Humanist und Rebell
Aus Anlass der Veröffentlichung seines Jugendromans „Die Schiffbrüchigen“ der in diesen Tagen erschienen ist, möchte ich den hoch interessanten Autor Jean Améry gerne mit einem kleinen Portrait würdigen.
Jean Améry wurde 1912 in Wien unter dem bürgerlichen Namen Hans Meyer geboren.
Er war ein blonder, katholisch erzogener Jude, vaterlos, Schulabbrecher, aber belesen und ein hoch ambitionierter Autodidakt. Nach der Schule machte er eine Buchhändlerlehre in Wien, dann war er als Dozent an der Wiener Volkshochschule tätig.
1938 emigrierte Améry nach Belgien. Als „feindlicher Ausländer“ wurde er dort 1940 festgenommen und im südfranzösischen Lager Gurs interniert, 1941 gelang ihm die Flucht. Zurück in Belgien wandte er sich dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu. Aufgrund dieser Tätigkeiten wurde er in Brüssel inhaftiert und von der Gestapo schwer gefoltert, später wurde er nach Auschwitz deportiert. Seine Erlebnisse hat Améry in seinem Werk „Jenseits von Schuld und Sühne“ verarbeitet, mit dessen Veröffentlichung er 1966 im deutschsprachigen Raum bekannt wurde.
In seinem nun veröffentlichten Frühwerk „Die Schiffbrüchigen“, das zwischen 1934 und 1935 entstand, verweist er schon damals auf die bevorstehende Vernichtung der Juden, auf ihre Unterlegenheit gegenüber den Ariern. Die Veröffentlichung dieses Werkes hat er leider nicht mehr erlebt.
1978 beging er in Salzburg Selbstmord. In seinem Abschiedsbrief ließ der 66-Jährige seine zweite Frau Maria wissen:
„Ich kann meinem Niedergang, intellektuellen, physischen, psychischen, nicht zusehen.“
Ein trauriges Schicksal, welches sich in seinen Werken stets herauslesen lässt und welches er am besten selbst in seinem 1966 geschriebenem Essay Jenseits von Schuld und Sühne beschreibt:
„Wer der Folter erlag, kann nicht mehr heimisch werden in der Welt.“
Jean Amery erhielt ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof.
Zu seinem Gedenken wurde 1982 von Amérys Witwe der Jean Améry-Preis für Essayistik gestiftet..

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