
Kurzer Dialog
Du und ich, lieber Gott,
wir beide wissen es,
Daß deine Welt noch lange nicht
Fertig war, als der siebente Tag
Anbrach.
Du hattest dich dazumal
Darauf verlassen,
Daß deine Geschöpfe
Gehilfen dir würden.
O weh.
Leiden läutern uns nicht,
Und durch Schaden wird man nicht klug.
Nur gerissen.
- Herr, du gabst uns die Welt, wie sie ist.
Gib uns doch bitte dazu
Das seinerzeit leider
Nicht mitgelieferte
Weltgewissen!
Quelle: phil-fak.uni-duesseldorf
Eine Ausnahmelyrikerin par excellence hätte am 07.06.2007 ihren 100. Geburtstag gefeiert… Herzlichen Glückwunsch, Mascha Kaleko !
Eine Frau mit einem bewegten Leben und einem Lebenswerk, das jede Ehrung mehr als verdient.
Stets stand sie für die Öffentlichkeit - zu unrecht- im Schatten ihrer großen Weggefährten Erich Kästner, Kurt Tucholsky oder Joachim Ringelnatz.
Mir persönlich sind ihre Gedichte ständige Wegbegleiter und sie ist mir näher gekommen, als andere Lyriker es je vermocht hätten. Daher möchte ich dieser Stelle und zu diesem besonderen Anlass Mascha Kaleko meinen geschätzen Bloglesern und dem Rest der Welt noch einmal in Erinnerung rufen, beziehungsweise sie vorstellen.
Mascha Kaléko, geboren als Golda Malka Aufen, am 07.06.1907 , in Chrzanów (Schidlow), Galizien (heute Polen) ist das unehelich geborene Kind des deutschstämmigen russischen Fischel Engel und seiner späteren jüdischen Ehefrau Rozalia Chaja Reisel Aufen.
Wegen den fortschreitenden Pogromen an den Juden, flieht sie mit ihren Eltern 1914 nach Marburg, später zieht die Familie dann nach Berlin, wo sie mit 16 eine Bürolehre beginnt, Abendkurse in Philosophie und Psychologie belegt. Zu dieser Zeit liest sie viel und schreibt auch ihre ersten Gedichte. Sie verkehrt im Romanischen Café und findet dort Anschluss an die literarische Boheme. So lernt sie u. a. Else Lasker-Schüler, Erich Kästner, Kurt Tucholsky und Joachim Ringelnatz kennen. 1929 erscheinen ihre ersten Gedichte, die im heiter-melancholischen Ton die Lebenswelt der kleinen Leute und die Atmosphäre im Berlin ihrer Zeit widerspiegeln; ihr genauer Blick auf das Leben der Großstadtmenschen, auf die Umstände, aber auch auf ihr Hoffen, Bangen und Denken – besonders auch auf die Arbeitsbedingungen junger Mädchen –, auf den alltäglichen Umgang mit der Moderne, und ihre poetische Umsetzung all dessen in lockere Reime und klare Worte treffen das Lebensgefühl ihrer Epoche.
Obwohl das erfolgreich verkaufte Stenogrammheft, im Januar erschienen, bereits im Mai den nationalsozialistischen Bücherverbrennungen zum Opfer fällt, gibt Rowohlt 1935 eine zweite Auflage heraus. Außerdem erscheint in dieser Zeit Das kleine Lesebuch für Große.
Mit ihm und dem gemeinsamen Sohn Evjatar (später Steven) emigriert sie 1938 in die USA.
Dort schreibt die Werbetexte und Kindergedichte.
Nach dem Krieg findet sie in Deutschland wieder ein Lesepublikum. 1960 will man ihr den Fontane-Preis verleihen; sie lehnt diesen jedoch wegen eines ehemaligen SS-Mitglieds in der Jury ab. Im selben Jahr wandert sie Ihrem Mann zuliebe mit ihm nach Israel aus. Dort leidet sie sehr unter der sprachlichen und kulturellen Isolation und lebt enttäuscht und einsam.
Völlig unerwartet stirbt ihr musikalisch hochbegabter Sohn 1968 in New York. Als auch ihr Mann 1973 stirbt, findet sie noch im letzten Lebensjahr wieder Kraft zu schreiben. Sie stirbt 1975 – nur 14 Monate nach ihrem Mann – in Zürich an Magenkrebs.
Ihre Werke: (Quelle Wikipedia)
- Das Lyrische Stenogrammheft. Verse vom Alltag (1933, Reprint 1956)
- Das kleine Lesebuch für Große. Gereimtes und Ungereimtes, Verse (1934)
- Verse für Zeitgenossen (1945)
- Emigranten-Monolog (1945)
- Der Papagei, die Mamagei und andere komische Tiere (1961)
- Verse in Dur und Moll (1967)
- Das himmelgraue Poesiealbum der M.K. (196
- Wie’s auf dem Mond zugeht (1971)
- Hat alles seine zwei Schattenseiten (1973)
postum:
- Feine Pflänzchen. Rosen, Tulpen, Nelken und nahrhaftere Gewächse (1976)
- Der Gott der kleinen Webfehler (1977)
- In meinen Träumen läutet es Sturm. Gedichte und Epigramme aus dem Nachlaß. (1977)
- Horoskop gefällig? (1979)
- Heute ist morgen schon gestern (1980)
- Tag und Nacht Notizen (1981)
- Ich bin von anno dazumal (1984)
- Der Stern, auf dem wir leben (1984)
- Mein Lied geht weiter (2007)
Ich kann an dieser Stelle nur nochmals nachhaltig dem an Lyrik interessierten (Blog-) Leser zur Lektüre dieser wundervollen Worte raten…