SALOMES BÜCHER

Leben und Lesen gegen den Strom

Weblog-Archiv für 4. Juni 2007

Joseph Boyden – Der lange Weg

Verfasst von Esther am Juni 4

Der lange Weg ist bei den Cree-Indiandern Kanadas der Weg, den ein Sterbender zurücklegen muss um ins Jenseits zu gelangen.
Auch in Joseph Boydens Roman müssen die Protagonisten einen langen Weg zurücklegen. Einen Weg, der sie aus der Wildnis der kanadischen Wälder
in die Hölle der Schützengräben des ersten Weltkriegs führen wird, in einen Krieg, den sie für Fremde kämpfen in deren anderer Welt.

Im Kanada des beginnenden 20. Jahrhunderts herrschen für Indianer harte Zeiten. Sie werden immer mehr in Reservate gedrängt, ausgebeutet, verachtet.
Ihre Kinder werden ihnen weg genommen, um ihnen eine gute christliche Erziehung angedeihen zu lassen, natürlich auch im Zweifelsfalle gegen deren Willen.
In diesen Zeiten werden Xavier und Elijah, zwei junge Cree-Indianer groß. Beide werden zunächst in einem der Internate groß. Xavier lebt dort bis seine Tante,
eine der letzten Windigotöterinnen ihres Stammes (also so eine Art Schamanin), ihn aus der Institution befreien kann; Elijah, ein Waisenkind, bis er die Schule beendet hat und zu Xavier und seiner Tante in die Wildnis zieht. Dort lehrt der ruhige Xavier den draufgängerischen Elijah das Jagen und Überleben in der Natur.
Doch Elijah, der lange in der Zivilisation gelebt hat, verlangt es bald nach Ruhm, Ehre und Abenteuern.
Wie viele andere ihrer indianischen Identität beraubten Männer, besinnt er sich auf seine Kriegertradition und hofft die Erfüllung seiner Träume durch den Eintritt in die kanadische Armee zu finden. Xavier, den mit Elijah inzwischen ein enges brüderliches Verhältnis verbindet, geht mit ihm, wenn auch weniger euphorisch. Niska, Xaviers Tante, überkommen schreckliche Visionen und doch weiß sie, dass sie die beiden ziehen lassen muss.

Die harte Realität holt die beiden nach ihrer Ankunft an der hart umkämpften Front an der Somme schnell ein. Immer wieder vergegenwärtigt Boyden durch Rückblenden, in die Vergangenheit der beiden jungen Männer, den krassen Kontrast der beiden Welten und intensiviert den Schrecken der Front dadurch. Er bringt eine neue Perspektive in den Krieg, in dem er durch die Augen Xaviers schildert.

Mit dem Grauen des Krieges gehen beiden Männer anders um. Der introvertierte Xavier, zieht sich noch mehr in sich zurück, durch seine geringen Sprachkenntnisse noch mehr isoliert, versucht er einfach zu überleben; Elijah, der perfekt Englisch spricht und von Natur aus ein ehrgeiziger, charismatischer Mensch ist, steigert sich in seine Suche nach Anerkennung hinein, wird zum Menschenjäger, feiert als Scharfschütze grosse Erfolge, die eigentlich auf das Konto des besseren Schützen Xaviers gehen. Immer drastischer nimmt die Entwicklung der beiden Männer ihren Lauf und wächst sich, wie man schon erahnen kann, zu einer echten Tragödie aus.

Boydens Intension, diesen Roman zu schreiben, war die, gegen das Vergessen der heldenhaften Taten der Indianer im ersten Weltkrieg anzukämpfen. Die Indianer kämpften für ein Land, das sie schlecht behandelte und schließlich hat man in Kanada dies schlicht gänzlich unter den Teppich gekehrt.
Mit dem kleinen Unterschied das ich keine militärische Aktion als heldenhaft bezeichnen würde, finde ich dies doch ein ehrenhaftes Motiv, das der Autor gut umgesetzt hat. Die Intensität der Erzählung lässt auch über kleinere Mängel und Längen in der Geschichte gerne hinwegsehen. Ein Buch, das eine neue Sichtweise auf den ersten Weltkrieg bringt und mit Sicherheit eines, das man nicht vergessen wird!

