfolge, die eigentlich auf das Konto des besseren Schützen Xaviers gehen. Immer drastischer nimmt die Entwicklung der beiden Männer ihren Lauf und wächst sich, wie man schon erahnen kann, zu einer echten Tragödie aus.

Boydens Intension, diesen Roman zu schreiben, war die, gegen das Vergessen der heldenhaften Taten der Indianer im ersten Weltkrieg anzukämpfen. Die Indianer kämpften für ein Land, das sie schlecht behandelte und schließlich hat man in Kanada dies schlicht gänzlich unter den Teppich gekehrt.
Mit dem kleinen Unterschied das ich keine militärische Aktion als heldenhaft bezeichnen würde, finde ich dies doch ein ehrenhaftes Motiv, das der Autor gut umgesetzt hat. Die Intensität der Erzählung lässt auch über kleinere Mängel und Längen in der Geschichte gerne hinwegsehen. Ein Buch, das eine neue Sichtweise auf den ersten Weltkrieg bringt und mit Sicherheit eines, das man nicht vergessen wird!

Fazit:

Wer sich für die Thematik des ersten Weltkrieges interessiert und starke Nerven hat, dem kann ich zum Lesen dieses Buch gerne raten.

Über den Autor:

Joseph Boyden, 1967 in Kanada geboren, hat indianische Vorfahren.
Zu seinem Roman wurde er durch die historische Figur des indianischen Kundschafters Francis Pegahmagabow angeregt.
“Der lange Weg”, nominiert für den angesehenen Governor General’s Award for Fiction 2005,
stand in seiner Heimat wochenlang auf den Bestsellerlisten. Die Übersetzungsrechte wurden in über zehn Länder verkauft.
Joseph Boyden lebt in New Orleans.

Meine Bewertung:

Der lange Weg
von Joseph Boyden
Knaus
Februar 2006
ISBN 3813502708
Preis: 19,95 Euro

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Andrei Makine - Das französische Testament

Verfasst von Esther am Juni 4

 

Klappentext:

Jeden Sommer verbringt Aljoscha bei seiner Großmutter Charlotte in der unendlichen Weite Sibiriens, “wo der Himmel so weit und die Wälder so tief sind, dass man sich keinen Menschen darin vorstellen kann”. Eines Tages stößt der Junge auf Charlottes “sibirischen Koffer”, der angefüllt ist mit Zeitungsartikeln, Bildern und Erinnerungsstücken aus Paris, wo sie einst ihre Kindheit verbracht hat.
Charlotte weiß zu jeder Episode ihres wechselvollen Lebens eine außergewöhnliche Geschichte zu erzählen, und Aljoscha kann nicht genug hören von Marcel Proust, der in Neuilly Champagner trank, vom Besuch des Zaren in Paris und vom Tod des Präsidenten in den Armen seiner Geliebten. Doch Aljoscha ist nicht nur stolz auf seine französische Großmutter, die ihm so manchen Spott seiner Schulkameraden einbringt und ihn verzweifelt nach seiner eigenen Identität suchen lässt. Erst als er selbst nach Paris kommt, findet er Frieden mit Charlotte und mit sich selbst.

Dieses Buch Makines ist sicher ein besonderes. Makine versteht es tiefgreifend, mitreißend und kunstvoll zu schreiben, ohne Frage. Leider war es mir teils ein wenig zu düster und/oder hat mich unangenehm berührt. Vielleicht weil Makine so gut die eine Seite des Lebens, die der Selbstfindung, der Sehnsucht, der Nostalgie und des (zu ) späten Erkennens beschreibt. Eine Seite mit der ich mich momentan so nicht auseinandersetzen wollte.
Dieses Buch wird nichtsdestotrotz lange in meinem Gedächtnis bleiben. Ich habe viel von mir selbst wiedergefunden, Kindheitserinnerungen und Traurigkeit über das Vergangene.

Über den Autor:
Andrei Makine wurde 1957 in Sibirien geboren. Er studierte Philologie in Moskau und Twer. Durch seine französische Großmutter wurde er schon als Kind mit der Sprache und Kultur Frankreichs vertraut. Seit 1987 lebt er in Paris.

