Haworth: ein Dorf in der nordostenglischen Grafschaft Yorkshire. Hier lässt sich 1820 der Pfarrer Patrick Brontë mit seiner Familie nieder. Damals ahnt noch niemand, dass es einmal zur beliebtesten Pilgerstätte für Literatur-Fans in England nach Stratford-upon-Avon werden würde. Heute arbeitet hier Ann Dinsdale, die Autorin dieses Buchs, als Bibliothekarin des Brontë-Museums. Sie stellt darin die Familienmitglieder einzeln vor, macht uns mit den Zeichnungen und Gemälden der Geschwister vertraut und widmet sich ihren Gedichten und Romanen samt deren Aufnahme bei der zeitgenössischen Kritik. Des Weiteren – und hier erfährt der Leser besonders viel Neues – wird Haworth ausführlich dargestellt, wo die Schwestern ihre großartigen, leidenschaftlichen Romane ersannen: die harten Lebensbedingungen seiner Einwohner, die ihr karges Brot mit Zulieferarbeiten für die Wollindustrie verdienten und in derart miserablen hygienischen Verhältnissen lebten, dass ihre Lebenserwartung um 1850 bei nur 25,8 Jahren lag. Schließlich geht es um die Brontë-Biografien, die Geschichte des Brontë-Museums sowie die Verfilmungen der Romane. Simon Warner hat Haworth so mit seiner Kamera eingefangen, dass wir uns in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückversetzt fühlen.
Über die Autorin
Ann Dinsdale lebt in Haworth in West-Yorkshire und arbeitet als Bibliothekarin am dortigen Brontë Parsonage Museum, der weltgrößten Sammlung von Gegenständen aus dem Besitz der Brontës.
Simon Warner, geb. 1951 in Oxfordshire, hat sich als Fotograf der Landschaften Großbritanniens einen Namen gemacht. Er lebt in der Nähe von Haworth.
Da Weihnachten ja nun schon wieder in jedem Geschäft und in aller Munde (lecker Lebkuchen etc.) ist, kam ich nicht umhin mir ein paar Gedanken zum Thema Geschenke zu machen. Im Netz habe ich ein paar witzige Dinge für Büchermenschen gefunden, die ich klasse finde. Hier möchte ich paar der netten Geschenktipps vorstellen.
Im Shop von Aphorismen.de gab es beispielsweise dies (was ich mit freundlicher Genehmigung von Aphorismen.de vorstellen kann) :
Das einzig wahre Sparbuch für Bibliomanen! Sogar mit ISBN!
La Mort dans le Paysage, nouvelle, Aencrages et Co 2002 avec une composition originale de Nicolas Matula
Mirhaela, nouvelle, Aencrages et Co 2002 avec des photographies de Richard Bato
Les Âmes grises, Stock, Paris, 2003, Prix Renaudot 2003, Verfilmung 2005 (deutsch: Die grauen Seelen)
Trois petites histoires de jouets, Virgile, « Suite de sites », Besançon, 2004
Trois nuits au Palais Farnèse, récit, (éd. Nicolas Chaudun, 2005)
Fictions intimes, récit, (Ffiligranes, 2005)
Ombellifères, récit, Circa 1924, 2005)
La petite fille de Monsieur Linh, Stock, Paris, 2005 (Deutsch: Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung, Kindler 2006)
Le monde sans les enfants : et autres histoires, Stock, Paris, 2006 ( Deutsch: Der Junge, der in den Büchern verschwand und andere Geschichten, Kindler 200
La Bassine , récit, (La Vie 2007)
Le rapport de Brodeck, Stock, Paris, 2007
An dieser Stelle: Danke an Tom für die Recherche im französischen Netz!!!
Tausend strahlende Sonnen ist das zweite Buch das der gebürtige Afghane Khaled Hosseini in Deutschland veröffentlicht hat. Diesmal erzählt er die Geschichte zweier Frauen aus verschiedenen Generationen, aber mit demselben Schicksal.