Fazit:

Wer sich für die Thematik des ersten Weltkrieges interessiert und starke Nerven hat, dem kann ich zum Lesen dieses Buch gerne raten.

Über den Autor:

Joseph Boyden, 1967 in Kanada geboren, hat indianische Vorfahren.
Zu seinem Roman wurde er durch die historische Figur des indianischen Kundschafters Francis Pegahmagabow angeregt.
„Der lange Weg“, nominiert für den angesehenen Governor General’s Award for Fiction 2005,
stand in seiner Heimat wochenlang auf den Bestsellerlisten. Die Übersetzungsrechte wurden in über zehn Länder verkauft.
Joseph Boyden lebt in New Orleans.

Meine Bewertung:

Der lange Weg
von Joseph Boyden
Knaus
Februar 2006
ISBN 3813502708
Preis: 19,95 Euro

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Emmanuel Carrère – Amok

Verfasst von Esther am Juni 4


Klappentext:

Alles begann ganz harmlos: Eine versäumte Medizin-Klausur, eine kleine Lüge, die größere nach sich zog, und der Student Jean-Claude Romand kam aus dem Tritt. Um den schalen Geschmack seiner Erfolglosigkeit zu kaschieren, entwickelte er ein Doppelleben: Jahre später glaubte jeder in dem zweifachen Vater einen Arzt der Weltgesundheitsorganisation zu sehen. Nach außen ein gelungenes Leben, aber nichts war echt. Schließlich treibt die unablässige Mimikri ihn in die Ecke, er löscht seine Familie aus und will sich selber richten: Amok. Die Abgründigkeit dieser Geschichte scheint von Dostojewskij zu stammen, und doch hat sie sich 1993 in einem kleinen französischen Ort an der Schweizer Grenze zugetragen. Vor aller Augen entspannte sich eine Tragödie und niemand, nicht einmal die Ehefrau, hatte nur das geringste geahnt.

Meine Meinung:

Es fällt mir schwer dieses Buch zu kommentieren, oder gar zu bewerten. Einerseits ein eindringlich verfasstes Werk, ein tiefgehendes Portrait über den schwerst depressiven Amokläufer Jean-Claude Romand, der 1993 seine Familie ermordete. Eine wahre Geschichte, unglaublicher als jeder Roman, in der Tat; mit viel Zeitaufwand und Arbeit von Carrère recherchiert. Andererseits hat es mich abgestoßen, manchmal gelangweilt, manchmal unangenehm berührt. Es entstehen in keiner Form positive Gefühle beim Lesen. Das Grauen ist zum greifen nah, oft erscheinen alptraumhafte Motive, aber es ist nun mal in der Realität passiert und wirkt dadurch völlig anders als ein Roman.
Das mir das Buch nicht so lag, mag daher auch einfach an dem unerträglichen Charakter Romands an sich, oder vielleicht doch an der Erzählkunst Carrères liegen. Ich kann es einfach nicht genau sagen. Wie gesagt schwer zu kommentieren…

Meine Bewertung:


Amok.Roman.
S. Fischer Verlag
Frankfurt
ISBN: 3-100-10220-7

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Jeannette Walls – Schloss aus Glas

Verfasst von Esther am Juni 4

 

Zunächst kurz über die Autorin:

Jeannette Walls lebt und arbeitet als Journalistin in New York und Long Island. Sie schrieb Gesellschaftskolumnen für E! Channel und das New Yorker Magazin Intelligencer. Im Moment moderiert sie dreimal wöchentlich eine Live-Sendung im Morgenfernsehen bei MSNBC. Sie hatte eine sehr außergewöhnliche Kindheit über die sie 2005 die Autobiographie „Schloss aus Glas“ veröffentlichte.

„Schloss aus Glass“ von Jeannette Walls ist aber noch weit mehr als nur eine Autobiographie. Es ist das unglaubliche Zeugnis einer unfassbaren, seltsamen Kindheit in einer verrückten Familie.

Die kleine Jeannette wächst mit ihren 3 Geschwistern in den USA auf, in Armut und Verhältnissen, die für unser Verständnis schlimmer kaum sein könnte. In einer Familie für die man das Wort „Widerspruch“ erfunden haben muss.

