SALOMES BÜCHER

Leben und Lesen gegen den Strom

John La Galite – Zacharias

Verfasst von Esther am Dezember 13

Zacharias ist John La Galites einziger in Deutschland veröffentlichter Roman. Warum eigentlich ?…

Das fragt sich meine Wenigkeit seit ich das Buch gestern in einer Nachtschicht zu Ende gelesen habe. In Frankreich wurde doch “Zacharias” mit dem Grand Prix RTL/Lire ausgezeichnet und der Autor hat doch noch einige andere Bücher geschrieben. Ist er also nicht in die deutsche Literaturlandschaft einpflanzbar?
Ich habe das Buch als Remittende erworben, einfach auf gut Glück. Das Genre Thriller/Krimi sagt mir eigentlich wenig zu, allerdings ließ mich dieses Mal der ansprechende Klappentext eine Ausnahme machen und zu einem Werk aus diesem Genre greifen.

Die paranoide Welt der Vorstadt gespiegelt in den Augen eines sensiblen und intelligenten Jungen. Auf Augenhöhe mit Zacharias gerät die Jagd nach dem Mörder zu einem verstörenden und literarisch hochklassigen Vexierbild voller Abgründe und Unwägbarkeiten. Gnadenlos und mit einer ihm ganz eigenen Logik ermittelt Zacharias, dringt in das Leben seiner Nachbarn ein und kommt schließlich dem Mörder bedenklich nahe. Aber vielleicht weiß er längst mehr, als er dem Leser erzählt…

Das klingt doch schon mal toll und – was soll ich sagen? – das Buch ist sogar noch um einige Längen besser als es klingt. Es ist fantastisch! John La Galite hat mehr als einen Krimi geschrieben, Zacharias ist ein gefühlvolles, kunstvoll geschriebenes Psychogramm des kränklichen Jungen Zacharias und vor allem auch eines der Gesellschaft in der der Junge lebt. Diese Kulissen für die Kriminalgeschichte standen für mich fast im Vordergrund, denn sie sind so farbenfroh und lebensnah beschrieben, dass sie für sich schon brillieren. Hier alleine wurde ein hoher literarischer Standard erreicht – und wir reden noch nicht von der Geschichte an sich. Diese wurde, aus der Sicht von Zacharias geschrieben, ebenfalls gekonnt in einfachen Sätzen, sehr kindlich und authentisch verfasst. Ein spannender Plot, der bis zum Ende zu fesseln vermag. Eine Geschichte, die ungewöhnlich geschrieben ist und in der die Handlung oft springt, vieles offen lässt, aber zum Schluss die vielen Fäden doch zu einem grandiosen Finale zusammenfügt.

Viel mehr kann man über dieses Buch kaum verraten, ohne dem Leser die Spannung zu rauben, aber ich kann es von Herzen Freunden von ungewöhnlicher Literatur empfehlen. Für mich ein Lesehighlight 2007 ! Also liebe Verlage, warum eigentlich gibt es keine weiteren Veröffentlichungen in Deutschland? So mies ist der Büchergeschmack der Deutschen doch gar nicht….

Meine Bewertung :

++

Originaltitel: Zacharie
 Übersetzung von Cornelia Hasting
 Erscheinungsjahr: 2005
 ISBN: 3203795043
 Europa Verlag

3 Antworten zu “John La Galite – Zacharias”

  1. krimileser sagte

    In der Tat ist es interessant, was man bei den Remittenten an interessanten Büchern finden kann. Ich glaube mittlerweile, dass die Ursache hierfür die “beschränkte” Wahrnehmung der Rezensenten ist. Die (bei circa 700 neuen Krimis pro Jahr, auch kein Wunder) auf das achten, was sie kennen.

    Deon Meyer ist so ein Beispiel, sein erstes Buch hat niemand besprochen und niemand gekauft, erst nachdem sein zweites Buch die Runde machte, wurde das erste von den Restetischen ‘runtergekauft.

    Deshalb sind rezensierende Blogs auch ein Gewinn für neugierige Leser.

    Beste Grüße

    krimileser

    PS “Mehr als Krimi” glaube ich allerdings nicht. Die besten Krimis sind immer noch … Krimis. Das Genre hat so viele Möglichkeiten, das füllt kein Buch aus.

  2. Esther sagte

    “Mehr als Krimi” glaube ich allerdings nicht. Die besten Krimis sind immer noch … Krimis. Das Genre hat so viele Möglichkeiten, das füllt kein Buch aus.

    Ich beziehe mich wahrscheinlich am ehesten auf meine eigenen Vorurteile gegenüber Krimis. Oft scheinen sich Romane des Genres so sehr zu gleichen. Es fällt mir schwer die Rosinen aus dem Krimi-Kuchen zu picken. Um so mehr habe ich mich allerdings über “Zacharias” gefreut.

  3. tinius sagte

    Ich bevorzuge eigentlich auch eher “Krimis” die eben mehr sind als eben Krimis. Die ganzen Reihen – Veröffentlichungen selbst anerkannter Autoren werden schnell langweilig, weil deren Mechanismen vorhersehbar werden. Ist mir selbst beim Klassiker Malet passiert. Für mich sind reine Krimis “Fastfood”, das ich ab und an mal zwischendurch genießen kann, aber nur in geringen Dosen. Klar sind Krimis spannend, manchmal sogar kann man – wie bei Cornwell – auch Eindrücke der Persönlichkeit des Autors und gewisser politischer / gesellschaftlicher Strömungen gewinnen, aber letztlich seh ich das im TV lieber, als mich zwei oder mehr Tage im lesenden Leerlauf zu befinden. Und meine letzten – auch rezensierten – Erfahrungen waren eher ernüchternd ( Hayder : Vogelmann, Dunning : Das Geheimnis des Buchhändlers). LG tinius

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