Dieses Schicksal nämlich ist es als Frau in einem Land geboren worden zu sein, dass durch seine patriarchalen Strukturen, seine radikale Religiosität und durch seine von Krieg geprägte Härte, besonders Frauen kaum eine Chance auf ein menschenwürdiges Leben lässt. Ein Leben und Sterben in solchen Lebensumständen will der Autor Hosseini dem Leser also näher bringen.
Er beginnt mit Mariam, einem harami, also einem Bastard und dazu noch einem weiblichen. Die Mutter lebt mit ihrer Tochter in einer armseligen Hütte weit außerhalb eines Dorfes in der Nähe von Herat. Im Laufe ihres Lebens in Armut und Ausgrenzung muss das Mädchen sich immer mehr von Illusionen und Hoffnungen verabschieden. Diese Realität beginnt für das Mädchen, als sie der über alles geliebte Vater, nach dem Tod der Mutter, schnell loswerden will und in eine Ehe mit einem weit älteren Mann drängt. Der nimmt sie mit nach Kabul. Es beginnt ein wahrer Leidensweg für Mariam, Prügel und Demütigung sind an der Tagesordnung.
Die Tochter einer Nachbarin, Leila, wird zu dieser Zeit gerade erst geboren. Nach nur 14 Jahren jedoch, werden beide Ehefrauen des Tyrannen und Leidensgenossinnen sein. Die Beziehung beginnt als Feindschaft, Leila ist jünger und steht in Raschids Gunst, besonders da Leila noch den von dem Ehemann Raschid ersehnten Sohn zu erwarten scheint.
Hosseini versteht es den Leser zu fesseln und ist ein ausgesprochen guter Erzähler. Er kann das Leben in Afghanistan und die Charaktere lebensecht und zum Greifen nah beschreiben. Im ersten und zweiten Drittel des Buches war ich völlig absorbiert in diese Welt und mochte das Buch kaum aus der Hand legen. Das Schicksal dieser beiden Frauen hat mich bis in den Schlaf verfolgt und ich war so ohnmächtig wütend bis zur Schmerzgrenze. Ich habe mir tausend Szenarien überlegt diesen Mann endlich loszuwerden. Es brodelte der Hass auf Männer und auf islamische um so mehr. Aye! Here`s the rub.
Von da an kamen mir durch diese politisch unkorrekten Gefühle im letzten Drittel des öfteren doch Bedenken. Wird hier nicht zu sehr schwarz und weiß gezeichnet und Klischees gewinnbringend an den mitleidenden Leser gebracht? Natürlich die bösen Männer (gibt es im moslemischen Raum überhaupt gute Männer?), die duldsamen totalverschleierten Frauen, die sich quasi von ihrem Ehemann foltern lassen, die unschuldig in höchste Not geratenden Kinder? Liebende getrennt durch Intrigen und Krieg? Werbung für den ach so freiheitlichen Westen?
Die Anwort ist zugegebener Massen : Ja! In diesem Buch lässt sich all dies schon entdecken oder aufdecken. Ich denke allerdings, wenn man die Fähigkeit besitzt Dinge zu reflektieren und zu relativieren kann man trotzdem das Buch genussvoll lesen, eben nur als gut geschriebenen Roman. Allerdings sollte man ihn nicht zur politischen Meinungsbildung einsetzen, um dann eine Meinung in Schwarz- Weiss zu erlangen.
Wegen dieser Gefahr kriegt das Buch von mir “nur”
Diese Bewertung:
ISBN: 3827006716
Übersetzt von Michael Windgassen
Bloomsbury Berlin
September 2007 - gebunden - 381 Seiten Originaltitel: A thousand splendid suns.
Empfangen und genähret
Vom Weibe wunderbar,
Kömmt er und sieht und höret
Und nimmt des Trugs nicht wahr;
Gelüstet und begehret
Und bringt sein Tränlein dar;
Verachtet und verehret,
Hat Freude und Gefahr;
Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,
Hält nichts und alles wahr;
Erbauet und zerstöret
Und quält sich immerdar;
Schläft wachet, wächst und zehret;
Trägt braun und graues Haar.
Und alles dieses währet,
Wenns hoch kommt achtzig Jahr.
Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder,
Und er kömmt nimmer wieder
In “Warum ich meine demente Mutter Belüge” verarbeitet der niederländische Essayist Cyrille Offermanns, schonungslos und berührend, seine Erfahrungen mit seiner demenzkranken Mutter.
Em Offermanns ist Mutter von sechs erwachsenen Kindern, eine liebenswerte Seele, die ihr ganzes Leben lang dem Wohlergehen ihrer Lieben gewidmet hat und ihre Wünsche beiseite schob, Ruhepol und Zentrum ihrer Familie - und Em ist demenzkrank.
Bis zu dieser Erkenntnis allein ist es jedoch ein langer Weg. Ein Weg der die Kinder der alten Dame durch Verdrängung, Ängste, Verzweiflung, Wut und Trauer führt.
Zunächst gelingt es Offermanns Mutter noch den schleichenden Prozess des Vergessens geheim zu halten. Als dies nicht mehr klappt und sie immer häufiger durch Gedächtnislücken, zusammenhangloses Reden und Konzentrationsunfähigkeit auffällt, wird dies zunächst von den Kindern als normale altersbedingte Senilität abgetan. Dann die Diagnose: Demenz.
Cyrille Offermanns schildert eingehend den Alltag mit seiner Mutter, die Höhen und Tiefen des Zusammenlebens mit seiner kranken Mutter, deren Prozess der Entfremdung vom ihrem Leben, den Kampf gegen die Krankheit, die immer schwerer werdende Pflege und schließlich ihre Einweisung in ein Pflegeheim.
In jeder Zeile liest man die große Liebe Offermanns zu seiner Mutter heraus, seine Emotionen und seine Eindrücke schildert er mit beeindruckender Ehrlichkeit, ohne Schnörkel. Schlicht und einfach das Leben und der natürliche Gang der Dinge ist aus seinem Buch herauszulesen. Es berührt, wie nur die Realität berühren kann. Es ist ein Buch, dass Klarheit schafft und Wege für den würdevollen Umgang mit Demenzkranken aufzeigt.
Meine Bewertung:
Cyrille Offermans
WARUM ICH MEINE DEMENTE MUTTER BELÜGE
Aus dem Niederländischen von Walter Kumpmann
im Verlag Antje Kunstmann
Original: "Waarom ik moet liegen tegen mijn demente moeder", Cossee, Amsterdam 2006
128 Seiten, gebunden
€ 14,90 (D)
Sommer unter Fremden ist das erste Buch des Japaners Taichi Yamada, einem der bedeutendsten Schriftsteller der japanischen Gegenwartsliteratur, das in Deutschland veröffentlicht wurde.
Der Drehbuchautor Harada befindet sich an einen Scheideweg seines Lebens, alles in seinem Leben hat sich verändert. Nach der ersehnten Scheidung von seiner Frau, die ihn quasi finanziell ruiniert hat, fühlt er sich zunächst befreit. Er zieht alleine in sein ehemaliges Büro in einem Bürokomplex in Tokio, direkt an einer lärmenden Verkehrsader, und vergräbt sich in seiner Arbeit. Abends erscheint ihm die Stille und die Einsamkeit des Hauses jedoch langsam immer bedrückender. Die einzige Mitbewohnerin, wohnt im dritten Stock des Gebäudes. Doch trotz der beängstigenden Stille und seinen Ängsten möchte er lieber alleine sein. Als die Nachbarin eines Tages mit einer Flasche Sekt angetrunken vor seiner Tür steht, wimmelt er sie ab. Dann besucht ihn auch noch Mamiya, sein Kollege, um ihm mitzuteilen, dass er die Zusammenarbeit ihm ihm kündigt, weil er ein Verhältnis mit seiner Ex-Frau hat. Frustriert streift er durch die Strassen Tokios und landet in dem Viertel in dem er aufgewachsen ist. Bei einem Besuch in einem Theater sieht er in den Reihen gegenüber seinen toten Vater, obwohl der 47 jährige Mann seine Eltern mit 12 Jahren durch einen Unfall verloren hat. Sein Vater lädt ihn nach Hause ein. Zwar traut Harada seinen angegriffenen Sinnen nicht mehr, aber die Freude darüber seine totgeglaubten Eltern wieder zu sehen ist übermächtig. Nach jedem Besuch bei seinem Eltern sagen ihm jedoch stets Freunde und Bekannte, er wäre so blass, dünn und stark gealtert, obwohl er sich selbst normal fühlt und sich auch so im Spiegel sieht. Die Grenze zwischen Traum und Realität verwischt sich immer mehr. Aber was geschieht wirklich bei den geheimnisvollen Besuchen und was geschieht mit ihm selbst?