Die Mutter ist eine erfolglose Künstlerin, die recht wenig Lust auf Erziehung hat und die Kinder sich selbst überlässt, dies aber mit großem Erfindungsreichtum an Worten, als antiautoritär und naturverbunden oder harte Schule für das Leben, bezeichnet.
So ist die erste Erinnerung von Jeannette die, dass sie als Dreijährige stundenlang unbeaufsichtigt am Herd spielt, um Hotdogs zu kochen. Natürlich verbrennt sie sich extrem schlimm und muss ins Krankenhaus, aus dem sie schließlich gar nicht mehr raus will, nicht zurück in das Elend und die Armut!
Dies ist jedoch nur ein kleiner Teil aus einem großen Fundus an schlimmen, aber auch wunderschönen Erinnerungen, die Jeannette Walls niedergeschrieben hat.
Liebt diese (Raben-) Mutter ihre Kinder überhaupt mag man sich fragen? Sie muss es tun, wenn Jeannette nach so langer Zeit und dem Schreiben ihrer Biographie, ihre Mutter immer noch liebevoll als an die Wahrheit und an die Kunst glaubend bezeichnet. Es ist unfassbar wie belastbar die Liebe zwischen Eltern und Kindern sein kann, wie groß sie sein kann, um rückblickend warme und schöne Erinnerungen zu hinterlassen, wo eigentlich Hunger und Armut und Demütigung vorherrschten.

Der Vater, ein Träumer und Alkoholiker und doch (oder gerade deswegen) von seinen, noch kleinen, Kindern idealisiert und glühend verehrt und geliebt, besonders von seinem Liebling Jeannette. Er schenkt ihr die Sterne, geht mit ihr nachts in der Wüste auf Dämonenjagd und verspricht ihr ein Schloss aus Glas zu bauen, in dem sie alle wohnen werden.

Die Familie zieht von Städtchen zu Städtchen, doch immer wieder verliert der Vater die Arbeit, die Schulden türmen sich auf und sie fliehen in Nacht-und-Nebelaktionen weiter. Immer den Versprechungen des Vaters vertrauend, nun in eine goldene Zukunft aufzubrechen. Die Familie hält trotz der widrigen Umstände fest zueinander. Doch je älter die Kinder werden, desto mehr blicken sie durch und desto schwerwiegender werden auch die innerfamiliären Krisen.

Eine der fesselndsten, ungewöhnlichsten Autobiographien, die ich je gelesen habe. Ein Buch das einen packt und nicht mehr los lässt. Die ganzen Geschehnisse, die für die Walls – Kinder so normal sind und einen den Atem rauben, erlebt man hautnah mit und fiebert mit den Kindern doch endlich den Absprung von dieser Familie zu schaffen, fühlt aber auch die Schmerzen eines Lebens, wenn der Abschied von dieser wirklich naht.

Fazit:

Ein ganz anrührendes Buch, ohne Bitterkeit, das einen oft zum Lachen bringt.

Meine Bewertung:



ISBN: 3453351355
Übersetzt von Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Heyne Verlag
Juli 2006 – kartoniert – 384 Seiten
Originaltitel: The Glass Castle.
‘Heyne – Bücher Diana – Taschenbuch’.

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Ludovic Roubaudi – Der Hund von Balard

Verfasst von Esther am Juni 4

 

„Der Typ war eine Pflaume, auch wenn er mal nicht blau war…“ Gemeint ist ein Typ, den sie den Belgier nennen. Er und die anderen Jungs von der Zeltbauertruppe von Paris – Balard, zu denen auch der Erzähler der Geschichte zählt,leben zufrieden in einer rauen, aber familiären Welt am Rande der menschlichen Gesellschaft, der Welt des Zirkus. Für die Gesellschaft sind sie niemand, keiner kennt die Vergangenheit des anderen und doch haben sie einen festen Halt in ihrer Gruppe gefunden, einer bunten Mischung aus den skurrilsten Charakteren, die man sich denken kann.
Ihr Alltag besteht aus harter Maloche, Glühwein, ein paar Baguettes und ihrem täglichen Besuch bei Maman Rose, der Kneipenwirtin von Balard. Chef der Truppe ist Marco, ein ehemaliger Dresseur. Er hält die Jungs zusammen, treibt sie an, ist ihnen wie ein Vater.
In diesen Alltag nun trottet ein kleiner, von einem Zahnabszess geplagter Hund. Der scheue Hund scheint als würde er die Hilfe der Männer suchen, welche den Hund auch prompt in ihr Herz schließen und beschließen ihm zu helfen. Sie ziehen den kranken Zahn.
Dankbar entscheidet der Hund bei diesen Männern zu bleiben; er wird ihr Leben verändern. Erweist der Hund sich doch als „Subjekt“, als ein für die Dressur hochbegabtes Tier…

