SALOMES BÜCHER

Leben und Lesen gegen den Strom

Weblog-Archiv für 13. Februar 2008

Gedanken zu Székelys „Verlockung“

Verfasst von Esther am Februar 13

Zunächst einmal: Bis dato (habe gerade Halbzeit im Buch) kann ich sagen, dieses Buch ist herrausragend! Eine stilistisch einfach gehaltene Geschichte, aber mit berauschender Gedankenfülle und einmalig plastischen Bildern. Protagonist Bélas fatale Lebensumstände, die verheerende Armut, mahnen mich auf strengste an. So hadere ich denn schon seit Tagen (sicher nicht zum ersten Mal, aber sehr intensiv) mit dem Leben, das wir alle führen. Hadere mit dem Überfluss, dem Konsum, ja, der Dekadenz und vor allem mit der Selbstverständlichkeit des Reichtums in unserer Zeit, in unseren Gefilden. Mein Sohn schmeisst mit gelassener Selbstverständlichkeit den angebissenen Apfel in den Mülleimer, ich selbst leiste mir irgendwelche Unsinnigkeiten, die weder wärmen noch satt machen (und jammere oft noch, dass ich nicht noch dieses oder jenes kaufen kann). Im Radio und Fernsehen dudelt die Werbung ihr unbarmherziges Mantra: „Kauf! Kauf! Kauf!“.
Dann werden die Gedanken von meinem kleinen, meinem unbedeutenden, Leben angefangen, immer globaler. Ich betrachte die Müllberge, pestizitbenässte Gemüsefelder, gentechnische Mutationen, sehe die Berge an Fleisch, die wir verzehren. Fleisch zu dem wir keinen Bezug haben, das abstrakt und abgepackt im Supermarkt unserer Wahl auf uns wartet, ohne das wir uns die Finger schmutzig machen müssen. Die Ordnung der Natur gerät aus den Fugen, die Menschen verbreiten sich wie ein Geschwür auf dem Planeten.
(durchatmen)
Und dann gehen meine Gedanken zurück zu Béla, der halb ohnmächtig vor Hunger 12 Stunden arbeitet und acht Stunden zu Fuß für den Weg von und zur Arbeit täglich braucht. Der einen Freudentanz vollführt, als er endlich ein paar Schuhe an den Füßen hat. Und dann schäme ich mich.

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