Meine Bewertung:



Roman.btb
322 Seiten
ISBN: 3-453-15024-4
Ersch. 1995
unter dem Titel
“Le Testament Francais”

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Hisham Matar - Im Land der Männer

Verfasst von Esther am Juni 4

Wie muss ein gutes Buch geschrieben sein, um dem Leser eine erschütternde Thematik nahe bringen zu können ?
Als erstes sollte es sicher authentisch sein, zudem unsentimental, einprägsam und in einer einfachen, doch kunstvollen Sprache verfasst. Es sollte den Leser berühren, letztlich sollte er das Gefühl haben bereichert worden zu sein.
Wenn man mit vorgenannten Ansprüchen konform geht, mag man sich getrost der Lektüre von Hisham Matars ” Im Land der Männer” widmen, ohne enttäuscht zu werden.

Hisham Matars Romandebüt führt uns in das Libyen der späten Siebziger Jahre, in die Welt des neunjährigen Jungen Suleiman.
Libyen ist zu dieser Zeit ein Land, in dem seit dem Sturz des Monarchen Idris die Revolution des Muammar al-Gaddafi bereits seit 10 Jahren mit Gewalt und Schrecken das Leben bestimmt.
In diesem “Land der Männer” ist kein Platz für die großen Wünsche und Träume von Frauen und Kindern, doch Hisham Matar erzählt uns genau von diesen.
Suleiman und seine Mutter Najwa sind einander sehr verbunden, dennoch ist ihre Beziehung schwierig. Der von Suleiman bewunderte, aber auch sehr gefühlskalte Vater ist die meiste Zeit auf Geschäftsreisen. Mutter und Sohn sind meist auf sich gestellt. In diesen einsamen Tagen ist Najwa oft “krank”, denn trotz strengem Alkoholverbot trinkt sie. Dann erzählt sie dem Jungen ihre Geschichte. Wie sie, als Mädchen von vierzehn Jahren, einen älteren Mann auf Beschluss des “Hohen Rates” der Familie heiraten musste, ein schwarzer Tag in ihrem Leben. Kurz nach der Hochzeit wird sie schwanger und Suleiman wird geboren. Mit seiner Geburt sterben ihre Hoffnungen und Träume.
Suleiman träumt davon seine Mutter zu retten. Er möchte, dass es ihr gut geht und obwohl es kaum in seiner Macht liegt, beschützt und hilft er seiner Mutter wo er nur kann. Es wird allerdings im Lauf der Geschichte immer schwieriger für ihn sie zu erreichen.

Eines Tages sieht Suleiman seinen Vater, der sich auf einer vermeintlichen Auslandsreise befindet, auf dem Märtyrerplatz in Tripolis. Das Kind kann dies noch nicht verstehen, doch sein Vater ist ein Aktivist der Widerstandsbewegung. Bald beginnt man auf ihn aufmerksam zu werden, und schließlich wird sogar ein Nachbar und Freund der Familie als Verräter verhaftet und verschwindet.
In panischer Angst um ihrer aller Leben verbrennt Najwa die verräterischen Bücher ihres Mannes. Suleimans Welt gerät immer mehr aus den Fugen, er hat keinen Halt mehr, ist verwirrt und verängstigt. Denunziation und Gefahr beherrschen sein junges Leben. Wohin wird sein Weg ihn führen?