Dieser Roman ist einfach Wahnsinn! Er entwickelt einen unheimlichen Sog, man mag das Buch kaum zur Seite legen.
Die liebenswerten Akteure, die ausgefeilte Story, die authentische Kulisse des Romans und der trockene Humor; es stimmt einfach alles!
Roubaudi selbst hat beim Zirkus gearbeitet und man merkt dem Roman diese Authentizität an, er weiß eben einfach wovon er spricht.
Die Zirkuswelt ist so ehrlich und schön beschrieben, dass man einfach hautnah dabei ist.
Dieses Buch war für mich bis zum Ende ohne Längen, ohne Makel, herzzerreißend; einfach brillant!!

Meine Bewertung:


Aus dem Französischen von Gaby Wurster
Titel der Originalausgabe: Les Baltringues
Umschlagillustration: Victoria Sawdon
272 Seiten
€ 19,80
ISBN 978-3-86555-003-3

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Portrait von Ludovic Roubaudi…

Verfasst von Esther am Juni 4

…oder : her mit den jungen Franzosen…

Nach meinem verehrten Philippe Claudel (über den ich auch schon an einem Portrait arbeite) und dem Belgier Thomas Gunzig, habe ich nun einen heiße Affaire mit diesem netten Herren (natürlich rein platonisch :p )

Ludovic Roubaudi (Foto: Le dilettante), geboren 1963 in Paris, hat nach dem Abitur beim Zirkus gearbeitet, dann als Feuerwehrmann, bevor er einen revolutionären Austernöffner auf Vorstadtmärkten feilbot. Heute entwickelt er ein Software-Programm für eine internationale Personalagentur. Der Hund von Balard ist sein erster Roman. Er wurde ausgezeichnet mit dem Prix Carrefour Savoir du Premier Roman und dem Prix Cinelect 2003 und wird in zahlreiche Sprachen übersetzt. Roubaudi lebt in Paris.
> (Quelle: SchirmerGraf) Alleine die Biographie des Autors wäre einen Roman wert… ;)

Ich lese derzeit den Roman „Der Hund von Balard“ und bin völlig verliebt in das Buch. Ungewöhnlich und faszinierend.
Mehr über das Buch in der abschließenden Rezi.

Ich kann nur noch den Aufruf starten : Leute lest Franzosen !!!

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Wilhelm Genazino – Achtung Baustelle

Verfasst von Esther am Juni 4

 

Klappentext:

„Ich sehnte mich danach, den Schrank schrumpfen zu sehen…“; „Vogerlsalat grüßt“; „Ich lese auf meinem Zimmer Proust, fresse dazu Marzipan“; „Kätzchen, mein Meerrettich geht unter“ – das sind Sätze, bei denen Wilhelm Genazino in Romanen, Essays und Betrachtungen aufmerkte, die ihn verwunderten oder verärgerten, denen er auf jeden Fall in unnachahmlicher Weise nachgegangen ist, indem er seine Fundsätze ernst nimmt, sie gleichsam seziert, mehrfach wendet, um zu ebenso einleuchtenden wie schonungslosen Analysen zu kommen.
Der zweite Teil von »Achtung Baustelle« versammelt drei große Essays zu James Joyce, Marcel Proust und Italo Svevo, der abschließende Teil fasst drei öffentliche Äußerungen anlässlich der Verleihung bedeutender Literaturpreise zusammen.
„Achtung Baustelle“ sammelt Genazinos kluge, witzige, intelligente und erstaunliche Betrachtungen, die humorvoll ein anderes, besseres Lesen lehren können.