Nach Yamadas Sommer mit Fremden hätte sich Alfred Hitchcock alle Finger geleckt. Man merkt das Yamada selbst preisgekrönter Drehbuchautor ist, denn er versteht es meisterhaft bildhaft seine brillant düstere Atmosphäre zu zeichnen, so dass man die Geschichte quasi schon wie in einem hitchcockesken Gruselschocker vor sich sieht. Die Spannung hält den Leser bis zur letzten Minute gefangen in dieser Zwischenwelt, zwischen Traum, Wahn und Realität, bis zum fulminanten Ende, dass die Geschichte perfekt abrundet. An diesem perfekt inszenierten Roman wird sowohl der Freund von klassischen Schauerromanen, wie auch der Liebhaber moderner Gegenwartsliteratur seine Freude haben. Noch zwei weitere Romane von Yamada sollen in nächster Zeit veröffentlicht werden. Ich freu mich schon sehr darauf! Mein absoluter Geheim-Lesetipp!
Meine Bewertung:
Taichi Yamada
Sommer mit Fremden
Roman Goldmann
Originaltitel: "Ijintachi to no Natsu"
Übersetzt von Kimiko Nakayama-Ziegler, Ursula Gräfe
Gebundenes Buch, 192 Seiten,
ISBN-13: 978-3-442-31092-0
Erscheinungstermin: März 2007
Die Harmlosigkeit des Titels ist ein böser kleiner Trick: Nichts ist harmlos und nett an diesen durch ein Tiermotiv locker miteinander verknüpften Erzählungen dieses jungen, furios begabten belgischen Autors.
Eine tote Giraffe im Pariser Vorgarten eines Mannes, der gerade von seiner Freundin zum x-ten Mal verlassen wurde, weil er einfach nichts auf die Reihe kriegt. - Ein Koalabär, der vor der winterlichen Kälte auf dem Schrank eines Hotelzimmers in Australien Zuflucht sucht und den Hotelgast fast um den Verstand bringt.- Ein Skorpion im Bad eines indischen Hotels, vor dem ein Mann schreiend flüchtet, was den schleichenden Widerwillen seiner Partnerin gegen ihn schließlich zu einem eruptiven Ausbruch bringt.- Mit beißendem Zynismus spießt Gunzig die Verrohung, die Schwächen und Kleinheiten der Menschen auf und variiert sie in absurden, abgründigen, oft brutalen und zugleich aberwitzig komischen Geschichten. Meine Meinung:
Ich schliesse mich der Klappe mal ausnahmsweise vorbehaltlos an.
Ein absolut irres Buch! Schwarzer Humor vom Besten! Ein Buch, dass mir richtig gute Laune zaubern konnte. Allerdings sollten sanfte Gemüter vom Lesen dieser teils sehr fiesen Geschichten Abstand nehmen, es geht schon ziemlich ans Eingemachte. Sehr abgegreht, einzigartig Gunzig, toll, LESEN!
Meine Bewertung:
Von Herzen
Gunzig, Thomas
original: Le Plus petit zoo du monde
Erzählungen, dtv premium
Aus dem Französischen von Ina Kronenberger
140 Seiten
ISBN 978-3-423-24531-9 Euro 14,50
…. dass Julia Franck die diesjährige Gewinnerin des Deutschen Buchpreises ist. Die 37-jährige Autorin erhielt die Auszeichnung für ihren Roman Die Mittagsfrau.
