Irène Némirovsky, 1942, im Alter von 39 Jahren in Auschwitz ermordet, ist eine der literarischen Wiederentdeckungen der letzten Jahre. Ihr autobiographisch gefärbter Roman „Die Hunde und die Wölfe“ ist nun 2007 beim Knaus-Verlag erschienen.
Ada Sinner und ihr Cousin Ben, zwei Kinder in Kiew, werden zusammen in ärmlichen Verhältnissen und in der Welt des osteuropäischen Judentums, groß. Schon sehr früh verliebt sich Ada in den reichen und dadurch unerreichbaren und Harry Sinner, einen entfernten Verwandten, der wie aus einer anderen Welt erscheint. Nach einer schlimmen Pogromnacht, die Ada und Ben knapp überleben, flüchten beide verzweifelt zu den reichen Verwandten. Adas Liebe zu Harry entfacht sich dort neu, während Harry ihr gegenüber eher ablehnend ist. Als die Pogrome in Kiew immer schlimmer werden, zieht Adas Familie nach Paris. Auch Harrys Familie flüchtet dort hin. Hier treffen die beiden in den 20er Jahren wieder aufeinander. Die beiden finden zwar zueinander, doch wird es für das ungleiche Paar glücklich ausgehen?
Obwohl sich Ben und Harry äußerlich sehr ähneln, Brüder sein könnten, sind sie so unterschiedlich wie es nur sein kann. Ben, der durch das Leben hart gewordene Opportunist, der sein spartanisches, eigenwilliges Leben lebt; und Harry, der verwöhnte, bemutterte und reiche Spross einer angesehenen Familie. Eben wie auch Hund und Wolf sich ähnlich, aber dennoch in verschiedenen Welten leben. Beide verbindet die innige Liebe zu Ada, aber Dreiecksbeziehungen haben ja bekanntlich nicht die besten Vorzeichen. Glücklich ist keiner der drei Protagonisten in Némirovskys Roman. Ihre Herkunft, widrige Zeiten, Klassenunterschiede und Schicksalsschläge stehen allen dreien im Weg.
Irène vermittelt in „Die Hunde und die Wölfe“ sehr anschauliche und authentische Einblicke in das jüdische Leben am Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie beschreibt in poetischer und zugleich bodenständiger Weise und lässt den Leser in ihren leichten, melancholischen Beschreibungen schwelgen, entführt ihn in eine Welt, deren Widrigkeiten wir heute nur noch erahnen können. Schade nur, dass keiner der Protagonisten es schafft diesen Widrigkeiten zu trotzen. Das hätte dem Roman in meinen Augen sehr gut getan. So lernen wir als Leser dieses Buch, dass man gewisse Kröten im Leben einfach schlucken muss, oft machtlos ist, aber dennoch nach vorne blicken und sich mit seinem Leben aussöhnen muss.
Meine Bewertung:
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ISBN: 381350283X Übersetzt von Eva Moldenhauer Knaus Albrecht August 2007 - gebunden - 256 Seiten Originaltitel: Les chiens et les loups.

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