SALOMES BÜCHER

Leben und Lesen gegen den Strom

Weblog-Archiv für 23. Oktober 2007

Khaled Hosseini – Tausend Strahlende Sonnen

Verfasst von Esther am Oktober 23

Tausend strahlende Sonnen ist das zweite Buch das der gebürtige Afghane Khaled Hosseini in Deutschland veröffentlicht hat. Diesmal erzählt er die Geschichte zweier Frauen aus verschiedenen Generationen, aber mit demselben Schicksal.

Dieses Schicksal nämlich ist es als Frau in einem Land geboren worden zu sein, dass durch seine patriarchalen Strukturen, seine radikale Religiosität und durch seine von Krieg geprägte Härte, besonders Frauen kaum eine Chance auf ein menschenwürdiges Leben lässt. Ein Leben und Sterben in solchen Lebensumständen will der Autor Hosseini dem Leser also näher bringen.
Er beginnt mit Mariam, einem harami, also einem Bastard und dazu noch einem weiblichen. Die Mutter lebt mit ihrer Tochter in einer armseligen Hütte weit außerhalb eines Dorfes in der Nähe von Herat. Im Laufe ihres Lebens in Armut und Ausgrenzung muss das Mädchen sich immer mehr von Illusionen und Hoffnungen verabschieden. Diese Realität beginnt für das Mädchen, als sie der über alles geliebte Vater, nach dem Tod der Mutter, schnell loswerden will und in eine Ehe mit einem weit älteren Mann drängt. Der nimmt sie mit nach Kabul. Es beginnt ein wahrer Leidensweg für Mariam, Prügel und Demütigung sind an der Tagesordnung.

Die Tochter einer Nachbarin, Leila, wird zu dieser Zeit gerade erst geboren. Nach nur 14 Jahren jedoch, werden beide Ehefrauen des Tyrannen und Leidensgenossinnen sein. Die Beziehung beginnt als Feindschaft, Leila ist jünger und steht in Raschids Gunst, besonders da Leila noch den von dem Ehemann Raschid ersehnten Sohn zu erwarten scheint.

Hosseini versteht es den Leser zu fesseln und ist ein ausgesprochen guter Erzähler. Er kann das Leben in Afghanistan und die Charaktere lebensecht und zum Greifen nah beschreiben. Im ersten und zweiten Drittel des Buches war ich völlig absorbiert in diese Welt und mochte das Buch kaum aus der Hand legen. Das Schicksal dieser beiden Frauen hat mich bis in den Schlaf verfolgt und ich war so ohnmächtig wütend bis zur Schmerzgrenze. Ich habe mir tausend Szenarien überlegt diesen Mann endlich loszuwerden. Es brodelte der Hass auf Männer und auf islamische um so mehr. Aye! Here`s the rub.
Von da an kamen mir durch diese politisch unkorrekten Gefühle im letzten Drittel des öfteren doch Bedenken. Wird hier nicht zu sehr schwarz und weiß gezeichnet und Klischees gewinnbringend an den mitleidenden Leser gebracht? Natürlich die bösen Männer (gibt es im moslemischen Raum überhaupt gute Männer?), die duldsamen totalverschleierten Frauen, die sich quasi von ihrem Ehemann foltern lassen, die unschuldig in höchste Not geratenden Kinder? Liebende getrennt durch Intrigen und Krieg? Werbung für den ach so freiheitlichen Westen?

Die Anwort ist zugegebener Massen : Ja! In diesem Buch lässt sich all dies schon entdecken oder aufdecken. Ich denke allerdings, wenn man die Fähigkeit besitzt Dinge zu reflektieren und zu relativieren kann man trotzdem das Buch genussvoll lesen, eben nur als gut geschriebenen Roman. Allerdings sollte man ihn nicht zur politischen Meinungsbildung einsetzen, um dann eine Meinung in Schwarz- Weiss zu erlangen.

Wegen dieser Gefahr kriegt das Buch von mir „nur“

Diese Bewertung:

ISBN: 3827006716
Übersetzt von Michael Windgassen
Bloomsbury Berlin
September 2007 - gebunden - 381 Seiten Originaltitel: A thousand splendid suns.

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