Julia Franck wurde 1970 in Berlin geboren. Sie studierte Altamerikanistik, Philosophie und Germanistik an der FU Berlin. Unter anderem erhielt sie den Marie-Luise-Kaschnitz-Preis 2004 und die Roswitha-Medaille der Stadt Gandersheim 2005. Sie verbrachte das Jahr 2005 in der Villa Massimo in Rom. Zuletzt erschienen von ihr Liebediener (1999), Bauchlandung. Geschichten zum Anfassen (2000) und Lagerfeuer (2003).
Inhalt des Buches laut Klappentext:
»Alles ist möglich, Engel, die Welt steht uns offen.«
In der Lausitz verlebt Helene eine idyllische Kindheit, die mit Ausbruch des ersten Weltkriegs jäh endet. Der Vater wird nach Osten geschickt und kehrt nur zum Sterben nach Hause zurück, die jüdische Mutter zieht sich zunehmend vor den Anfeindungen ihrer Umgebung in die Verwirrung zurück. Blind am Herzen nennt Helene das und fürchtet die zunehmende Kälte der Mutter, die ihre Töchter kaum mehr wahrzunehmen scheint.
Helene möchte Medizin studieren, ein ungewöhnlicher Traum für eine Frau zu Beginn des Jahrhunderts. Nach dem Tod des Vaters zieht sie Anfang der zwanziger Jahre mit ihrer Schwester Martha nach Berlin, und während Martha ihrer Freundin Leontine wieder begegnet, lernt Helene Carl kennen. Als der kurz vor der Verlobung stirbt, verliert sie den Sinn für das Dasein. Sie flieht in die Arbeit und will das Leben überleben.
Auf einem Fest stellt sich ein gewisser Wilhelm vor, er ist begeisterter Ingenieur, der Reichsautobahnen bauen und Helene heiraten möchte. Die schnell scheiternde Ehe mit ihm führt Helene nach Stettin, wo ihr Sohn zur Welt kommt. Die Liebe, die der kleine Junge fordert, die Nähe, die er sucht, werden ihr zunehmend unerträglich, und bald schon geht ihr der Gedanke vom Verschwinden nicht mehr aus dem Kopf. Schließlich trifft sie eine ungeheuerliche Entscheidung.
Zwei Weltkriege, Hoffnungen, Einsamkeit und Liebe - und die Erkenntnis, dass alles verloren gehen kann. Julia Franck erzählt ein Leben, das in die Mühlen einer furchtbaren Zeit gerät. Ein ungewöhnlicher Familienroman, ein eindringliches Zeitepos und die Geschichte einer faszinierenden Frau.
Philippe Claudel - Flore
Sabine Klaus - Sturmherz
Natascha - Seelenficker
Jonathan Tropper - Mein fast perfektes Leben
Pitigrilli - Kokain
Oskar Lafontaine - Das Herz schlägt links
»Meine Mutter glaubte, es sei Krieg, nicht im übertragenen, sondern im blutig-ernsten Sinn des Wortes. Man habe sie gefangengenommen, und sie werde nun ›vom Feind‹ bewacht. Es war ihr ein Rätsel, wie wir unbehelligt durch die feindlichen Linien gelangt seien und sie gefunden hätten.« Aus nächster Nähe, mit der Genauigkeit der Liebe beschreibt Cyrille Offermans das Schicksal seiner alten, dement werdenden Mutter: Die ersten Anzeichen wie Vergesslichkeit, Verwirrung und Misstrauen, und wie schwer die plötzliche Distanz zu ertragen ist. Wie die Aufnahme ins Heim unvermeidlich wurde, weil es keine gemeinsame Realität mehr gibt, wenn die innere Welt eines Menschen sich auflöst. Die eigene Scham und die Schuldgefühle, die ständigen Zweifel, ob man als nächster Angehöriger, als Sohn das Richtige tut. Und wie es dennoch möglich ist, mit den Schwächen des Alters – und den eigenen – zu leben: in Würde, achtsam, liebevoll.
Cyrille Offermans
Aus dem Niederländischen von Walter Kumpmann
14.90 EUR
160 Seiten Gebunden mit Schutzumschlag
Erscheinungsdatum: 08.09.2007
ISBN 978-3-88897-485-4