Meine Meinung:

„Achtung Baustelle“ ist eine Sammlung der Kolumnen Wilhelm Genazinos in der Frankfurter Rundschau, später in der Basler Zeitung. Eine anspruchsvolle Lektüre zum Thema „Lesen“ und eine Fundgrube voller Anekdoten für Literaturliebhaber.
Genazino ist und bleibt stets Gentleman, seine Kritik stets klug und humorvoll-ironisch verpackt, dennoch schafft er es sein Wissen, seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen klar zu vermitteln. Er stellt sozusagen das Gegenteil zu Reich- Ranicki dar. ;) Die Essays, besonders über Italo Svevo, sind brillant, und hier beweißt sich Genazino als wahrer Sprachkünstler.
Ein zugegeben sehr anspruchsvoller Spass, der Zeit beansprucht, aber unheimlich unterhält. Ich werde mir das Buch sicher immer mal wieder zwischendurch gönnen.

Meine Bewertung:



ISBN: 3423134089
DTV Deutscher Taschenbuch
Januar 2006 – kartoniert – 182 Seiten
‘dtv – Taschenbücher’.

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Salomes präsentiert das Buch des Monats April 2007

Verfasst von Esther am Juni 4

.. VIOLA ALVAREZ – DAS HERZ DES KÖNIGS….

Meine Rezension zu dem Buch findet ihr HIER

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Anne Tyler – Im Krieg und in der Liebe

Verfasst von Esther am Juni 4

 

Klappentext:

Es beginnt an einem Montagnachmittag im Kriegsjahr 1941:

Ein Mädchen im roten Mantel betritt den Lebensmittelladen von Michaels Mutter, und um Michael ist es geschehen. Unter den aufmerksamen Blicken der Nachbarschaft werden er und Pauline ein Paar. Doch was als große Liebe anfängt, muss keineswegs als gute Ehe enden – die lebhafte Pauline, die spontan und mit vollem Risiko durch die Welt stürmt, und der ruhige, überlegte Michael, der für den Laden und seine Familie lebt, haben ganz unterschiedliche Wünsche und Träume. Dennoch heiraten sie, bekommen drei Kinder – und kämpfen unaufhörlich gegeneinander. Zwei Menschen, die das Schicksal aneinander gebunden hat und die ohne den anderen wohl glücklicher wären – die Geschichte einer dramatisch verunglückten Ehe und einer großen Liebe.

Meine Meinung:

Anne Tylers Buch und ich haben eine ähnliche Beziehung wie Michael und Pauline. Kurzzeitig harmonisch, in der restlichen Streit und Kräche, wir kamen einfach nicht auf einen Nenner. Dazu kam ein Portion Langeweile und zähe seitenlange Beschreibungen von, wahrscheinlich nur in meinen Augen, Nichtigkeiten und Belanglosem.
Der Anfang lies mich verzweifeln, sollte das etwa so eine „Man-zieht-in-den-Krieg-Frau-wartet-Schmonzette“ werden?
Ich blieb nach gutem Zureden am Ball und wusste schon bald: Nein! Ist es nicht.
Eher eine Alltagsgeschichte mit allen Stärken und Schwächen.
Die „normale“ Mittelmäßigkeit der Protagonisten, Rebellion und Ausbruch aus derselben, Tragik, ein wenig Klischee und Herzschmerz schön in einen Roman verpackt, aber: leider auch immer unvollendeten Geschichten, angesprochene, aber nicht vertiefte Schicksale, die mir oberflächlich geschildert erschienen. Ich hatte irgendwie auch das Gefühl, ich bin mit meinen 34 Jahren 40 Jahre zu jung für den Roman.
Kurzum: Ein nettes Buch, dass mich aber zur falschen Zeit, auf dem falschen Fuß erwischt hat.

Hier eine Stelle aus dem Buch, die mir sehr gut gefallen hat:

… Sehen Sie, ich glaube, dass jeder Mensch hin und wieder von einem Haus träumt, in dem er gerade wohnt. Man träumt davon, dass man eines Tages eine Treppe hochsteigt, die man vorher noch nie gesehen hat, und – presto! Man entdeckt ein ganz neues Zimmer! Ein unbekanntes Zimmer, von dessen Vorhandensein man keine Ahnung gehabt hat…
….Die Hälfte der Leute denkt: Ist das nicht wunderbar. Ein Raum, den ich neu entdecken kann. Und die andere Hälfte denkt:
Das hat mir gerade noch gefehlt. Noch ein Instandhaltungsproblem. Um diese Zimmer hat sich jahrelang niemand gekümmert, und jetzt kann ich den Himmel durch die Decke sehen.

