SALOMES BÜCHER

Leben und Lesen gegen den Strom

Weblog-Archiv für 5. Juni 2007

Autorenportrait Georges Perec

Verfasst von Esther am Juni 5

Perecs Kinderzeit war geprägt durch die deutsche Besetzung Frankreichs.

Georges Perec wurde in einem Arbeiterviertel in Paris als einziger Sohn von Icek Judko und Cyrla (Schulewitz) Peretz geboren. Sie waren polnische Juden, die in den zwanziger Jahren nach Frankreich kamen. Perecs Vater schrieb sich zum zweiten Weltkrieg in die französische Armee ein und starb während des Kriegs 1940 an seinen Verletzungen. Georges Mutter verschwand während des Holocausts, vermutlich wurde sie nach Auschwitz gebracht. George wurde 1942 von seinem Onkel und seiner Tante aufgenommen, die ihn dann 1945 offiziell adoptierten.

Er begann während seines Studiums der Geschichte und Soziologie an der Université de Sorbonne damit, Artikel und Berichte für die „Nouvelle Revue Francaise“ und „Les Lettres Nouvelles“ zu schreiben.

1958-59 diente Perec in der Armee. Nach seiner Entlassung heiratete er Paulette Petras. Sie lebten zusammen ein Jahr (1960-61) in Tunesien, wo Paulette als Lehrerin arbeitete.

1961 arbeitete Perec als Archivar im Neurophysiological Research Laboratory des Krankenhauses Hôpital Saint-Antoine, eine schlecht bezahlte Stelle, die er aber bis 1978 beibehielt.

Es wird spekuliert, dass das tägliche Hantieren mit Aufzeichnungen und abgeänderten Datensätzen einen Einfluss auf seinen Schreibstil gehabt haben könnte. Ein anderer großer Einfluss war die Mitgliedschaft in der Gruppe Oulipo, einem Kreis von Autoren, die ihre Werke formalen Zwängen unterwarfen, wie zum Beispiel dem Verzicht auf bestimmte Buchstaben (siehe Lipogramm), der er 1967 beitrat. Dort traf er unter anderem Raymond Queneau, dem er sein Meisterwerk „La Vie mode d’emploi“ widmete.

Perec arbeitete in den späten 60ern an einer Reihe von Hörspielen für das Radio, zusammen mit seinem Übersetzer Eugen Helmlé und dem Musiker Philippe Drogoz. Weniger als ein Jahrzehnt später begann er, Filme zu drehen. Sein erster Film, basierend auf seinem Roman „Un Homme qui dort“, gewann 1974 den Prix Jean Vigo.

„La vie mode d’emploi“ brachte ihm 1978 den erhofften finanziellen Erfolg und verschaffte ihm die nötige Berühmtheit, so dass er sich von diesem Zeitpunkt an ganz seinem Schriftstellertum widmen konnte. Das Werk gewann den Prix Médicis. Perec arbeitete 1981 an der University of Queensland in Australien. Dort arbeitete er an seinem letzten und leider unfertigen Werk „53 Jours“ (53 Tage).

Kurz nach seiner Rückkehr aus Australien verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Die Ärzte diagnostizierten Lungenkrebs. Georges Perec starb 1982 im Alter von 45 Jahren.

Quelle: Wikipedia

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Georges Perec – Was für ein kleines Moped mit verchromter Lenkstange steht dort im Hof?

Verfasst von Esther am Juni 5

Georges Perecs kleines Kabinettstück zum Thema Pazifismus „Was für ein kleines Moped mit verchromter Lenkstange steht dort im Hof?“, ist, wie man schon vom Titel her erahnen kann, ein wirklich merkwürdiges kleines Büchlein.
Manchmal albern und einfach witzig, sicher aber auch oft ernsthaft komisch. ;)
Leider ist Perecs Humor doch oft sehr ein Insiderhumor. Ich, mit meinem bescheidenem Wissen und meinem Deutschsein, war oft außen vor.

Es ist schwer in diesem Buch an den Kern seiner Aussage zu gelangen, nämlich an die pazifistischen Gedanken, denn sie sind umhüllt von einem Feuerwerk von Wortklaubereien, Einfügungen, Einwürfen, Abschweifungen und aberwitzigen Handlungen. Schließlich ist es mir gegen Ende doch noch gelungen, eine Aussage zu finden, die dann aber auch gesessen hat.
Es geht um Krieg, um Friedensliebe, Angst und um die Gleichgültigkeit der Daheimgebliebenen für den kämpfenden Soldaten. Auch nimmt er in bösester Weise, die Intelligenzia aufs Korn, die statt zu helfen, utopische Pläne entwirft, alles zerredet und kaputt diskutiert, statt zu handeln und zu helfen.

All dies nimmt Perec seinem mit schwarzem Humor auseinander, aber leider kann man wie gesagt einen großen Teil seines Humors nicht nachvollziehen; er stammt aus einem anderen Land zu einer anderen Zeit, mit anderen Gedanken und einer anderen Sprache.

Dennoch bereue ich es nicht das Buch gelesen zu haben und finde es letztendlich doch bemerkenswert.

Meine Bewertung daher doch :



ISBN: 3423130660
Übersetzt von Eugen Helmle
DTV Deutscher Taschenbuch
April 2003 – kartoniert – 91 Seiten
Originaltitel: Quel petit velo a guidon chrome au fond de la cour.

‘dtv – Taschenbücher’.

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