John Banville - Die See
Verfasst von Esther am Januar 31
Sehr erfreut und terrorisiert soll der Leser nach Wünschen von Autor John Banville nach der Lektüre seines Romans sein. Kann man Banville denn nun seinen Herzenswunsch erfüllen?
Max Morden, ein Kunsthistoriker, der halbherzig an einer Monographie über den Maler Bonnard arbeitet, hat das Schicksal hart getroffen. Seine Frau Anna ist unheilbar an Krebs erkrankt. Max begleitet sie lange durch den Prozess des Sterbens. Nach ihrem Tod, zieht sich der haltlos Trauernde an einen Ort seiner Kindheit zurück, der für ihn in der Vergangenheit eine feste Grösse war. An den Ort am Meer, an dem er als Kind mit seinen Eltern die Sommer verbrachte. Auf der Suche nach der Sicherheit der Vergangenheit und deren Trost entdeckt er unter anderem das ärmliche Chalet wieder, in dem sie wohnten, und die Pension, in der die etwas betuchtere Familie Grace ihre Ferien verbrachte. Die Familie, die in seiner Kindheit eine grosse Rolle spielte, hatte Max sich doch als Junge erst Hals über Kopf in Mutter Grace verschossen und war später der Tochter Chloe verfallen. Überhaupt stellt für den kleinen Max die Familie Grace eine Idealvorstellung dar. Seiner eigenen Herkunft un seinen Eltern schämt er.
Aber nicht nur die Orte seiner Vergangenheit entdeckt der inzwischen gealterte Max wieder. Eine Flut von schönen, aber auch von vielen verdrängten und unangenehmen Erinnerungen taucht wieder auf.
John Banville wird oft die Kälte seiner Prosa vorgeworfen. Ein unglaublicher Vorwurf, den ich in keinem Fall bestätigen kann. Selten habe ich ein ehrlicheres und emotionaleres Buch gelesen. Max ist ein Mensch mit allen Schwächen, Ecken und Kanten, die ein Mensch nunmal so hat. Er ist kein Sympathieträger, kein Held. Und gerade dadurch schafft es Banville mit dieser Figur den Leser zu erreichen.
Zugegeben der Anfang des Romans ist schwierig. Banville spinnt verschiedene Handlungsstränge und verschiedene Zeitebenen erst nach und nach zu einem ganzen zusammen. Es lohnt sich aber etwas Geduld und Gehirnschmalz in die Geschichte zu investieren, denn man wird mit einem wundervollen Lesegenuss belohnt. Und ja, die Ehrlichkeit und Tiefe in diesem Roman geht bis zur Schmerzgrenze, kann einen also durchaus terrorisieren. Das ich darüber hinaus mehr als erfreut war dieses Buch gelesen zu haben kann man wohl durchhören. Klassenziel also erreicht, Herr Banville.
Die See ist ein stilles Buch, ein Buch, dass einen auch nach einiger Zeit noch beschäftigt und bewegt. Ein absolut rundes und stimmiges Werk und sprachlich herrausragend. Einen Ehrenplatz in meinem Regal ist ihm sicher.
Meine Bewertung daher :
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Originaltitel: The Sea ISBN: 346203717X Übersetzt von Christa Schuenke Kiepenheuer & Witsch GmbH August 2006 - gebunden - 224 Seiten
Veröffentlicht in Belletristik allgemein, Rezensionen | Getaggt: Irland, Man Booker Prize, Banville | 2 Kommentare »

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Heute wäre Simone de Beauvoir 100 Jahre alt geworden. Am 9. Januar 1908 erblickte die Schriftstellerin, Philosophin und Feministin in Paris das Licht der Welt. Eine tolle Frau, die unter anderem Zeit ihres Lebens für die Rechte der Frauen gekämpft hat. 1986 ist Simone de Beauvoir verstorben. Eine Frau, ohne deren Leben und Wirken in der Welt sicherlich etwas fehlen würde. Ein interessantes Portrait findet man im Netz zum Beispiel
Nach meiner jährlichen Dosis Heile Welt, ich habe mir mal wieder die alten Sissi-Filme von Ernst Marischka reingezogen, musste ich dieses Mal einfach wissen, was denn nun wirklich an Wahrheit in den zuckersüßen Monarchenstreifen steckt. Ich suchte also nach einem Buch mit Infos zu Elisabeth und ihrer Geschichte. Ein trockenes Sachbuch sollte es allerdings such nicht sein. Entschieden habe ich mich also letztendlich für diesen biographischen Roman. Nicole Avril stützt sich weitgehend auf Biographien von Corti und Hamann hat aber alles flüssig zu lesen in eine Romanform gebracht. Die tragische und düstere Geschichte der Kaiserin bietet sich ja auch sehr gut für einen Roman an. Die Autorin sagt in ihrem Vorwort, dass sie sich bemüht hat objektiv zu bleiben und dem Zauber von Sissi nicht zu erliegen, auch wenn es ihr oft schwer gefallen ist. Sie wollte der historischen Gestalt der Elisabeth gerecht werden, aber nicht nur die Kaiserin und Königin vorstellen, sondern auch den Mensch, die Dichterin und die Reformerin. Das war mir gleich sympathisch.

