SALOMES BÜCHER

Leben und Lesen gegen den Strom

Weblog-Archiv für 2. August 2007

Bücher kaufen, Bücher lesen…

Verfasst von Esther am August 2

… es liegt ein weiter Weg dazwischen, das ist sicher.
Das man auf der Stelle tritt, merkt man zunächst an der schleichenden Anhäufung von Büchern in den Regalen, der man auch mit selbstauferlegter Lese -Isolationshaft nicht Herr (oder Dame) werden kann. Da befinden sich nun über 100 (in Worten : einhundert) wunderbare ungelesene Schätze geordnet nach Autoren, Ländern oder Themen, mit denen man einst, im Sturm der ersten Euphorie, eine Tändelei begonnen hatte (zuweilen hat man gar das Gefühl sich in Gollum zu verwandeln : „Mein Schatz“), um sie dann (h)eis(s)kalt zu den anderen Schmuckstücken zu legen. Es wächst und gedeiht dies Häuflein Buch, schneller als es der Rohstofflieferant selbst tun könnte.
Primär geht es also um das Haben und die Vorfreude, während das Lesen der Lektüre selbst fast zur Pflicht verkommt. So kann der Stapel an ungelesen Büchern auch in ungünstigen Fällen gar in Stress ausarten. Schuldig im Sinne der Anklage sind hierbei die Büchergenossen der Bücherforen (zu denen auch ich mich zähle), die diese Masse an Goldstücken quasi unter die Goldsucher streuen, die im Goldrausch sofort bei Amazon, Booklooker, Bol, Libri oder sonstewo schnell ihre Claims abstecken gehen. Doch was tun, wenn es heißt: So viele Bücher, so wenig Zeit?

Beim Stöbern in einigen Bücherforen konnte ich mit Erstaunen feststellen, das einige Mitleser, einen Versuch dem Abzuhelfen entwickelt haben, eine Art Geschwindigkeitswettbewerbkettenlesen, bei dem der Patient Leser, sein soziales Leben kurzfristig beendet, um so viele Bücher wie möglich im Eiltempo zu verschlingen. Da können dann eben mal so locker 30 Bücher pro Monat verschlungen werden. Allerdings wage ich die Behauptung, dass in einer solchen Quantität keine Verdauung stattfinden kann. Ich tippe auf reines überfliegen von Eckdaten und Namen, so dass man später zumindest die Protagonisten benennen kann. Später ist dann, wenn ich die Bilanz meiner im Monat gelesenen Groschenromane Bücher, den Mitlesern und Mitleserinnen präsentiere. Diese erblassen sogleich vor lauter Neid, auf ein solches Stehvermögen beim Büchertrinken und tun sich sofort daran den Champion möglichst bald unter den Tisch zu saufen.

Davon halte ich wenig. Ich denke der Bücherstapel sollte sich eher zum Freund, denn zum Feind entwickeln. So nehme ich mir jetzt die Zeit, meine Bücher in gebührender Zeit und mit meiner vollen Aufmerksamkeit zu ehren, oder mich der Vorfreude auf die Ungelesenen hinzugeben. Nie wieder Wettbewerb, nie wieder Stress, zurück zum Ursprung!
Und sollte der Sensenmann unerwünschter Weise den Weg früh zu mir finden (was eindeutig nach der Beendigung des letzten Buches meines Stapels wäre – also eigentlich ein rein fiktiver Zeitpunkt), werde ich sein Angebot mitzukommen dankend ablehnen und ihn auf den Stapel ungelesener Bücher verweisen. So kann das Pflegen eines Bücherbäumchens sogar quasi Leben retten. ;)

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