Das Leben des jungen Suleiman hat Hisham Matar in diesem Buch konsequent aus dessen kindlicher Perspektive geschrieben. Die Authentizität und Intensität hierbei ist nicht verwunderlich. Betrachtet man Hisham Matars eigene Kindheit entdeckt man viele Parallelen zu seinem Protagonisten. Auch Matar wuchs im Tripolis der Siebziger Jahre auf, sein Vater verschwand in libyscher Haft und sein Schicksal ist bis heute ungeklärt. Er emigrierte nach Kairo und lebt heute in London.
“Im Land der Männer” ist auch sein eigener Rückblick, eine Liebeserklärung an seine Heimat und auch eine Abrechnung mit der bis heute andauernden Gewaltherrschaft Gaddafis. Authentischer kann man einen Roman kaum schreiben, man ist hautnah dabei, lebt und fühlt mit dem jungen Protagonisten, spürt die brennende Sonne in Tripolis.
Suleimans Gedanken und Gefühle, voller Unschuld, kindlicher Naivität und Fragilität, beschreibt er ohne Pathos, aber sehr anrührend. Die Geschehnisse verfolgt man gespannt, geschockt und ergriffen. Die schmuckvolle Einfachheit seiner Sprache überzeugt und bewegt. Besonders wichtig ist, wie ich finde, dass Matar Interesse für die Thematik der lybischen Politik weckt, die ja bis heute in ihren Grundzügen unverändert besteht, auch wenn sie sich wirtschaftlich dem Westen öffnet. Ein bewegender Roman über eine Kindheit unter einem Gewaltregime, ein tolles Debüt, das noch Großes von Hisham Matar erhoffen lässt.

Meine Bewertung:

ISBN: 3630872441
Übersetzt von Werner Löcher-Lawrence
Luchterhand Literaturvlg.
Februar 2007 - gebunden - 254 Seiten
Originaltitel: In the Country of Men.

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Velma Wallis - Zwei alte Frauen - Eine Legende von Verrat und Tapferkeit

Verfasst von Esther am Juni 3

Kurzbeschreibung Amazon.de:

Die Geschichte von zwei alten Indianerfrauen eines Nomadenvolkes hoch oben im Norden Alaskas. In einem strengen Winter wird der Stamm von einer Hungersnot heimgesucht. Die Gruppe ist gezwungen, ihr Lager zu verlassen und auf Nahrungssuche zu gehen. Ihr Häuptling beschließt - wie es das Stammesgesetz vorsieht - die zwei alten Frauen, da sie unnütze Esser sind, zurückzulassen. Keiner wagt, gegen diesen Beschluss aufzubegehren. Doch allein in der Wildnis geschieht das Erstaunliche: Die beiden alten Frauen geben sich nicht auf. Ihr Überlebenswille siegt über ihren Zorn, und nach und nach besinnen sie sich auf ihre Fähigkeiten …

Meine Meinung:

Diese alte überlieferte Legende des Nomadenvolkes Gwich`in im Norden Alaskas, wurde der Autorin Velma Wallis von ihrer Mutter erzählt. Sie hat sie dann niedergeschrieben. Zwei alte Frauen, die von ihrem Stamm in schlimmster Not als unnütze Esser zurückgelassen werden, wachsen über sich hinaus, um zu überleben; und schaffen mit ihrer Erfahrung und Weisheit sogar viel mehr als das…

Zitat:

Geschichten sind Geschenke älterer Menschen an junge. Leider werden dererlei Gaben heute sehr viel seltener verschenkt und empfangen, da ein Großteil unserer Jugend mit Fernsehen beschäftigt ist und atemlos versucht, mit dem modernen Leben schritt zu halten. Doch vielleicht werden ja morgen einige wenige aus der heutigen Generation, die noch für die Weisheit der Alten empfänglich sind, jene von Mund zu Mund überlieferten Geschichten in ihrem Gedächtnis bewahren.Und vielleicht wird die Generation von morgen wieder begierig nach Geschichten wie dieser sein und so die eigene Vergangenheit, das eigene Volk und , wie ich hoffe, auch sich selbst besser begreifen lernen.

Ihre Einstellung zum Schreiben und zu Geschichten allgemein spürt man auch sehr in dieser ihrer Geschichte. Die Sprache ist einfach gehalten, doch das passt natürlich einfach sehr zum Umfeld und den Protagonisten der Erzählung. Velma Wallis beschreibt alles sehr lebensnah und eindringlich, so dass man von der Geschichte sogleich in ihren Bann gezogen wird.Zitat:

Diese Geschichte hat mich gelehrt, dass den eigenen Fähigkeiten keine Grenzen gesetzt sind, wenn es darum geht, das im Leben zu vollbringen, was man muß - schon gar nicht durch das Alter. In jedem menschlichen Wesen auf dieser weiten, komplizierten Welt ruht eine erstaunliche Anlage zur Größe. Doch nur selten haben diese verborgenen Gaben die Gelegenheit, sich zu entfalten.Manchmal ist es allein der Zufall des Schicksals

Ich kann dieses weise, anrührende Buch nur sehr empfehlen!!!