Meine Bewertung:



ISBN: 3548606040
Übersetzt von Christine Frick-Gerke, Gesine Strempel
Ullstein Taschenbuchvlg.
Januar 2006 – kartoniert – 335 Seiten
Originaltitel: The Amateur Marriage.
‘List bei Ullstein’.

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Autorenportrait Thomas Gunzig

Verfasst von Esther am Juni 4

Zunächst einmal visuell. Dieser sympathische Bursche hier ist der vielversprechende Autor:

Kurze Vita :
Thomas Gunzig, geboren 1970 in Brüssel, studierte Politikwissenschaften und arbeitet heute in einer Brüsseler Buchhandlung. Er hat bereits zahlreiche Erzählungen veröffentlicht, von denen bisher eine auf Deutsch erschien (›Gut organisiert‹ in: ›Nur wenn ich lache. Neue jüdische Prosa.‹ Hrsg. von Olga Mannheimer und Ellen Presser; dtv 12955). ›Tod eines Zweisprachigen‹ ist sein erster Roman, der in Belgien mit dem bedeutendsten Literaturpreis, dem Prix Rossel, ausgezeichnet wurde.

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Astrid Lindgren – Das entschwundene Land

Verfasst von Esther am Juni 4

Astrid Lindgren, die wohl bekannteste Kinderbuchautorin der Welt erzählt über ihre eigene Kindheit. „Das entschwundene Land“, das einzige Buch das die schwedische Autorin je für Erwachsene geschrieben hat, ist ein Zeitzeugnis über Schweden zur Jahrhundertwende und eine sehr persönliche Bilanz ihrer Kindheit. Astrid Lindgren muss, ihren Schilderungen zufolge, eine wirklich einzigartig wundervolle Kindheit gehabt haben und die sei ihr auch vergönnt. Allerdings wie das eben mit den Kindheitserinnerungen eben oft so ist, sind auch die ihren sehr stark verklärt und idealisiert. Diese Einseitigkeit einer perfekten Kindheit hat mich ein wenig gestört. Mir fehlte ein wenig die andere Seite der Medaille. Das Buch hätte eindeutig weitere, tiefergehende Schilderungen benötigt um wirklich interessant zu sein. Erstaunlich war es natürlich zu lesen, wie die Ideen für ihre Bücher entstanden. Doch sind es leider nur Fragmente von Erinnerungen, Lebensweisheiten und gute Ratschläge zur Kindererziehung (wobei diese mir sehr gut gefallen haben, da ihr Aufruf an die Eltern mit den Kindern mehr zu lesen mir auch sehr am Herzen liegt), aber kein Roman der mich in das Innenleben der, von mir sehr verehrten, Autorin geführt hätte. Das hat mich doch enttäuscht.

Wer Bücher von Astrid Lindgren nicht kennt, sollte dies schleunigst nachholen.


Zur Autorin hier noch ein paar Infos:

Astrid Lindgren »die bekannteste Kinderbuchautorin der Welt« (Die Zeit), wurde 1907 auf Näs im schwedischen Småland geboren und starb im Januar 2002 in Stockholm. Viele ihrer Bücher wie ›Pippi Langstrumpf‹, die ›Karlsson‹-Bände, ›Die Kinder aus Bullerbü‹, ›Ferien auf Saltkrokan‹ oder ›Die Brüder Löwenherz‹, sind längst zu Klassikern der Kinderliteratur geworden. Für ihr Werk erhielt sie neben zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen auch den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, den Internationalen Kinderbuchpreis, die Hans-Christian-Andersen-Medaille und mehrmals den Deutschen Jugendliteraturpreis. Am 6.11.2002 wurde ihr posthum der Internationale Buchpreis Corinne für ihr Gesamtwerk verliehen.

Meine Bewertung:


ISBN: 3423135565
Übersetzt von Anna-Liese Kornitzky
DTV Deutscher Taschenbuch
September 2006 – kartoniert – 125 Seiten
dtv – Taschenbücher
Empfohlen ab 12 Jahre.

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Thomas Gunzig – Tod eines Zweisprachigen

Verfasst von Esther am Juni 4

Man nehme eine Prise Krimi, ein wenig Krieg, vermengt mit gnadenloser Gesellschaftskritik, ein Quäntchen Fiktion, einige skurrile, verschrobene, aber liebenswerte Charaktere und eine Portion feinsinnigen, subtilen Humor; und lasse all diese Zutaten von einem sehr begabten, belgischen Nachwuchsautoren zu einer ausgeklügelten, komischen, aufwühlenden Satire zubereiten.
Et voilà: Man erhält Thomas Gunzigs Roman „Tod eines Zweisprachigen“

In einem Krankenhaus erwacht ein schwer verletzter, gelähmter und stummer Mann, ein Söldner, der sein Gedächtnis verloren hat. Nach und nach beginnt er sich an sein Leben zu erinnern. Im Jahre 1978 herrscht in einem europäischen, nicht näher benanntem Land Krieg. Man erfährt nur, es ist ein Krieg gegen Terroristen.
Der arbeitslose und perspektivlose Mann, der auch vor Gefälligkeitsmorden nicht zurückschreckt, um seinen leeren Bauch zu füllen, beginnt ein fatales Verhältnis mit Minitrip, der Frau des skrupellosen, zwielichtigen Friedens-Liebesschnulzen-Sängers Jim-Jim Slater. Nicht zufällig ähnelt Jim-Jim Slater allerdings eher einem Mafiaboss, als einem Sänger. Das Verhängnis des Erzähler beginnt mit einem bösen Streit zwischen ihm und seiner Geliebten, bei der er in Rage ihr die Zähne einschlägt. Diese kehrt postwendend und reumütig zu dem Sänger zurück. Es dauert naturgemäß nicht lange bis der Erzähler von Jim-Jim Slaters Männern in dessen Wohnung gebracht wird. Der Sänger bietet ihm an, ihn am Leben zu lassen, wenn er einen Auftragsmord für ihn ausführt. Er soll die ungeliebte Konkurrentin Friedenstäubchen Caroline Lemonseed umbringen, denn diese verdrängt den immer erfolgloseren Sänger vom Markt. Aus Mangel an Alternativen nimmt der Erzähler an. Er wird in die Elitetruppe eingeschleust, die sich während einer Fronttournee der Lemonseeds um deren Sicherheit kümmern soll.

Der Krieg in Thomas Gunzigs Roman ist ein reines Medienspektakel geworden, er wird live im Fernsehen übertragen. Teilweise sind mehr Kameraleute und Techniker am Werke, als Soldaten im Einsatz. Auf den Uniformen prangt ein Logo des Sponsors „Kellogs“ und „Snikers“, die Soldaten werden kameragerecht geschminkt und die Einsätze teils in Szene gesetzte Gaukeleien, teils von den Medien einschaltquotenträchtig uminterpretiert und ausgeschlachtet.

Gunzigs Roman überrascht, ja er überwältigt förmlich mit seiner subtilen Brillianz und seinem filigranen Sezieren unserer gesellschaftlichen Strukturen.
Teils ist die Geschichte sehr schockierend und dennoch, oder gerade deshalb, eine grandiose Satire und für mich ein weiteres Highlight in diesem Jahr! Toll!

Meine Bewertung:

Thomas Gunzig: Tod eines Zweisprachigen
Original:Mort d´un parfait bilingue
Roman. Aus dem Französischen von Ina Kronenberger
Dtv Premium. 218 Seiten

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Philippe kommt zurück!