Meine Bewertung:

ISBN: 3492245692
Illustriert von Heinke Both Übersetzt von Christel Dormagen
Piper Verlag GmbH
November 2005 - gebunden - 119 Seiten
Eine Legende von Verrat und Tapferkeit.
Originaltitel: Two Old Woman.
‘Serie Piper’.

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Bapsi Sidhwa - Ice Candy Man

Verfasst von Esther am Juni 3

Sidwha

Kurzbeschreibung:

›Ice Candy Man‹ erzählt die Geschichte der Trennung Indiens und Pakistans in den vierziger Jahren aus der Sicht des kleinen Parsenmädchens Lenny aus Lahore. Lenny wächst in einem Milieu auf, das von Toleranz geprägt ist; selbst die bisweilen belächelte englische Nachbarsfamilie ist gern gesehener Besuch. Dass es neben Parsen auch Sikhs, Hindus und Moslems gibt, weiß Lenny denn ihrem bildhübschen Kindermädchen stellen Verehrer aller Glaubensrichtungen nach, darunter der moslemische Ice Candy Verkäufer. Die multikulturelle Idylle findet ein jähes Ende, als im August 1947 der Panjab zwischen den unabhängigen Staaten Indien und Pakistan aufgeteilt wird: Lahore brennt, religiöser Fanatismus bricht aus, Freundschaften und Familien brechen auseinander. Der gutmütige Ice Candy Man entpuppt sich als gewissenloser Opportunist, der das Vertrauen des Kindes missbraucht, um das begehrte Kindermädchen in seine Gewalt zu bringen.

Meine Meinung:

Der Anfang war recht vielversprechend. Die Thematik sehr interessant. Die Entstehung Pakistans aus der Perspektive eines kleinen Mädchens aus Lahore. Die Autorin konzentriert sich anfangs sehr auf die kleine Lenny und schildert weit über die Hälfte des Buches nur deren Umfeld (welches bunt gemischt aus Moslems, Parsen, Sikhs, Hindus und Christen besteht), Sichtweisen und Gedanken zum Erwachsen werden. Schließlich wird die Republik Pakistan ausgerufen. Die Menschen, die zuvor friedlich zusammen lebten, trachten sich nun gegenseitig nach dem Leben. Ab diesem Zeitpunkt werden sehr drastisch Blutvergießen und Grausamkeiten geschildert. Zwangsumsiedlungen beginnen und damit Kindervergewaltigung, Morde, Plünderungen, etc. Leider konnte mich der Roman nie fesseln. Die Personen des Romans sind mir fremd geblieben und der Schreibstil war sehr gewöhnungsbedürftig. Da man aber sehr viel über die Gründung Pakistans erfuhr und dieses Wissen sich auch durch den Roman sehr festgesetzt hat bekommt er von mir noch 2 Smilies von 5.

Meine Bewertung:


ISBN: 3423127961
Übersetzt von Ditte König, Giovanni Bandini
DTV Deutscher Taschenbuch
Juni 2000 - kartoniert - 339 Seiten
Originaltitel: Ice Candy Man.
‘dtv - Taschenbücher’.

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Tino Hemmann - Und weil die Stunde kommt

Verfasst von Esther am Februar 3


Ich habe dieses Buch gerade beendet. Es war eine recht uninteressante Lektüre, allerdings sind Polit-Thriller allgemein nicht mein Lieblingsgenre. Da das Buch noch nicht erschienen ist, ich habe ein unlektoriertes Leseexemplar, vorab in einer interaktiven Leserunde gelesen, möchte ich mich erstmal hier nicht weiter äußern. Allerdings kann man meine und verschiedene andere Meinungen und auch Erläuterungen des Autors Tino Hemmann zu dem Buch HIER nachlesen.

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