Verfasst von Esther am Juni 4

Ja, meine lieben Blogleser (so es Euch denn gibt), heute ist ein guter Tag!! Ein sehr guter Tag!! Besser geht es kaum… :yes: Denn ich habe gerade recherchiert, dass in Bälde ein neuer Roman von Philippe Claudel auf deutsch herausgebracht wird. Er heisst „Flore“ und das Erscheinungsdatum ist September 2007. Diesmal erscheint der Roman im Logo Verlag, nicht bei Kindler oder rororo. Ich habe ihn bei meiner Buchhandlung schon vorbestellt (sicher ist sicher! ). Ach ja, ich bin so richtig glücklich heute…

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Viola Alvarez – Das Herz des Königs

Verfasst von Esther am Juni 4

 

 

Aus dem Roman:

Wenn jemand nahe vor einem Fluss steht, scheint dieser unendlich lang und breit, kaum zu überwinden. Und obwohl wir wissen, dass er von einer Quelle kommt und auf eine Mündung hinfließt, erkennen wir doch nur das Stück, vor dem wir stehen, seine rauschenden und dennoch stehenden Wasser. Vom Hügel aus aber sehen wir einfach einen Fluss, wie er sich durch die Landschaft windet, sich einfügt in seine Umgebung.

Wer kennt sie nicht, die tragische Liebesgeschichte von Tristan und Isolde? Viola Alvarez hat sich dieses Stoffes angenommen und ihn aus einer neuen Perspektive, nämlich der des Königs Marke von Cornwall frei nacherzählt.
In ihrer Erzählung gibt es keine Drachen, keine Helden und keine Zaubertränke. Eher ist Alvarez Erzählung ein historischer Roman, der die Figuren der Legende in realistischerer Kulisse präsentiert.
Nebenfigur König Marke, der gehörnte Ehemann Isoldes, wird zum Hauptcharakter. Im Alter von 56 von einer unerklärlichen Starre seines Körpers befallen und doch im Geiste lebendig, resümiert König Marke sein bisheriges Leben. In Gedanken lebt er es erneut und lässt den Leser daran teilhaben.
Er beginnt mit seiner Kindheit und der Trennung von seiner Mutter, die nach dem Tode des Vaters, selbst die Krone übernimmt – vermeintlich bis Marke selbst König werden kann – und Klein-Marke zu Verwandten in Bretagne schickt. Marke wächst auf dem Lande in seiner Ziehfamilie auf, hat jedoch nie das Gefühl richtig zu der Familie zugehören, bleibt stets ein Fremder. Früh lernt er das raue Leben des Landadels kennen, mit seinen blutige Fehden und harten Sitten, doch Marke kann sich durchkämpfen. Durch eine entfernte, reiche und sehr schlaue Tante – nicht umsonst die Loba (die Wölfin) genannt – die das Gut von Kanelegres besucht, lernt er das luxuriöse Leben des Hochadels kennen. Die exotische betörende Frau führt Marke nicht nur in die höfischen Sitten und in das politische Wissen der Zeit ein, sondern auch in die Liebe.
Ein tiefes Band zwischen den beiden wird geknüpft. Als sie ihn wieder verlässt beginnt er langsam zu erahnen, welche Schmerzen und Entbehrungen noch auf ihn zukommen werden, doch das Schicksal des Königs nimmt seinen Lauf. Ob das Herz des Königs seinen Frieden finden kann? Viola Alvarez hat mit „Das Herz des Königs“ einen großartigen historischen Roman verfasst, der mich wirklich fasziniert und unterhalten hat und letztlich auch zu dicken Krokodilstränen gerührt hat.
< Das Buch ist rundum gelungen, stimmig und die Charaktere sehr gefühlvoll gezeichnet, psychologisch durchdacht und glaubwürdig.
Von ersten bis zum letzten Wort spannend und fesselnd. Ein Buch das den Leser förmlich absorbiert. König Marke schildert die andere Seite von „Tristan und Isolde“ so eindringlich und man gewinnt ihn so lieb, dass beim Ende der Lektüre plötzlich eine schreckliche Leere entsteht.
Ich kann nur begeistert von diesem Buch berichten, dass es einer der besten historischen Romane für mich ist.

Lesen!!!!

Meine Bewertung:

+

ISBN: 3404921879
Luebbe Verlagsgruppe
August 2005 – kartoniert – 511 Seiten
Das schöne und traurige Leben von Marke Herrscher zu Tintagel von ihm selbst erzählt.
‘Bastei – Lübbe Taschenbücher’.

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Buchzitate

Verfasst von Esther am Juni 4

Dummheit, wenn sie anderer Dummheit begegnet, ist immer machtlos, weil sie sich nicht im anderen erkennen kann.


aus: Viola Alvarez – Das Herz des Königs  (ich lese das Buch gerade, es ist wundervoll!…)

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